Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Kategorie: Gitarrenmusik

Powerful: Stone Cream – Rust (Album)

by Kilian

Powerful, indeed. Bereits vor einigen Monaten kam, wohl zuerst im Subreddit /r/punk, die Theorie auf, dass die (zu diesem Zeitpunkt noch rein theoretische) Präsidentschaft von Donald J. Trump – das ‚J.‘ steht für ‚Jackass,‘ wenn ich nicht irre – für eine neue Welle aggressiver, vom Status Quo abgefuckter Punk-, Rock- und Hardcore-Musik in den USA sorgen würde. Eine Theorie, die mittlerweile schon aus verschiedenen Quellen iteriert wurde und die, genau betrachtet, nur die logische Fortsetzung des bisher in der Geschichte Beobachteten ist: Mit einem Blick auf die 1970er und 1980er Jahre, Reaganomics, Thatcherism, martkradikalem Kapitalismus und einer ersten riesigen Welle Abgehängter, politischer Instabilität und unkontrollierter Wirtschaft, sieht man, welche Auswirkung die sozioökonomische Situation in besonders den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich auf lokale, nationale und dann internationale Musikszenen hatte und der Ursprung wie vieler Bands und auch Subgenres in exakt diesen Jahren zu verorten ist. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dies in den USA nun, da Donald Trump im Januar zum Präsidenten vereidigt werden wird, erneut so ablaufen würde und immerhin als eine Art kleiner, musikalischer Lichtblick am Horizont der schlechten Aussichten dienen könnte. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, wie man so hört.

Ins Auge sticht, analog zum gewählten Beispiel, in jüngerer Vergangenheit allerdings auch die harte, gitarrenlastige Musik des seit einigen Jahren zur germano-europäischen Urlaubs- und Schuldenkolonie degradierten Griechenland, welche dank Internet in immer steigender Frequenz und Intensität auftaucht und welche von einer Menge Wut im Bauch zeugt. Wen würde es wundern – eine erneute Wiederholung aller Details wäre an dieser Stelle wahrlich redundant –, bei den dortigen Verhältnissen, an denen wir Kartoffeln eine ordentliche Teilschuld tragen, ob wir wollen oder nicht. Deprimierende kapitalistische Normalzustände beiseite: Stoner Rock. Stoner Rock aus Griechenland. Stoner Rock aus Griechenland mit den mächtigsten Riffs, die in den vergangenen Monaten durch die Boxen des bescheidenen Refugiums des Autors geschallt sind. Stoner Rock aus Griechenland mit einer Stimme, bei der sowohl Lemmy (R.I.P.) als auch John Garcia von Kyuss nur ein anerkennendes Daaamn, Son! entfahren dürfte. Vocals, die nach einer Menge Lagavulin und Zigaretten nur so herrlich stinken und alle verpackten und kanalisierten Emotionen kompromisslos transportieren. Dazu: Groove par excellence. Par excellence!

2016 war ein formidables Jahr für Stoner Rock, dessen können sich die musikalischen Historiographen der Zukunft sicher sein. Stone Cream werden für diese fruchtbaren zwölf Monate gewiss zumindest exemplarisch genannt werden, veröffentlichen die Griechen doch kurz vor Jahresende doch noch einen echten Diamanten für die ohnehin schon vor Qualität berstende Anthologie des laufenden Jahres. Formiert wurde die Band 2013 und geprobt und aufgenommen wurde zur Genüge, doch bis just vorgestern wurde kein einziger Song veröffentlicht. Via Bandcamp wurden nun acht Tracks des Trios zum Album „Rust“ kompiliert und zum Free Download bereitgestellt und das absolut zurecht. Begonnen beim mitreißenden und nicht loslassenden Opener „Jail Dog“ tragen sich grandios Phaser-verfremdete Gitarre und Vocals voller Intensität über das erneut von großartigem Sound der Saiteninstrumente befeuerte „Broken Child“ bravourös, unschätzbar intensiv und voller Groove über die komplette Lauflänge des Albums. Die ganze Scheibe steht ohnehin im Zeichen von Fuzz-geladenen Riffs und Groove ohne Ende, „Snakes On My Back“ und das etwas langsamere „Ghost“ überzeugen hierbei ebenso wie das dreckige „Galaiandra.“ Die auffallend gut passende Stimme des Sängers fällt auf „Rust“ erneut mit dem phasenweise ruhigeren „Aegean“ ins Ohr, dessen sphärisches Introriff für den richtigen trippy Anstrich sorgt. „Haunted Train“ sorgt noch einmal für die nötige Beschleunigung, bevor auf „Bow“ erneut die starken Southern Rock-Einflüsse hörbar werden, die mit dem harten, verzerrten Gitarrensound der Band und einer Rockstimme, um die Stone Cream hundertprozentig beneidet werden dürften, ein mehr als überzeugendes Debütalbum passend abrunden.

