Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Kategorie: Hip Hop

French Montana – In The Sun (feat. Curren$y) (2010)

by Kilian

Dezember in Leipzig, Himmel grau, Wetter kalt. Das neue Semester ist in vollem Gange und manch Unglücklicher, meinereiner nicht ausgeschlossen, hat die Hibernation schon wohl etwas verfrüht begonnen und muss jetzt erstmal sehen, wo er bleibt. Dazu noch nebenbei arbeiten gehen, um dieses Money nach Hause zu bringen und sich den mondänen Lebensstil auf nicht zu kleinem Fuße finanzieren zu können, verengt den Zeitplan nun noch mehr – Hedonismus und Dispo sind nämlich keine guten Freunde, wie die Erfahrung zeigt. Wie dem auch sei, die Laune und die negative Auslastung sind momentan etwas suboptimal, daher machen wir uns besser daran, das zu ändern.

Trost und Drive sind wie immer in der Musik zu finden, weshalb ich mich an diesem Donnerstag dazu berufen fühle, einen meiner absoluten Lieblingstracks mit euch zu teilen. Erinnerungen weckt dieser an unbeschwertere Tage, junge Tunichtgute mit dem Kopf voller juvenilem Nonsens und einer Menge Zeit, erste Tänze mit der grünen Lady und absolut großartige Sommer, kurz bevor ich meine unterfränkische Heimat verlassen habe, um… um… um irgendwas zu finden.

Veröffentlicht wurde „In The Sun“ auf dem Mixtape „Cocaine & Caviar“ von French Montana aus dem Jahr 2010, allerdings bereits im Mai desselben Jahres unter dem Titel „So High“ auf dem von Big Mike, Evil Empire, DJ Self und Montana gehosteten Tape „Mac & Cheese 2.“ In letzterer Form allerdings noch mit nervigen Ansprachen eines der Hosts am Beginn der überragenden Produktion von Harry Fraud. Als Featurepartner hat sich der New Yorker für dieses Glanzstück Curren$y aus New Orleans eingeladen, seines Zeichens wohl eine der fruchtbarsten Adressen, wenn es um erstaunliche Qualität bei erstaunlicher Quantität der Releases geht – allein dieses Jahr hat Mr. Franklin bereits elf Mixtapes veröffentlicht, das jüngste mit dem Titel „11/30“ am vergangenen Dienstag.

Der Beat steht exemplarisch für das produktive Talent des Harry Fraud aus L.A., der unter anderem schon zahlreiche Projekte mit Größen wie Action Bronson veredelt. Als Sample für diese Ode an den Sonnenschein und die entspannenden Stunden, die damit einhergehen, dient eine Nummer, die sich mittlerweile zu einem meiner Lieblingstracks entwickelt hat, hier aber noch einmal in einem separaten Post gewürdigt werden muss.

PENNING THESE LYRICS FROM A HAMMOCK
WITH AN OUNCE OF KUSH, A PACK OF BAMBOOS
AND AN ICE CREAM SANDWICH, I’M THAT DUDE

Diese einleitenden Worte des Parts von Curren$y umreißen das Setting, in dem man sich diesen Track im Optimalfall zu Gemüte führen sollte, perfekt. Hängematte, Kush, Sonne und Eis – es geht wahrlich schlimmer. „In The Sun“ beweist sich als extrem gut alternde, sehr arrondierte Liebeserklärung an Cannabis im Sonnenschein, perfekt für die korrespondierenden Lebenslagen. Oder, wie es French ein paar Zeilen später formuliert: „Homie high somewhere in Venus.“

(Direktlink)

