Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Kategorie: Techno

So geht Morgensport in der Hauptstadt: Elad Magdasi – Two Floors

by vic

Für Liebhaber der gepflegten elektronischen Tanzmusik geht es momentan heiß her, betrachtet man allein, was im Januar und Februar an neuen Produktionen erschienen ist; da gibt es nicht nur was auf die Ohren, sondern auch für’s Auge, so arty sind einige der Plattencover. Und während der kleine Finger meiner linken Hand eher unästhetisch, aber ganz gemütlich in seinem frischen weißen Mullgewand so vor sich hinpocht und nachwächst – derartige Dinge ereignen sich, nebenbei bemerkt, wenn man mich zu früh und hungrig weckt -, kann ich es nicht lassen, ein paar Zeilen zu der Nummer, die zu besagten Releases gehört und gerade zum mindestens vierten Mal in Folge durch meine Lautsprecher schallt, in WordPress zu tippen. Zur Not eben im 9-Finger-System.

Aua. Um was ging’s eigentlich? Ach ja: „Two Floors“ von Elad Magdasi ist Teil der am 3. Januar 2017 releasten EP „Phasing Faces Vol.1“ [ANAGRAM007], deren drei weitere Titel von Anagram-Labelchef Sinfol aus Amsterdam, dem Italiener Davide sowie der Pariserin Anetha beigesteuert werden. Ein exzellent durchkomponiertes, tanzflächentaugliches Stück Techno, dessen schlagkräftiger Bass mit einer Synthie-Hookline garniert ist, die „Two Floors“ prädestiniert für die beste Sommerzeit: 7 Uhr morgens in der Pannebar (oder so ähnlich). Es empfiehlt sich mit Nachdruck, die Veröffentlichungen von Anagram im Auge zu behalten. Und bei Gelegenheit auf Anethas „Acid Train“ zu hüpfen.

Am 3. März 2017 dreht Elad Magdasi, der in Berlin lebt und arbeitet, dort die Teller und Knöpfchen in der Griessmühle, nebst u.a. Delta Funktionen, Ness, Daito und Nihad Tule.
> Veranstaltung auf Resident Advisor

via HATE
Elad Magdasi
auf Facebook // Soundcloud
Anagram Label auf Facebook // Soundcloud // Resident Advisor

Dreamy Debut: Artefakt – Kinship (Album)

by vic

Wie ein gelungener Auftakt funktioniert, demonstrieren in diesem noch recht jungen Jahr die Niederländer Robin Koek und Nick Lapien, die zusätzlich zu ihren Soloprojekten zusammen als DJ-Duo und Liveact unter dem Namen Artefakt die Clubs aufmischen. Nachdem bereits einige ihrer gemeinsamen Produktionen seit 2014 auf EPs der Labels Prologue, Field Records, Delsin und Konstrukt erschienen sind, feierten die beiden am 20. Februar 2017 mit „Kinship“ [122DSR] nun ihr Album-Debüt auf Delsin Records.

Das gute Stück beweist auf 2 x 12“ nach den vorangegangenen EPs zum wiederholten Male das Feingespür des Duos für das Zusammenwirken von Percussion und atmosphärischen Klangreisen und deckt mit seinen sieben Tracks ein recht breites Genre-Spektrum von Ambient über Electro und Acid bis hin zu Dub-Techno ab.

Nach dem behutsamen Einstieg durch den gleichnamigen Titel „Kinship“ wird es mit „Tapestry“ ein wenig düsterer, was daraufhin die Electro-Dynamik, Harmonie und frühlingshafte Unbeschwertheit von „Entering The City“ und „Somatic Dreams“ wieder ausgleichen.

„Fernweh“ schiebt im Anschluss noch ein wenig an und leitet damit zu „Return To Reason“ über, einer Nummer, die wohl in nächster Zeit noch auf der ein oder anderen dunklen, vernebelten Tanzfläche zu hören sein dürfte. [Nachträgliche Anmerkung: „Return To Reason“ eignet sich im Übrigen – und vermutlich nicht zufällig – hervorragend als Soundtrack für den gleichnamigen Experimentalfilm von Man Ray (Originaltitel: „Le Retour À La Raison“) aus dem Jahr 1923, den es auch auf Youtube zu sehen gibt. Man spiele also Film und Track parallel ab – zack feddich: 29nov films.] „Tapeloop 1“ schließt mit seinen harmonischen Sphären als siebter und letzter Titel den musikalischen Kreis, womit „Kinship“ zugleich sein Ende findet und wieder von Neuem beginnen kann.