Unterstützt die Band bei Bandcamp und sichert euch das Album „Rust“ als Free Download!

(Direktlink)

Ich hab mein Riff in Heidelberg verloren: Buddha Sentenza – Semaphora (Album)

by Kilian

Sonntagabend, 20 Uhr. Es ist der zweite Advent, die Gassen der Leipziger Innenstadt sind immer noch mit Kunden jedweder Couleur gefüllt, dem zweiten Advent, dem Weihnachtsmarkt und nicht zuletzt dem verkaufsoffenen Sonntag sei Dank. Meine achtstündige Schicht auf der Arbeit heute hat das natürlich nur marginal verbessert, um es vorsichtig auszudrücken. Nach verrichtetem Tagwerk sitze ich nun in meinem geschätzten Schreibtischstuhl, habe ein kühles Freiberger Pils, einen doppelten Glengoyne und die obligatorische Sportzigarette vor mir und, wie so oft, wenn es ausnahmsweise mal ein langer Tag statt einer langen Nacht war, die nötige, gitarrendominierte, adäquat harte, ventilierende Musik dazu aus den Boxen – Stoner Rock.

OB DAS DIE SOGENANNTEN EXISTENZIALISTEN SIND, VOR DENEN PAPA MICH GEWARNT HAT? SO SCHLIMM SEHEN SIE EIGENTLICH GAR NICHT AUS.

Für den Soundtrack meines frühen Abends sorgen heute Buddha Sentenza aus dem schönen Heidelberg. Das Quintett, welches in dieser Form bereits seit sieben Jahren gemeinsam musiziert, veröffentlichte nach dem Demo „mode0909“ aus dem Jahr 2009 und „South Western Lower Valley Rock“ von 2013 in diesem Jahr ihr zweites reguläres Album, welches auf den Titel „Semaphora“ hört und in meinen Augen definitiv zu überzeugen weiß. Auf sechs Tracks, die sich in ihrer Länge jeweils zwischen etwa fünf und elf Minuten einpendeln, wird jedes atmosphärische Feld in auffallender instrumentaler Qualität beackert und der musikalischen Herkunft der Band Tribut gezollt. Ins Auge sticht besonders, dass es der fünfköpfigen Band vom Neckar über die gesamte Lauflänge von 47 Minuten gelingt, das Geschehen auch für anspruchsvollere Zuhörer durchgehend interessant zu halten. Kulminierende Riffs und nach vorne preschende Drums wechseln sich ab mit sphärischen Synths und melancholischen Adagios, die den geneigten Hörer kaum merklich, aber unwiderruflich in den Bann des Albums ziehen. Klar hörbare Einflüsse der 1970er – besonders schön auf meinem sofortige Reminiszenzen an Deep Purple hervorrufenden Favoriten „Laika“ zu hören – erscheinen, einmal durch den kreativen Apparat der Heidelberger gedreht und gepaart mit toll eingesetzten psychedelischen und Stoner-Elementen, im modernen Gewand und entpuppen sich als Schmankerl für jeden Freund instrumenteller Rockmusik. Drums, zwei Gitarren, Bass und Keyboard – was braucht man mehr?