Würzburg hängt an der Flasche: Philo Philta & Slize – Barkeeper (WIN)

by Kilian

Stefan Bausewein

„Einzige Mucke, wo man das, was man sagt, auch verkörpern muss“ – von Megaloh vor mittlerweile drei Jahren geäußert, aufgegriffen, hier und da als Cut verwendet und in den einschlägigen Szenemedien annähernd bis zur Redundanz wiederholt, steht dieses Statement exemplarisch für eine Grundproblematik des Hip Hop; so man diese denn dort erkennen und als eine solche ansehen möchte: Authentizität, respektive das Haben oder Nichthaben dieser illustren Eigenschaft, ist im Game des Genres der einen Liebe wohl stärker mit der qualitativen Bewertung der Musik, der Rezeption der agierenden Künstler als auch der Geschichte dieser musikalischen Spielart verknüpft, als das in beispielsweise Grindcore, EDM oder Pop der Fall ist. Selbstverständlich, das Problem ist kein neues, nicht umsonst gibt es für das Reale im Rap mehr Formulierungen als Dendemann Wie-Vergleiche hat. Die Diskussion um Kunstfigur und Person dahinter ist eine, die schon immer stundenlange intensive Diskussionen in verqualmten WG-Küchen auslösen konnte und es in Zukunft auch immer wieder tun wird. Beide Seiten haben ihre Argumente, doch das muss zur Lösung dieses gordischen Knotens ja nicht zwingend etwas beitragen. Es echt halten. Echte Geschichten erzählen. Echte Gedanken verarbeiten. Das ist es doch, worauf es ankommt, oder? (Spoiler: Ja, ist es.)

Kurzum, man sollte etwas von dem verstehen, wovon man da den lieben langen Part so redet. Es real keepen. Auch als Fan. Vier Elemente und so. Aber Vorsicht, nicht übertreiben: Der, leicht polemisiert ausgedrückt, Rucksack tragende, 808s hassende Typ mit dem unangebrachten dipsetesken Bandana um den Hals, der dir sogar Fatcaps anbietet, wenn du WD-40 kaufst, kann schnell anstrengend sein. Die Gratwanderung zwischen Open Mind, tatsächliche und vermeintlichem Fortschritt, Veränderung, Authentizität und Realkeepen wird nicht leichter und soll das auch gar nicht werden, daher ist es für jeden geneigten Sprechgesangsartisten oder Connaisseur wohl die weiseste Empfehlung, sich entspannt zurückzulehnen, einen doppelten Woodford Reserve einzugießen, vielleicht einen Eiswürfel oder einen Spritzer Wasser hinzuzugeben, (ganz nach Gusto) und dem vom ständigen, anstrengenden Grübeln schon ganz ausgetrockneten Gaumen etwas geschmackvolle Linderung verschaffen und es demnach wie die folgenden zwei Herrschaften zu halten – mit einem Drink in der Hand, einem Beat in den Boxen und einem Nicken im Kopf lächelnd über den Dingen zu stehen. Zwei, die in dieser Domäne ihre Hausaufgaben schon lange gemacht haben – die Rede ist immerhin von in der Summe 30 Jahren Rap – ziehen nun aus, Rapdeutschland reinen Wein und andere Köstlichkeiten einzuschenken, die sie in ihren Bars so zu bieten haben, flüssiger Flavour für die dürstenden deutschen Heads und jeden, der es werden will.

Aus der Hauptstadt der feinsten Weine Deutschlands wird die Flasche der Freshness soundgewaltig entkorkt und auch getrunken, was gepredigt wird. Slize und Philo Philta stellen sich mit „Barkeeper“ zum ersten Mal gemeinsam an die Theke und verteilen zehn lyrische Shots an jeden, der mithalten kann. Philo Philta kann mit Fug und Recht als Local Hero des Würzburger Raps bezeichnet werden. Seit mittlerweile 20 Jahren im Game, kein bisschen leise und neben Fränk Sidata Teil der legendären Sicksteez aus der Domstadt, Raps, Cuts und Beats, jeden verdammten Tag. Ein Virtuose an der MPC und ein reflektierter, tiefgründiger MC mit klarer Kante und schlichtweg jemand, den man definitiv in einem Atemzug mit Würzburg und Hip Hop nennen muss, wenn man sich nicht blamieren möchte.