Und tatsächlich hat man an dieser Stelle irgendwie das Gefühl, soeben einer in sich geschlossenen Narration gefolgt zu sein. Sogar – voll schön! – mit Happy End. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, dem sei der folgende Link zum freien Stream in voller Länge auf Bandcamp empfohlen.

„Kinship“ bei Delsin Records
Artefakt
 auf Facebook // Discogs // Bandcamp // Soundcloud

We’re all mad here: AIROD – Universe of 90’s Techno Parties

by Kilian

Mein lieber Herr Gesangsverein, damit hätte ich nicht gerechnet. Da lenkt man sich nichtsahnend mit Schreiben und Musikrecherche von seinen Verpflichtungen ab und auf einmal dröhnt ein Track durch die Boxen, der den gesamten, immerhin halbwegs normalen Tagesablauf auf den Kopf stellt. Zwischen mir und meinem wohlverdienten Wochenende liegt nur noch eine vier- bis fünfstündige Schicht auf der Arbeit und dann werden endlich mal wieder die Straßen Leipzigs unsicher gemacht. Bis vor kurzem war meine Motivation dafür heute eigentlich eher von der Sorte so mittel, doch mit diesen Klängen aus dem Soundsystem sieht die Welt schon ganz anders aus.

Bekanntlich soll man ein Buch – oder wie so oft in unserem Falle, eine Schallplatte – ja nicht nach seinem Umschlag beurteilen, doch bei der im November diesen Jahres veröffentlichten „Universe“ EP trifft die (jedenfalls meine) erste Assoziation mit dem Artwork genau ins Schwarze: Verspulter, ekstatischer, gnadenloser, antreibender, Widerstände brechender, Nächte veredelnder 90s Techno – und das auch noch allererster Güte. Was der französische Produzent AIROD da auf seinem Track „Universe of 90’s Techno Parties“ so aus seiner Hardware zaubert, ist ein beachtliches Ausrufezeichen an diesem Samstagmittag. Verführerisch zum Wahnsinn treibende Synthesizer, eine staubtrockene Kick und glasklar auf lichtentleerte, heiße Clubs zugeschnittene Effekte ziehen in ihren Bann. Veröffentlicht wurde die drei Tracks starke EP, welche noch zwei Remixes von Moth und Process 404 beinhaltet, über das von Dario Brkic aka AIROD 2016 mit gegründete französische Label Molekül. Der Titeltrack seiner, nach „Black Wall“ vom Mai diesen Jahres, zweiten EP offenbart sich – in meiner bescheidenen Meinung – als kompromissloser, jeden Dancefloor zum Ausrasten bringender Sound für die Dunkelheit, in einer Intensität, wie sie mich in der jüngeren Vergangenheit wohl selten erfrischt hat. Man darf auf die Zukungt von Artist und Label sicherlich gespannt sein. Paradestück!

Unterstützt Künstler und Label mit dem Kauf der Platte über Bandcamp!

via Ayarcana

0733 – Alternative Roots (1992)

by Kilian

Montagabend, halb neun. Ich sitze im ICE von Fulda nach Leipzig und blicke auf ein extrem angenehmes, phasenweise durchaus vernebeltes aber von vorne bis hinten mit Liebe gefülltes Wochenende zurück, dass mich sogar beinahe mit einem Grinsen die 18 Minuten Verspätung vergessen lässt, die mir dieser Abend bisher eingebracht hat. Mit großer Freude durfte ich feststellen, dass der neue ICE 4 sogar für den Pöbel aus der zweiten Klasse mittlerweile WLAN anbietet – ich bin ehrlich überrascht. Also nutzen wir doch die Komfortvorzüge, die uns die Deutsche Bahn offeriert und nutzen die Zeit für etwas Blogshit. Da das vergangene Wochenende eindeutig im Zeichen des Hip Hop stand und die Tanzbeine nicht den gewohnten Auslauf bekommen haben wird es elektronisch, here we go!