Auch wenn ich nicht der Erste bin, wenn es darum geht, eigene Defizite einzugestehen – besser als der Promotext kann ich es zu diesem Zeitpunkt (es ist Sonntagabend, sorry) wirklich nicht in Worte fassen: Put your foot on the gas pedal, let go of the steering wheel, close your eyes and enjoy the ride!

Checkt und unterstützt die Band über Facebook, Bandcamp oder ihre Website!

(Direktlink)

Violent Femmes – Good Feeling (1983)

by Kilian

Mein lieber Herr Geheimrat, ein vorzügliches Wochenende. Leicht gebeutelt vom ausgelebten Hedonismus der Samstagnacht und des Sonntages sitze ich nun an diesem kalten, doch wunderschön sonnigen Novembermontag in meinem Zimmer und fühle mich erstaunlich ausgeglichen und entspannt. Geschuldet dem Umstand, dass an den Wasserleitungen in unserem Haus bis in den Nachmittag irgendwelche Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden und geschuldet der Tatsache, dass ich das zwar seit vergangener Woche zur Kenntnis genommen, aber dann im Eifer des Wochenendes glorreich verdrängt und dementsprechend keinerlei Vorbereitungen getroffen hatte, sitze ich buchstäblich in meiner eigenen Wohnung auf dem Trockenen – Duschen und Kaffee sind dementsprechend passé und der Montag ganz nonchalant vollumfänglich zur Regeneration der körperlichen und mentalen Kräfte genutzt. Es geht mir gut, ich mein, es könnte weitaus schlimmer sein.

Veredelt wurden die vergangenen 48 Stunden auch noch durch mir sehr sehr lieben Besuch aus Berlin, welchen ich ohne Umschweife zu meinen absoluten Lieblingsmenschen zählen darf und viel zu lange nicht gesehen hatte, demnach stand die Visite ganz im Zeichen guter Vibes. Leider – screw you, university – waren diese guten Vibes nur von viel zu kurzer Dauer, zwar bis in den letzten Moment ausgekostet, doch flüchtig und, wie mensch dann schmerzhaft bewusst wird, viel zu selten. Dieses Gefühl, das einen in solchen Augenblicken, wie beim Abschied, beschleicht, wird wohl durch keinen Song besser in Musik ausgedrückt als in diesem: „Good Feeling“ aus dem Jahr 1983. Geschrieben und aufgenommen von der Band Violent Femmes aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin stammt es von deren mittlerweile ikonischem, autonymen Debütalbum auf Slash Records, welches es beispielsweise in der bescheidenen Meinung des Rolling Stone auf Platz 22 der einhundert besten Debütalben aller Zeiten geschafft hat. In wechselnder Besetzung und mit Pausen besteht die Band heute noch und wieder aus den beiden Gründungsmitgliedern Gordon Gano und Brian Ritchie an Gitarre respektive Bass sowie John Sparrow am Schlagzeug und stilistisch ist die Musik der Violent Femmes mit den Tags Post-Punk oder Folk Punk nach wie vor leidlich gut umrissen, wenn auch bei weitem nicht gut einsortiert.

VAGUE SKETCH OF A FANTASY LAUGHING AT THE SUNLIGHT (LIKE HE’S BEEN UP ALL NIGHT)

Die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit der guten Gefühle sind wohl zwei ihrer Eigenschaften, die diese Momente so selten und dabei so wertvoll machen. Gordon Ganos sehnsüchtiges Klagen, dass seine kleine Lady doch nur ein klein wenig länger verweilen möge, nur für ein paar weitere Tropfen von Fortunas süßem Nektar, hat auch nach 33 Jahren nichts von seiner punktgenauen, emotionalen Wirkung verloren. Prädikat: Absolut wertvoll.