Mit „nur“ der Hälfte an Jahren im Hip Hop kommt die zweite Hälfte der Barkeeper zum Dienst, um ordentlich einzuschenken und zu erfrischen. Slize, ebenfalls Würzburger und genauso mehr als good to know, macht seit 2006 Musik und überschreitet damit, so wie Philo, ebenfalls die durchschnittliche Halbwertszeit eines deutschen Rappers bierkästenweit. Das Schultern von Studium, Freunden, Familie, Musik und diesem thing called life, der Hustle, der Grind, nennt es, wie ihr wollte, sorgen auch hier stetig für Nachschub aus der inspiratorischen Flasche und es gilt: What you hear is what you get. Verse aus Kopf und Herz, oft genug aus dem Bauch, frei von der Leber weg, die wack Emcees schnell an die Nieren und Heads schnell ins Hirn gehen.

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Am vergangenen Samstag, 19. November, erschien ihr erstes gemeinsames Album „Barkeeper“ auf Vinyl und diese Veröffentlichung – für Slize übrigens die Premiere auf dem schwarzen Gold – wollte natürlich mit den beiden ordentlich begossen werden. Anlässlich dessen baten die Barkeeper in die MS Zufriedenheit, zweifellos mit den besten Club in Würzburg, zur Jam für Beats, Bars, Blunts und Beers. Das Album und andere gemeinsame Tracks wurden selbstverständlich zum Besten gegeben und ordentlich auf die sich bereits in der Post befindenden Vinyls eingestimmt. Kinder, es war himmlisch.

Doch was habe ich damit eigentlich zu tun? Auch ich persönlich war liebend gerne Teil der Party am Samstagabend. Denn besonders Philos Musik bringt mich, selbst gebürtiger Würzburger und etwa 25 bis 30 Kilometer entfernt aufgewachsen,  immer wieder zurück ins Jahr 2009, an einem bitterkalten Februarabend im altehrwürdigen B-Hof, im zarten Alter von 16 Jahren auf meiner ersten echten Jam. Auf dem Programm? Huss & Hodn. Der Support? Die Sicksteez. Mein gesamtes mitgebrachtes Geld musste natürlich für die Vinyl von „High and Tight“ – nach wie vor eines meiner absoluten Favorites – dran glauben, aber mehr als sieben Jahre später kann ich sagen, dass ich eine absolut sinnvolle Investition getätigt habe. Slize, respektive Daniel, ist nun seit mehreren Jahren Teil meines Freundeskreises in meiner unterfränkischen Heimat und wir sehen uns durch Zufälle und über Umwege sogar beinahe jedes Mal, wenn ich zuhause bin, weshalb ich mich umso mehr freuen konnte, mit ihm  den Release seiner ersten Scheibe schwarzen Goldes zu feiern. Ich freue mich ebenso auf das Album, wenn ich es mir auf Platte zu Gemüte führen darf, bin aber auf jeden Fall schon mehr als gespannt – Review folgt (vielleicht). Gute Freunde, dope Raps, dicke Tüten und meine Heimat? Sign me up!

TL;DR: „Barkeeper“ ist der Wunderbaum, den sich Cloudrapper in den SUV hängen, um auch ein bisschen Flavour zu atmen.

Coppt die Vinyl von „Barkeeper“ von Philo Philta und Slize bei Vinyl Digital!

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Doch auch für euch soll der Weg durch diese knapp 1000 Wörter nicht umsonst gewesen sein – es gibt für eine oder einen Glücklichen etwas zu gewinnen: Und zwar nichts weniger als 1x „Barkeeper“ von Philo Philta & Slize auf Vinyl, fresh outta Presswerk und for free bei euch im Briefkasten! But Kili, how do we do that? Janz einfach:

  1. Gebt Slize und Backinthedaze bei Facebook einen Daumen nach oben.
  2. Liked den korrespondierenden Gewinnspiel-Post bei Facebook, markiert einen Freund in den Kommentaren und teilt den Beitrag auf eurem Profil! (öffentlich, sonst haben wir keine Möglichkeit zur Nachprüfung.)
  3. ???
  4. Profit.