Dass 1992 ein guter Jahrgang war, sehe ich jeden Morgen im Spiegel, bitte danke, doch auch musikalisch ging so einiges. Die vorliegende Nummer aus diesem schönen Jahr stammt aus der Feder von 0733, einem verhältnismäßig kurzlebigen Duo, bestehend aus Casey Tucker und einem gewissen Richie Hawtin, zu diesem Zeitpunkt zarte 22 Jahre alt. Nicht schlecht in einer Zeit ante Internet. Veröffentlicht wurde der Track „Alternative Roots“ auf der drei Tracks starken EP „Record Bass Story“ über das kanadische Label Probe Records, eine experimentellere, meist härtere Instanz und Sublabel von Hawtins ikonischer Plattenfirma Plus 8. Doch auch Mr. Tucker ist nach wie vor – oder wieder – musikalisch aktiv und veröffentlichte in den vergangenen Jahren unter anderem über Love Notes und Certain Music.

Ein Kommentator unter dem Video zu „Alternative Roots“ spricht von twisted crunchyness und wieder einmal trifft es die Schwarmintelligenz (oder das, was man dafür halten möchte) auf den Kopf: Verspult, verzerrt, funky, mit erratischen, acidesken Synth-Anleihen, drückendem Bass und antreibenden Hi-Hats, perfekt für einen heißen Floor irgendwann zwischen fünf Uhr früh und der Unendlichkeit des in weiter Ferne grauenden Montages.

via Dr. Rubinstein

Secret Splendour: Tommy Four Seven – Reclaim Your City 200

by Kilian

Für diesen etwa zwei Wochen alten Beitrag zur großartigen Podcastreihe von Reclaim Your City, ganz zufällig auch die 200. Ausgabe, zeichnet – für so ein Jubiläum will der Künstler natürlich mit stilvollem Fingerspitzengefühl gewählt sein – der in Großbritannien geborene und in Berlin lebende und wirkende DJ und Produzent Tommy Four Seven verantwortlich. In der Szene einen Namen machen konnte der Brite bereits ab Mitte der Naughties, wobei sein musikalischer Pfad, der von Releases über beispielweise Electric Deluxe oder Wolfskuil Records 2011 zum Release seines ersten Solo-Longplayers über Chris Liebings Label CLR führte. Und auf seinem Debütalbum direkt einmal Regis, Robert Hood und Perc als Remixer anführen zu können, ist ein Prädikat, mit dem sich wohl so einige gerne schmücken würden können. Nach weiteren Beiträgen auf unter anderem Lucys Label Stroboscopic Artifacts und Remixes für eine Vielzahl großer Namen haben sich, neben dem Auflegen und Produzieren, seine im Arena Club in Berlin beheimatete Eventreihe 47 und ein gleichnamiges Label, auf dessen Samplern bisher beispielsweise Kwartz oder AnD zu hören waren, als Stützen des kreativen Outputs von Tommy Four Seven herauskristallisiert.

In den zwei Stunden, die der Wahlberliner für Reclaim Your City kompiliert hat, findet sich die signifikanten Mischung des Künstlers, fließend und ohne merkbare Transition zwischen geradlinigem Techno und breaklastigem Sound für anspruchsvollere Gemüter zu wechseln, ohne dabei auch nur einmal den Dancefloor aus dem Auge zu lassen. So formen unter Anderem Tracks von Umwelt, Radial, Stephanie Sykes und vielen weiteren gestandenen Namen der internationalen Technoszene 120 Minuten exzellent gemischter, harter elektronischer Musik, die jedem, der mit dem Namen Tommy Four Seven ohnehin schon etwas anfangen konnte, als auch jedem anderen, wärmstens zu empfehlen ist.

via Umwelt

In the drone: Lewis Fautzi – Mirror

by Kilian

Es zeugt von weitaus mehr Lebensqualität, Sicherheit und Hedonismus, sich in der beneidenswerten Situation zu befinden, mit dem Wort drone auf Anhieb ein Werkzeug der meist elektronischen respektive technoiden Musikerzeugung statt ein Werkzeug der unbemannten, hochtechnisierten, moralisch und juristisch höchst fragwürdigen, ferngesteuerten, luftgestützen Tötung von Menschen, Landsleuten und Familienmitgliedern (mit der Präzision eines Maurers gegen 15.30 Uhr) zu verbinden. Beispielsweise der Jemen, der Iran und Libyen lassen grüßen.