(Direktlink)

 

Ronnie Earl & The Broadcasters – Kay My Dear (2007)

by Kilian

Ein sonniger Donnerstagmorgen in Leipzig, sturmfrei in der WG, Meditation Medication, Ayran im Kühlschrank, neue Boxen und ein neuer Verstärker auf dem Weg zu mir, außer der unglaublich zeitintensiven Aufgabe des Kaufens von Waschmittel annähernd nichts zu tun und soeben auch die Abgabefrist für meine Hausarbeiten um 14 Tage nach hinten schieben können: Heißt, zusammengefasst, Kili macht jetzt erstmal nix. Naja, Musik hören und darüber schreiben eben – soviel Zeit muss sein!

Meine Laune könnte angesichts dieser doch angenehmen Kombination gerade eigentlich nicht besser sein, weshalb der erste Beitrag eines heute hoffentlich produktiven Bloggertages wohl eigentlich nicht zur Stimmung zu passen scheint. Es wird bluesy. Bluesy as fuck. Begegnet ist mir dieser – Spoiler – großartige Track in einem YouTube-Video, welches meine Aufmerksamkeit eigentlich nur daher bekam, dass der Uploader darin die gleichen alten Telefunken-Boxen, welche ich jüngst erstanden habe, mit seinem Setup in seiner Wohnung präsentiert – gems in strange places, sozusagen.

Das Stück stammt von einer mir bis dato – nicht, dass meine Beschäftigung mit dieser Domäne zeitgenössischer Musik von übermäßiger Intensität gewesen wäre – unbekannten, echten Größe des kontemporären US-amerikanischen Blues: Ronnie Earl. Großartiger instrumentaler Blues eines Musikers, der nicht ein, nicht zwei, sondern bereits drei Mal den Titel „Guitar Player of the Year“ des Blues Music Magazine sein Eigen nennen konnte, begleitet von seiner Band The Broadcasters. Im Falle von „Kay My Dear,“ welches 2007 auf dem Live-Album „Hope Radio“ über Stony Plain Records erschien, sind die Musiker der Broadcasters Forrest Padgett an den Drums, Dave Limina an der Orgel und am Klavier sowie Jim Mouradian am Bass. Live wird die Band aus Boston, Massachusetts, darüber hinaus noch von Diane Blue als Vokalistin unterstützt. Discogs bezeichnet das Genre des Albums als „Modern Electric Blues“ und auch, wenn ein simples „Blues“ genügt hätte, ist die Bezeichnung doch sehr treffend. Lang gehaltene Noten, viel Twang, ein für den Blues nicht ungewöhnliches, sehr reduziertes Tempo, ideal unterstützende Backgroundmusiker und bestechendes Gitarrenspiel von Ronnie Earl – über den B.B. King nebenbei ein dem Ritterschlag ähnelndes „He makes me proud!“ zu sagen hatte – veredeln diese erst kürzlich von mir entdeckte Nummer zur echten Perle.

via Valerio Pulciani

My Sleeping Karma – Ahimsa (2009)

by Kilian

Was ist das für 1 Stadt? Nicht nur, dass aus dem beschaulichen Aschaffenburg – wie bereits andernorts erwähnt angenehme 50km von meiner Heimat entfernt – nicht zu vernachlässigender Hip Hop stammt, sie mit Schlappeseppel eines der besten Biere Deutschlands und mit dem Colos-Saal einen der besten Veranstaltungsorte der Region haben, nein, nun darf ich auch noch bei meiner Recherche herausfinden, dass eine der Bands, die mich exzeptionell gut in meiner akademischen Arbeit der vergangenen Tage und Wochen begleitet hat, ebenfalls von dort stammt – My Sleeping Karma.

Bestehend aus Matthias „Matte“ Vandeven am Bass, Norman Wehren am Soundboard, Steffen Weigand an den Drums und Seppi an den sechs Saiten, haben sich My Sleeping Karma, deren Mitglieder sich bereits aus anderen Bands kannten, 2006 formiert und mit einem selbstbetitelten Debütalbum im gleichen Jahr den geneigten Musikkenner mit feinstem instrumentalen Rock angefixt. Um die Bandwebsite zu zitieren: „My Sleeping Karma never fail to create an unique and hypnotic score of epic proportions that is bound to send the listener on deep mental journeys.“ Punkt.