Das Gewinnspiel läuft bis kommenden Samstag, 26. November, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der oder die Gewinnerin wird von uns benachrichtigt.

#BarsForDays: Rapper Murs will den Weltrekord

by Kilian

Für die meisten ist das alleinige Wachbleiben von 24 Stunden ohne jegliche Hilfe schon eine mittelprächtige Krise, 24 Stunden mit irgendeiner anderen Tätigkeit ohne Pause zu füllen, ist hingegen ungleich schwerer. Der Rapper Murs, den wir unter anderem auch schon hier auf dem Blog hatten, hat sich nun allerdings vorgenommen, den Weltrekord für die längste ununterbrochene Rap-Session aufzustellen, der in seiner Größe den bisher bestehenden Freestyle-Weltrekord von neun Stunden in den Schatten stellen soll: Ganze 24 Stunden – mit der Option auf Verlängerung – will der Rapper aus L.A. Beats mit Bars komplettieren, auf einem Stuhl in einem Studio, mit unterschiedlichsten Produktionen und Rhythmen, ununterbrochen und live per Stream für die Welt auf YouTube zu sehen. Unter dem Hashtag #BarsForDays kann man die Aktion online in den diversen sozialen mitverfolgen und im unten eingebundenen Video kann sich der geneigte Rapfan noch vier bis fünf Stunden Murs gönnen.

via Noisey

Die Peitsche der grünen Dame: Lazy Lu (feat. LUX und Johnny Rakete) – Wenn ich breit bin

by Kilian

„Bis dann eintausend bitterböse Schreie / find‘ die Mitte, schwimm im seichten / Wasser zwischen den Gezeiten / Wenn du weißt, dass du nicht frei bist / nur getrieben von der Peitsche / der grünen Dame, dann ist das keine Liebe / sondern Scheiße!“ – Johnny Rakete

Jeder auch nur halbwegs aufmerksame Leser dieser Plattform und auch jeder nur halbwegs aufmerksame Konsument jedweder deutscher Rapmusik muss nicht darauf hingewiesen werden, dass zwischen dem Genre der einen Liebe und des Boom und Bap, ihren Fans und Funktionären und dem THC-haltigen Healing of di Nation, Cannabis, Marihuana, Mary Jane, eine wechselseitige Liebesbeziehung gibt, deren Vorzüge schon zur Genüge in musikalischen Hommagen verwertet wurden. Doch auch, wenn die dunkle Seite des Buds hier und da einmal aufgegriffen wurde, fehlt dem selbstreflektiven Pot- und Raphead die Hymne für die cannabisinduzierten Momente ganz unten. Bis jetzt.

Drei Bazis auf dem Weg nach oben: Der Nürnberger Lazy Lu, der Fürther und Wahlmünchner Johnny Rakete und LUX aus der bayerischen Landeshauptstadt machen gemeinsam auf einen auditiven Genickbrecher des Münchners Cap Kendricks – nicht umsonst junger, bayerischer, Produzentenexportschlager – eben genau das nicht, was man von drei rotäugigen Jungrappern erwarten würde und liefern auf „Wenn ich breit bin,“ der am heutigen Dienstag über den Channel der JUICE veröffentlich wurde, eben „kein[en] unreflektierten Lobgesang auf THC.“ Stattdessen gibt es in den drei Parts weise Worte voller Einsicht, die ein jeder, dessen Leben in Vergangenheit und Gegenwart unter dem nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche agierenden Zauber der grünen Dame stand, nachvollziehen können sollte. Die Cuts liefert der gute alte S-Trix – immerhin stolzer Sieger von insgesamt 13 DJ-Meisterschaften und extrem versierter Turntablist – aus meiner guten alten Hood aus der unterfränkischen Provinz und arrondiert so das beeindruckend zusammenpassende Klangbild aus Raps, Cuts und Produktion, für deren Visualisierung nicht zuletzt Deutschraps Darling Arvid Wünsch verantwortlich zeichnet. Bayern is a Weltmacht – auch im Rap.