Doch antiamerikanischen Unkenrufen zum Trotz befinden wir uns im Land der Almans – das in der traurigeren Bedeutung des Wortes drone auch nicht durch Irrelevanz glänzt – in dieser beneidenswerten Situation und das World Wide Web spült uns in Echtzeit und in teilweise beinahe erschlagender Frequenz hochwertige Tracks und Sets in den Newsfeed. Als verhältnismäßig junges Phänomen taucht im Meer des Content des Öfteren eine Welle hochqualitativer Drone Techno verschiedenster Couleur auf, welcher mit folgender Definition von Dubmonitor nicht vollumfänglich, dennoch treffend beschrieben ist:

Drone Techno: a style of techno that utilizes sustained sounds played over a 4/4 techno beat, often to achieve paradoxical effects in the listener’s perception of the passing of time. (dubmonitor.com)

Meister dieses Fachs, welche sich bisher herauskristallisieren, sind unter Anderem Abdullah Rashim, Polar Inertia, Svreca, Varg, Oscar Mulero oder Giorgio Gigli. Doch ein gewisser Lewis Fautzi weiß sich ebenfalls glänzend auf diesem Parkett zu bewegen. Der als Lewis Gonçalves 1991 in Portugal geborene DJ und Produzent macht sich seit seinem ersten Release auf Soniculture im Jahr 2013 einen Namen in der globalen Technoszene und erhielt, obschon seines jungen Alters, den Ritterschlag, mittlerweile mit gleich mehreren seiner Produktionen in einem Set von Großmeister Jeff Mills aufzutauchen. Kein schlechter Start für einen Musiker Mitte zwanzig.

Auf Len Fakis Label Figure erschien am gestrigen Montag seine neue, vier Tracks starke EP „Elocution.“ Darauf findet sich die von den durchgängigen, faszinierenden synthetischen Sounds getragene Produktion „Mirror,“ die sich als Drone Techno allererster Güte erweist. Fünfeinhalb Minuten hervorragender Musik, die mit so wenig so viel macht. Unaufgeregter und unentwegter, fast unterschwelliger Auf- und Abbau von Spannung, eine für den Portugiesen keineswegs ungewöhnliche, hohe Qualität und eine absolute Tauglichkeit für den Club arrondieren das Bild dieses neuen Releases.

via Techno Scene

Oxia – Bouni (2002)

by Kilian

Es ist wahrlich ein Trauerspiel. Da nimmt man sich nun einmal vor, sich wieder verstärkt der Reproduktion der eigenen Gedanken und gefundener Internetfragmente in schriftlicher Form zu widmen – die Rede ist von dieser schönen Plattform hier – und zack, a sudden life appears! Wer hätte damit rechnen können? Altlasten des vergangenen Semesters, die ersten Hürden und Aufgaben des beginnenden, ein neuer Nebenjob, Verpflichtungen in der WG, Mobilitäts- und Flexibilitätseinschränkungen durch paralleles Ausfallen von iPhone und Fahrrad (absoluter Horrortrip) und eine Menge anderer Blödsinn sowie das selbstverständliche Bedürfnis nach Zeit für mich engen die Zeitfenster für die einzelnen Segmente mal wieder ungewohnt ein. Ein Zustand, mit dem ich mich erst akklimatisieren muss, aber das wird sicherlich bald kommen, wenn der Stapel an Aufgaben mal wieder etwas schrumpft.

Manchmal kommt das Gefühl auf, dass man für nichts Zeit hätte und dieses will ich unter keinen Umständen die Oberhand gewinnen lassen. Umso schöner, dass dieses Wochenende bisher unter dem leuchtenden Stern von laissez-faire stand: Besuch aus Bayern, viel Musik und rote Augen, leckeres Essen und lange Stunden zusammen, wahrlich schön. Damit einhergehend wird sich, auch dank des morgen anstehenden Feiertages, heute noch weiter ein wenig gehen gelassen und heute Abend auch endlich wieder einmal die Tanzschuhe herausgeholt, hingegen zu etwas gemäßigteren Klängen als dem folgenden Fundstück.