Denn exakt dieser einzigartige, hypnotische Sound, den die vier Unterfranken ohne großen Einsatz von Sprache – ein paar Lyrics hier, ein paar gesamplete buddhistische Gesänge dort – kreieren, ist es, der die Attraktion dieser Band ausmacht. Progressiv, psychedelisch, sphärisch, dennoch intensiv und gleichzeitig trippy und extrem versiert instrumentiert. Für jeden Fan grooviger, spaciger Rockmusik mit Jam-Charakter eine absolute Empfehlung: Keine überladenen, opulenten, überproduzierten Klangwände, sondern intelligent komponierte und ausgewählte, in ihrer Anzahl reduzierte Themen und Motive bestimmen den viele Parallelen zu instrumentalem Stoner Rock aufweisenden Sound.

Der Opener ihres zweiten, im Jahr 2008 über das Label der deutschen Psych-Rock-Urgesteine Colour Haze aus München, Elektrohasch, veröffentlichen Longplayers „Satya“ stellt hierbei keine Ausname dar. „Ahimsa“ – betitelt nach dem im Hinduismus und Buddhismus elementaren Prinzip des Nicht-Verletzens und der Gewaltlosigkeit – könnte ein Album nicht besser eröffnen und steht exemplarisch für den genialen Sound der vier Aschaffenburger. Instrumentaler Rock, voller Groove und Gefühl, mit präzise dosierten Phasen des Drucks und der Entspannung, sphärisch, trippy, psychedelisch, um sich darin verlieren zu können. Das Album lässt sich, YouTube sei Dank, dort ebenfalls in voller Länge finden und sei jedem, ob Aficionado oder Neuling, zweifellos ans Herz gelegt.

(Direktlink)

Moody Mondaze: Electric Octopus – This Is Our Culture

by Kilian

Lagebericht aus dem kushvernebelten Backinthedaze.-Hauptquartier in Leipzig: Kurt Eisner bestimmt momentan meine produktiven Stunden. Nicht nur, dass dieser idealistische, integre, verklärte und verkannte bayerische (sic!) Sozialist – so etwas kann man sich wirklich nicht ausdenken –, sein Leben und Wirken Zugang zu einer unglaublich interessanten Epoche und auch Persönlichkeit bieten, nein, ich habe auch noch das zweifelhafte Glück, über seine außenpolitischen Ideen eine Hausarbeit zu verfassen. Zweifelhaft daher, dass ich absolut begeistert bin von diesem Thema, aber andererseits – sagen wir es, wie es ist –  mir durchaus wünschte, meine Ferien und den Workload ein bisschen besser eingeteilt zu haben.

So viel zum Setting der vergangenen Tage. Man nehme dazu noch das sich sukzessive verherbstende Septemberwetter und ihr könnt euch ungefähr meine Motivation vorstellen. Ich weiß nun persönlich nicht, wie es anderen Studenten aus meiner Leserschaft so geht, aber einerseits mag ich die mehr oder minder erzwungene Produktivität der Universitätsbibliothek, andererseits fehlt mir dort einfach die Musik. „Es müsste immer Musik da sein“ indeed. Allerdings will ich niemanden stören und auch nicht auf adäquate Lautstärke verzichten, daher arbeite ich dann und wann auch ganz gerne in meinem vor Ablenkung nur so strotzenden zuhause. Die Beschallung ist aber ortsunabhängig immer gleich – instrumental. Nicht zwingend elektronisch, aber instrumental. Weniger Ablenkungspotential, keine womöglich nervigen Lyrics, oft sphärisch oder irgendwie trippy, you know the deal.