„Wenn ich breit bin“ erscheint am 1. Oktober auf der Debüt-EP von Lazy Lu, „Paradoxon,“ welche komplett von Cap Kendricks produziert zum kostenlosen Download erscheinen wird.

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via JUICE

Für den Mann von Qualität aus dem Kiez ein Muss: Shacke One – Nettelbeckplatz / Stecks Schmiers & Suff

by Kilian

Herbst, Herbst, Herbst allerorten. Was tun gegen die sich langsam einstellende Tristesse? Durchbrecht den monochromen Dienstagnachmittag mit erfrischendem Berliner Battlerap der alten Schule: Ein neues Video von Shacke One! Der Nordberliner MC aus dem Wedding und kongeniale Nordachse-Partner von MC Bomber, dem P-Berg Ayatollah, veröffentlicht angesichts seines jüngst releasten Debüts „Stecks Schmiers & Suff“, welches der geneigte Rapfan hier bei Upstruct for free downloaden kann, ein neues Doppelvideo zu den Tracks „Nettelbeckplatz“ und dem Titeltrack „Stecks Schmiers & Suff.“ In meiner bescheidenen Meinung ist Shacke – im Vergleich zu seinem Partner in crime MC Bomber (props / no hate) – auch der versiertere Rapper der beiden. Die Punchlines schneiden scharf, kommen on point und die geradlinige Atzenlingo, mit adäquatem Klangbett von respektablen Produzenten ausgestattet, rundet das authentische Bild des Raps vom Weddingdon ab.

Der erste Track des Videos, eine Ode an den Nettelbeckplatz im Wedding, in dessen Nähe sich beispielsweise auch das ehemalige Stattbad und die Panke befinden, kommt auf einen Beat von Achim Funk, der auch noch einige weitere Nummern auf dem Tape produziert hat. Die zweite Nummer, der Titeltrack des Tapes, featured einen Sample-Beat allererster Güte, eine in gewohnter Top-Qualität überzeugende Produktion von Klaus Layer aus Berlin, definitiv einem der Besten seiner Zunft. Abgerundet wird die Videoveröffentlichung durch die Bilder von Dominik Galizia, der mit Sommer, Sonne und Großstadt die Erinnerungen an die jüngst dahingeschieden zu sein scheinenden warmen Tage wach hält. Berlin Boom Bap Battlerap – Brett!

via Morlockk Dilemma | Beitragsbild: Screenshot

Diggin‘ the scene with a gangsta lean: Rrari Paapi – Scurrderia Rides #1

by Kilian

Zeitgenössischer, populärer Hip Hop aus den USA war für mich, in meiner bisherigen Karriere als Fan, selten ein Thema und ich bin auch, um ehrlich zu sein, mit dem Großteil der Releases und der als Hoffnungen verkauften und vermarkteten Künstler jenseits des Atlantik nicht wirklich warm geworden. Mit dem Aufkommen des in bundesdeutschen Gefilden so unsäglich mit Cloud Rap betitelten Rapstils, der ja selbstverständlich seine Wurzeln in den USA bzw. im Internet hatte und statt komplizierten Reimen als Qualitätsmerkmal auf einmal unverständliches Geseiere auf überproduzierte Plastikbeats teilweise die Norm wurde, war für mich dann eigentlich sowieso der Keks gegessen und ich verlegte meinen Fokus wieder hin zum online diggen, statt unbedingt auf der Höhe bleiben zu müssen. Langer Rede kurzer Sinn: Ich verbringe einfach keine Zeit damit, mir solchen Kram anzuhören, höre kein Radio und gehe höchst selten in Clubs, in denen einer breiten Hörerschaft gefallen sollender Hip Hop gespielt wird und das gesamte Klangbild und die Produktionselemente nerven mich, wenn ich einfach nicht in der Stimmung bin, in jeder Faser meines Körpers.