Darauf gestoßen bin ich, weil der von mir durchaus geschätzte Vincent Neumann, seines Zeichens Resident in der Leipziger Distillery, ihn mit Verweis auf die Bassline bei Facebook empfohlen hatte und dieser Empfehlung bin ich gerne gefolgt. Und in der Tat, die Bassline von „Bouni“ kann so einiges. Der im Jahr 2002 über das deutsche Label Monoïd veröffentlichte Track, seinerzeit die A-Seite der gleichnamigen EP, altert meiner bescheidenen Meinung nach extrem gut. Eine verhältnismäßig fröhliche Nummer in meinen Augen, die sich allerdings auch heute noch exzellent gegen Ende eines Sets machen dürfte. „Bouni“ stammt aus der Feder des Franzosen Olivier Raymond, besser bekannt als Oxia. Raymond, seinerseits Mitgründer des französischen Labels GoodLife, ist schon seit den frühen 1990ern fester Bestandteil der Szene unserer Nachbarn, begann allerdings später, sich mit stärkeren House-Einflüssen weg vom Techno zu bewegen. Kann man mögen, muss man aber nicht. Hier allerdings hat Monsieur Raymond so einiges richtig gemacht, vom markanten Bass, über die treibenden Hi-Hats und die im Hintergrund Fülle gebenden perkussiven Sounds, formt sich alles zu einem Techno-Track, der einfach Spaß macht.

via Vincent Neumann

Let’s play, Sven: Das Berghain-Kartenspiel ist da

by Kilian

Vielen gilt das ehemalige Kraftwerk am Wriezener Bahnhof in Friedrichshain-Kreuzberg nicht nur als der Tempel des Techno in Berlin, in Deutschland, in Europa und wahrscheinlich auf der ganzen Welt – nicht zu unrecht, wie ich finde, was hingegen eine Diskussion ist, für die man sich etwas länger Zeit nehmen sollte. Eines der Charakteristika des Berghain ist, neben dem strikten Verbot audiovisueller Aufnahmen und einer Menge Nackter und Halbnackter, seine berühmt-berüchtigte harte Tür – Mensch geworden und mit einem Gesicht versehen in Gestalt von Sven Marquardt – an der sowohl Ottonormalraver als auch Szenesnobs ins Schwitzen kommen, gekommen sind und hoffentlich noch lange kommen werden. Demokratisierung des Clubbesuchs durch als randomisiertes Chaos getarnte Selektion, sozusagen.

Die „Berghain Experience“ konnte man, Internet sei Dank, mittlerweile mit dem Berghain Trainer schon in der virtuellen Realität nacherleben, auch wenn die Erfolgschancen meines Erachtens online noch mal geringer einzuschätzen sind. Den nächsten Schritt in die reale Welt könnten die kultischen Elemente um die Schlange vor dem Berghain allerdings bald gehen: Auf Instagram präsentiert sich das neue Kartenspiel „Berghain ze Game“ und kündigt an, bald via Kickstarter finanziert werden zu wollen. In dem – ganz ungewöhnlich für – sehr bunt gehaltenen Kartenspiel, geht es darum, mit seinen Mitstreitern in die Rolle von Sven und Kollegen zu schlüpfen und die Nacht zu dirigieren.

“In Berghain ze Game, your job is to let the right people into legendary Berlin techno club Berghain. Take turns as the most powerful man in Germany and learn more about gay culture in the process!”

Sieht vielversprechend aus, wenn ihr mich fragt! Liebevoll gewählte Charaktere, sympathisch illustriert, wenn der Spielmodus dazu auch noch einige Schmankerl bereit hält, bin ich sofort am Start. Folgt den Entwicklern unter @berghainzegame bei Instagram für Updates.

berghainzegame0

berghainzegame1berghainzegame2berghainzegame3berghainzegame4berghainzegame5

via Electronic Beats

Is this…? dotwav – Insanity

by vic

Seit wir das letzte Mal von den dotwav-Jungs berichtet haben, ist schon ein ganzes Weilchen vergangen. Dass die kreative Untätigkeit allein auf unserer respektive meiner Seite lag, beweist deren nunmehr dritte EP auf ihrem eigenen Label KONFLKT, die einer Solo-Scheibe (Van der Meers „Tate“ [K003], im Übrigen sehr empfehlenswert) und – ach, da war ja noch was! – der Erweiterung des ehemaligen Duos zu einem Trio nachfolgt.