Bei der Lektüre eines Textes über Kurt Eisners Ort in der sozialistischen Bewegung, die und deren Exzerpt den größten Teil meines heutigen Montages beansprucht haben, werde ich auf einmal in der – erschreckend oft erschreckend richtig liegenden – Recommended-Leiste bei YouTube fündig und stoße auf ein absolutes Nugget: „This Is Our Culture“ – ein Album, über 70 Minuten Spieldauer in drei Tracks. Yes, you heard that right. Mitreißender, aber nie aufdringlicher Jam Rock, der, mal verspielt, mal zur Ruhe kommend, mal funky, mal jazzy, mal bluesy, durch die Improvisation und Interpretation der drei Musiker quer durch jedwede Session-Spielart mäandert. Die Band dahinter hört auf den klangvollen Namen Electric Octopus und stammt aus dem nordirischen Belfast, sie besteht aus Dale Hughes am Bass, Tyrell Black an der Gitarre und Guy Hetherington an den Drums. Gitarre, Schlagzeug, Bass – irgendwas mit Dreifaltigkeit, aber mehr, wie die drei jungen Herren aus der nordirischen Hauptstadt unter Beweis stellen, braucht es wirklich nicht für beeindruckende Rockmusik. Veröffentlicht wurde das aus drei Tracks respektive Jams bestehende Album, „Disenchanted Creative Response„, „Absent Minded Driving“ und „Sundried Equivalence“ im Juni 2016 via Bandcamp.

Electric Octopus‚ „This Is Our Culture“, das laut Info aus einem spontanen, nicht lange überdachten Trip ins Studio stand – eine Prämisse, der man mit jeder Sekunde des Albums näher kommt – war für mich heute Gold wert. Treibend, wenn es treibend sein musste, kontrapunktiert von entspannenden Phasen der leisen Töne und geringeren Tempi. Mal klar, mal fuzzy, mal in bester Stoner-Manier verzerrt, nicht zu hart und nicht zu weich, dazu die simpel gehaltene Instrumentalisierung, jazzig-experimenteller, erfrischender Rock, der über eine Stunde exzellente Unterhaltung bietet – da ist das von H.P. Lovecraft inspirierte Cover nur die Kirsche auf der Sahnehaube.

(Direktlink)

Straight outta space: The Claypool Lennon Delirium – Cricket And The Genie

by Kilian

Ein interessanter Aspekt der menschlichen Fortpflanzung ist zweifellos die Tatsache, dass in der genetischen Lotterie – rein theoretisch – jeder die gleichen Chancen hat, doch nichtsdestotrotz manche einfach näher am Jackpot landen als andere. Manche haben optisch den Volltreffer gelandet (Scarlett Johansson), manche intellektuell (Sam Harris), bei manchen sind die besten Eigenschaften ihrer Eltern kombiniert zum Vorschein gekommen (Ana Kasparian) und bei wieder anderen weiß keiner so genau, was passiert ist (Jaden Smith). In glücklichen Fällen hat die DNA dem armen Homo sapiens sapiens hingegen keinen Streich gespielt und einer der Interpreten des folgenden Stückes ist definitiv einer davon.

Auch wenn die Musik, Kunst, Geschichte, der Einfluss, die Auswirkungen und für manch einen Hardliner-Fan sicher auch die alleinige Existenz von Yoko Ono Grund für stundenlange, kriegsähnlich geführte Diskussionen sein dürfte, so ist – hätte, wollte, könnte hin oder her – passé nun einmal passé. Doch auch wenn die exzentrische Japanerin viel weirden Kram produziert hat, so gibt es doch mindestens eine Ausnahme. Aus ihrer Ehe mit John Lennon, zu dem ich hier wahrlich kein Wort zuviel verlieren werde, ist im Jahre 1975 nämlich ihr gemeinsamer Sohn Sean Taro Ono Lennon oder kurz Sean Lennon hervorgegangen, der aus dem großen Gencocktail seiner Eltern genau die richtige Mischung aus Weirdness und musikalischer Genialität abbekommen zu haben scheint.