Nichtsdestotrotz bin ich ja ein stets offener Mensch und niemand, den man nicht überzeugen kann. So setzte mir die wohl mächtigste Meinungsmachemaschine der Geschichte der Menschheit, der weise, bald zu unserem digitalen Overlord mutierende und die Menschheit bis ans Ende ihrer mickrigen Tage zu einem Leben in Knechtschaft verdammende Facebook-Alogrithmus, der uns nur zur Befriedigung seiner ob seiner Genese aus all unserem abgefuckten Input entstehenden perversen Triebe unsere restliche Zeit auf Erden versauen wird, folgendes Tape vor die Nase, was, um die beiden hier angefangenen Erzählstränge einfach mal gekonnt zusammenzuführen, sowohl meine Meinung über die soi-disant jüngere Klangästhetik englischsprachigen Hip Hops etwas revidieren konnte als auch ewige Leibeigenschaft etwas smoother und angenehmer gestalten könnte. So, Kurve gekriegt.

Ganz aus der Nähe meiner unterfränkischen Heimat, aus dem schönen Städtchen Aschaffenburg – ich kann jedes Mal nur ein Shoutout an Schlappeseppel geben, krank gutes Bier – stammt die Cosmo Gang, deren Mitglieder hier und dort auch schon auf dem Blog gefeatured wurden, daher verweise ich auf einfach mal auf die verlinkten Posts für weiterführende Informationen. Aus der Mitte dieser in der gesamten Bundesrepublik verstreuten Gang mit Homebase AB steppt Rrari Paapi an die Decks und bringt der geneigten Hörerschaft „Scurrderia Rides #1„, einen etwas über 50 Minuten langen Mix, der einfach Laune macht. Bei mir im sonnigen Leipzig gestern und heute einfach der optimale Soundtrack gewesen, auch wenn ich, wie oben erwähnt, mit einer großen Portion Musik dieses Spektrums so rein gar nix anfangen kann. Nunja, manchmal ist das Ganze eben doch mehr als die Summe seiner Teile. Das Set, welches im Rahmen der ersten immer.ready-Party (immer.ready ist die recht interessante Kombination von Marvin Game, Holy Modee, Morten und Mauli) auf Soundcloud veröffentlicht wurde, gefällt mir bei jedem Replay besser – exzellentes Wetter, coole Tunes und Wochenende, könnte schlimmer sein. „Ein paar immer.ready Banger, viele aktuelle (RAP)HiTS, ein paar Klassiker aus der golden Era (2012-2015) und etwas POP für die letzten schönen Tage des Jahres“ – interessante Definition von „Golden Era“, aber sonst, yo!

via Cosmo Gang

dude&phaeb – Bandmaschine (digitalluc Remix) (2014)

by Kilian

„Denk ich an deutschen Hip Hop in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“ – zu oft und zu oft berechtigt schwirrt dieses Sentiment durch die Szene und ihre Medien. Es ist als Fan deutschen Sprechgesangs allerdings auch schön zu wissen, dass man, so man sich denn eingehender mit der Materie beschäftigt, als es das Bestellen der zehnten überteuerten Deluxe-Box oder des Coppens neuer Gewand gewordener Gräueltaten mäßig begabter musikalischer Eintagsfliegen vor der abendlichen Clubshow in mediokren Kaschemmen von Gütersloh bis Traunstein zulässt, ewigen Unkenrufen doch auch immer wieder Qualität entgegenbringen kann.

Konstanter Lieferant solcher Qualität ist der Leipziger dude26, der sowohl als Produzent wie auch als Emcee und Lyriker in Wort und Beat gleichermaßen zu überzeugen weiß. Ob solo oder in Kooperation mit seinem musikalischen Partner in crime, fablephaeb, der Output der beiden Rapper aus der Messestadt als dude&phaeb spricht für sie. Produktionen alter Schule und um mehrere Ecken gedachte und in die Tiefe gehende Texte treffen in der Musik der beiden gebürtigen Hildesheimer kongenial aufeinander und hinterlassen Hip Hop, auf den der deutsche Untergrund mehr als stolz sein kann.