Der seit 1998 solo von der Kritik teilweise in höchsten Tönen gelobte Musik veröffentlichende Multiinstrumentalist, der unter Anderem seinen musikalischen Ouput auch im Rahmen der Duos Mystical Weapons und Ghost Of A Sabre Tooth Tiger präsentiert und musikalischen Eklektizismus par excellence abliefert, hat sich dieser Tage mit einer weiteren schillernden Personalie des Rock’n’Roll zusammengetan: Les Claypool. Der Bassvirtuose und Frontmann von Primus – selbst dem unbewandertsten Leser dürfte die Band vom legendären Theme zu South Park bekannt sein – ist ein anderes echtes Kaliber des Musikbusiness. Mehr zu seiner Person und seiner Band Primus findet ihr in einem der nächsten Posts, der sich einem Wahnsinnsstück aus ihrer umfangreichen Diskografie widmet. Jedem, der extremes musikalisches Talent und Können am Instrument zu schätzen weiß, dem sei die Musik von Primus allerdings hier schon einmal wärmstens ans Herz gelegt.

Wie dem auch sei, zwei extravagante Musiker treffen bei einer gemeinsamen Tour im Sommer vergangenen Jahres aufeinander, jammen ein paar Mal und werfen dann in endlosen Stunden voller Rotwein, Pilzen und Kongenialität, wie sie selbst sagen, „musical pasta at the walls.“ Das Projekt trägt nun den Titel The Claypool Lennon Delirium und mit „Cricket And The Genie“ ist dieser Tage die erste Hörprobe erschienen, die mit einer Menge Fuzz, zahlreichen Reminiszenzen an 1960er Jahre Garage und Psych-Musik und zwei exzellenten Instrumentalisten aufwartet. Sean Lennon macht mit der folgenden Aussage gegenüber dem Rolling Stone dem geneigten Connaisseur definitiv schon den Mund wässrig: „The Claypool Lennon Delirium will (gently) melt your face with heart-pounding low-frequency oscillations and interdimensional guitar squeals. We look forward to seeing you very soon.“ Dringende Hörempfehlung!

via Les Claypool

The Kinks – This Time Tomorrow (1970)

by Kilian

Mein Soundtrack auf dem Balkon wird irgendwie immer weirder und aus welchem Grund auch immer – fragt bitte nicht, wie dieser Übergang kam, ich weiß es nicht – bin ich nun bei The Kinks gelandet, einer großartigen Band, die mich nun schon seit einigen Jahren begleitet und auf die ich nicht zuletzt durch die langjährige Plattensammelleidenschaft meines Vaters gestoßen bin. Die 1963 um die beiden Brüder Dave und Ray Davies entstandene Formation zählt zu den erfolgreichsten Gruppen der 1960er Jahre, zu den gigantischen britschen Bands der British Invasion und zu den Urvätern all dessen, was wir als moderne Rockmusik bezeichnen würden.

Ein Track, der mir aus der kompletten – leider nicht durchweg konstant guten – Diskografie der Kinks immer am meisten zusagte, war „This Time Tomorrow“, vom 1970 erschienen Album „Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One“. Der Song, der versucht, die Emotionen bei einer Flugreise, inklusive aller Gefühle bei Abflug und Ankunft und dieses seltsame Empfinden, wenn man sich mit 180 Fremden in einem fliegenden Metallcontainer elf Kilometer über dem Erdboden befindet, einzufangen – was ihm in meinen Augen auch gelingt. Ein schöner, poetischer Text über eine Art der Fortbewegung, die die Menschheit wohl immer faszinieren wird, unterlegt von perfekt passendem Gitarrenspiel. Ich will ja nicht sagen, dass Populärmusik früher besser war, aber – naja, lassen wir das. Dringende Empfehlung meinerseits!

Kvelertak – Blodtørst (2010)

by Kilian

Im Bezug auf Musik – und eventuell auch andere Aspekte – kann man den Skandinaviern nur eine allgemeine, irgendwie sympathische, irgendwie heimelige Weirdness attestieren. Der Sonnenentzug, der ganze Schnee, ab und an mal brennende Kirchen, das verändert euch, Leute! Doch Spaß beiseite: Sei es die Musik der NWoSDM, spätere Popstars wie Mando Diao, Rap von Künstlern wie beispielsweise Looptroop oder eben Björk, in der Welt der Klänge gehen die Skandinavier an Genre- und Härtegrenzen und darüber hinaus, was der komplette Musikindustrie alleine in den letzten 15 Jahren allerdings unglaublich gut getan hat.

Kvelertak sind eine solche Band. Die Formation aus Stavanger, die sich ihr selbst kreiertes Genre Black’n’Roll auf die Fahnen geschrieben hat, vermischt Elemente verschiedenster Spielarten harter Gitarrenmusik und schmiedet daraus einen brachialen Auf-die-Fresse-Sound, der einfach überwältigt. „Blodtørst“ von ihrem ersten Album 2010, was ich für euch mit meinen bescheidenen Skills in der norwegischen Sprache mal als „Blutdurst“ übersetze, fällt exakt in diese Kategorie: Sehr hart, sehr schnell, man versteht (ich zumindest) versteht kein Wort, was Erlend Hjelvik ins Mikrofon brüllt, aber spätestens das Lick der Leadgitarre entschädigt für alle potentiellen Ohrenschmerzen. Hieß es neulich „sometimes the riff is just so fucking good“, so passt das hier wieder wie die Faust aufs Auge: Dieses Lick gibt mir Gänsehaut und zündet jedes einzelne Mal. Manchen mag es zu hart sein, zu schnell, zu wenig groovy, aber in meinen Augen muss man eine Band, die mit einem „Westcoast Holocaust“ betitelten Demotape in ihrem Heimatland im Radio gespielt werden, samt Land einfach gern haben. Und das brutale, spulige, aber perfekt passende Video tut natürlich sein Übriges.

Wo Fat – Psychedelonaut (2009)

by Kilian

Eine Band aus dem wunderschönen Genre des Stoner Rock – sorry für die kleine Post-Flut in den letzten Tagen, aber die Abwesenheit von Marie und Johanna macht wenigstens den nötigen State of Mind notwendig – die ich mit am längsten kenne und die mich auch seitdem begleitet, sind die drei Ausnahmerocker Kent Stump (voc/git) Michael Walter (dr) und Tim Wilson (b) von Wo Fat aus dem Lone Star State Texas.

Die Band, deren Name von einem hawaiianischen Bösewicht aus den ersten Staffeln der Kultserie „Hawaii 5-0“ stammt, interpretiert den Stoner Rock wesentlich doomiger als das beispielsweise Bands wie Nebula oder Radio Moscow tun, behalten aber auch hierbei den unverwechselbaren Groove, die Vorliebe für unglaubliche Riffs und exquisite Solisten bei. Das erste Album, welches ich von ihnen kennen lernen durfte, war „Psychedelonaut“ aus dem Jahre 2009 und auch heute, sechs Jahre später, liebe ich jede Sekunde davon. Ich habe Freunden und Bekannten mit einem Faible für Rockmusik Wo Fat immer daher empfohlen, dass jedes Lied ca. zehn Minuten dauert und erst ab Minute fünf so richtig gut wird. Und zu diesem Statement stehe ich.

„Psychedelonaut“, der – wer hätte es gedacht – Titeltrack und Opener des Albums, demonstriert mit seiner Lauflänge von knapp elf Minuten direkt einmal, wohin der Hase läuft und ist an Epik, intelligenter Songstruktur und musikalischer Klasse kaum zu überbieten. Von den lang klingenden, doomigen Akkorden am Anfang, über die verzerrten Riffs bis hin zu Stumps virtuosem Gitarrenspiel – hier passt einfach alles.