Bandmaschine“ entstammt ihrem Erstlingswerk, „Monokultur„, welches im Jahr 2013 über ihr Label Daily Concept veröffentlicht wurde. Der vorliegende Remix kommt vom Münchner Produzenten digitalluc, welcher ebenfalls durch einige großartige Produktionen und Remixes in den vergangenen Jahren die Aufmerksamkeit der deutschen Hip-Hop-Heads erlangte und auch für den Track der beiden Leipziger liefert digitalluc ein formidables Klangbett: Soulig, jazzig, warm, dabei angenehm verträumt-melancholisch und mit harmonischer Instrumentierung passgenau Atmosphäre schaffend. Man muss eben nicht immer um den Schlaf gebracht sein, wenn man nachts an deutschen Hip Hop denkt.

via digitalluc

Soulful Strolling: Kidsoul – Playin Games

by Kilian

Merke: Schicke Leuten nicht den Link zu deinem Blog, wenn du seit Ewigkeiten nichts geschrieben hast. Wenn die vergangenen, aus meiner Perspektive wirklich allzu unproduktiven Wochen immerhin eines bewirkt haben, dann, dass ich mich ab sofort wieder wirklich verstärkt dem Schreiben widmen will, anstatt mir Unmengen an musikalischem, literarischem, wissenschaftlichem und anderweitig interessantem Input zu Gemüte zu führen und dabei doch immer die Gelegenheit liegen zu lassen, das Ganze in Text umzusetzen und mit den Menschen, die ich erreichen kann, zu teilen. Zum Glück ist das Material dafür zuletzt – in Ermangelung der Umsetzung hier auf dem Blog – zu einem mehr als beachtlichen Stapel angewachsen, so let’s get it on!

Auch bei recht wechselhaftem, zu nichts so recht motivierendem Wetter hier in Leipzig, hat mir doch ein Track heute definitiv zu massiv sommerlichen Vibes verholfen. Schöner noch, dass mir der betreffende Artist vorher noch komplett unbekannt war und darüber hinaus seine Homebase gar nicht mal so weit weg von meiner Heimat hat. Der Gute hört auf den Namen Kidsoul und unterstreicht besonders den zweiten Teil seines Namens mit seinem bisherigen musikalischen Output. Beeindruckend smooth schlendert Kidsoul auf den fünf Tracks, auf denen er im Vorfeld seines anstehenden EP-Releases zu hören ist, über die sahnig-souligen Beats. Ohne Probleme wechselt der junge Schweinfurter von filigranen Falsettmelodien zu verschnörkelten Flows, on point, voller Seele und immer aus einem Guss.

Auch sein Track „Playin Games“, welcher im Frühjahr diesen Jahres das Licht des Internets erblickte, stellt hier keine Ausnahme dar: Auf eine Produktion von IHPMAN und Biju, beseelt mit Verve bis zum Umfallen und Rap- und Gesangsparts, die jeder Musikaficionado, der etwas auf sich hält, nur mit einem obamahaften „Not Bad“ abnicken kann, trifft Kidsoul genau ins Schwarze. Die EP des jungen Mannes wird mit Sicherheit mehr als hörenswert werden und ihr solltet nicht verpassen, euch mit seiner Musik zu beschäftigen – es lohnt sich. Zur großen Freude aller gibt es die bisherigen Veröffentlichungen auch allesamt als Free Download, sommerlichen Vibes voller Soul aus euren Speakern steht also nichts und niemand im Wege. Das Video entstand im Rahmen der großartigen COLORS aus Berlin, bei denen mit exakt der richtigen Mischung aus Minimalismus und Verspieltheit bei Interviews und Liveshows der Fokus auf Künstler und Musik statt Effekthascherei gelegt wird, den Downloadlink findet ihr bei Soundcloud.

via Eloquent

 

Sommerhit: Juicy Gay feat. LGoony – Sace Sace (Remix)

by Kilian

Auch wenn ich diese komplette Woche dank Auskurieren der Strapazen des Turn-Ups des vergangenen Wochenendes (zwei Jahre IfZ, s/o an den besten Club Leipzigs), meines löchrigen Stundenplans und dann auch noch des gestrigen Feiertages ohnehin schon in maximalem Entspannungsmodus verlebt und mich erfolgreich vor jeglicher Universitäts- und Schreibarbeit gedrückt habe, muss dieser Post an dieser Stelle allerdings einfach raus. Der Sommer 2016 hat angerufen, sein erster Hit ist da.

Juicy Gay, der „erste offen schwule Rapper Deutschlands“, 19 Jahre alt, Autotune-Aficionado und mit seiner Musik irgendwo in diesem neuen Kosmos namens Cloud Rap unterwegs, hat vor kurzem seine neue EP „Hip Hop Hurra“ – zum Free Download hier entlang – veröffentlicht. Im Zuge dessen erschien auch vor einigen Wochen „Sace Sace„, welches nun in kongenialer Zusammenarbeit mit dem von mir hoch geschätzten, von vielen zum Rap-Messias der Bundesrepublik stilisierten LGoony in einem Remix zum perfekten Sommerhit veredelt wurde.

Mit dem Video von Timo Milbredt wurde auch in optischer Hinsicht wieder genau der Richtige beauftragt, um den Neo-Lovesong an, mit und über die Marke mit der Medusa adäquat in Szene zu setzen. In Deutschland kaum erreichter Swagger, Autotuneeinsatz am idealen Scheitelpunkt von „fast too much“ und hundertprozentigem Fühlen und eine Produktion vom Allerfeinsten machen den neue Remix zu „Sace Sace“ von Juicy Gay und LGoony auf jeden Fall zu Material für heavy rotation.

via Timo Milbredt

Adi Space – Diary Of A Stoner (2013)

by Kilian

Faust auf Auge, Arsch auf Eimer, Pech zu Schwefel – metaphorisch und proverbial passt recht häufig eines annähernd perfekt zum Anderen, die Liste ließe sich natürlich ins Endlose und noch viel weiter fortführen. Glutamat zum China-Imbiss, Ethisch-moralische Flexibilität zu Primark oder Rechts-Schreibung ™ zum echten Deutschen, Bigotterie zur Politik, man kann erkennen, wo der Zaunpfahl hinwinkt. Der Titel des hier vorliegenden Tracks und das ursprüngliche Selbstverständnis dieses Amalgams aus Blog, Tagebuch, Selbstbeweihräucherung und Unmengen Musik wären nur ein weiterer Punkt dieser Aneinanderreihung, der jedoch treffender kaum sein könnte.

In der Heimatstadt eines der besten Biere Deutschlands (s/o Schlappeseppel), Aschaffenburg, hat die Cosmo Gang, eine mittlerweile in ganz Deutschland dezentral organisierte Crew junger Rapper und Produzenten, ihre Wurzeln. Die Mitglieder hören auf solch illustre Namen wie Holy Modee, Paapi Space, Bimbo Beutlin, Albert Parisien oder Tim Taler und mit Flows, Swag und Authentizität begab sich die Completely Outta Space Music Operation 2012 in die Welt, um smoothen Sound zu machen. So einfach ist das. Die hier präsentierte Nummer stammt aus dem Jahre 2013, vom nicht minder illustren, im Internet jedoch sich weit bedeckter haltenden Adi Space und steht dem genannten Credo in nichts nach.

Jazzig, verspielt und unheimlich smooth mäandert die Produktion bewusst angenehm holprig durch die drei Minuten und 49 Sekunden, stimmig von den Snares bis zu den Pads. Stimmig vom Schlendern über den Beat, über die wohlig-warme, unverkrampfte Bassline bis zu einer Thematik, die der Autor dieser Zeilen viel besser versteht, als er zugeben würde und von Adi Space aka Bimbo Beutlin mit Flow, Finesse und feinen Lyrics vor etwa drei Jahren zum perfekten Sonnensoundtrack veredelt. Und ja, jetzt ist der Punkt gekommen, die Anlage aufzudrehen und die schwarzen OCBs herauszuholen – let’s get to work, please and thank you.

via Cosmo Gang