Auf der A-Seite ihres jüngsten Werks gibt „Insanity“ bereits den rauen Ton der gleichnamigen EP an und erweist sich jedes großen Techno-Tempels als würdig, gefolgt von der Reinterpretation durch das ebenfalls in Berlin stationierte Duo I/Y (ich schiebe ja nur ungern anderen den schwarzen Peter zu, aber diese Verrückten tragen mit ihren Samstagsauftritten im Rahmen der Staub-Veranstaltungsreihe im about:blank definitiv eine Teilschuld an vernachlässigten Uni-Arbeiten sowie schmerzenden Beinen meinerseits!), das dem ganzen noch ein paar rhythmische Elemente und Claps hinzufügt.
„Distance“ auf der B-Seite kommt etwas deeper und melancholischer daher und wird im Anschluss von Hector Oaks alias Cadency zu einer trippy Dancefloor-Nummer mit hämmerndem Bass und hypnotischer Hookline verarbeitet. So entsteht im Ergebnis eine angenehm vielseitige Platte, die bei ihrer Tanzflächentauglichkeit nie Gefahr läuft, in stumpfe Loop-Monotonie abzudriften.

 

„Insanity“ [K004] erscheint voraussichtlich am 09. September 2016 als 12“ und digital. Bis es soweit ist, empfehle ich als Einstimmung… öhm… am besten alles, was auf KONFLKT bisher releast wurde. Präferenzen müsst ihr euch leider bei jemand anderem holen, denn ich bin leider, wie ihr merkt, aufgrund uneingeschränkten Zuspruchs in diesem Falle absolut ungeeignet.

via KONFLKT // dotwav // artwork by Paul Hutchinson

Surge and Destroy: Trade Live in Dublin (2015)

by vic

Feierabend, wie das duftet… Nein, es handelt sich hierbei um keine Werbung für Teewurst, sondern um einen simplen Ausdruck meiner Euphorie. Was außerdem hier in der Neuköllner Luft hängt, sind neben der Frühlingsluft momentan wummernde Techno-Beats feinster Qualität.

Seit dem Release der neuen EP von Jamie Roberts alias Blawan (den ich auf einer vollkommen asexuellen, dafür aber höchst spirituellen Ebene schlichtweg liebe) ist diese bereits x-mal rauf- und runtergelaufen, und um sie mir nicht komplett zu versauen, musste etwas Ähnliches, aber Anderes her. Neben Karenn (an der Seite von Pariah) und Parassela (mit Alberto Marini und Domenico Cipriani) hat Roberts seit 2013 eine weitere Kollaboration am Start, und das mit keinem Geringeren als dem britischen Großmeister Anthony Child aka Surgeon. Ihr Projekt Trade ist eine Zusammenarbeit zwischen zwei absoluten Größen der elektronischen Musik aus Großbritannien, die damit das Beste aus zwei Generationen in Einklang bringen.

In ihrem unten verlinkten Live-Set vom 2. Oktober 2015 aus dem Dubliner Club District 8 ist alles dem Zufall überlassen: mit ihrem Setup aus modularen Synthesizern und Hardware improvisieren Roberts und Child knappe 74 Minuten treibenden Loop-Sound mit eingängigen Bässen und Acid-Elementen. In einem Interview auf der Website des Londer Clubs & Labels Fabric sprechen die beiden über das kollaborative Improvisieren in ihren Shows: „Performing with modular and using no computers or samplers meant that nothing whatsoever is pre-planned or prepared. It’s totally improvised live at the moment it happens.“ (Surgeon).

 

Während ich normalerweise an dieser Stelle meinen Beitrag  zum Ende gebracht hätte, geht es nun jedoch – dank eines Gedankenanstoßes durch einen Freund von mir (der im Gegensatz zu mir Expertenwissen bezüglich modularer Synthesizer besitzt) – noch ein klein wenig ins Detail, was das Equipment von Trade angebelangt. Die Recherche nach dem Setup der beiden ergab sogar tatäschlich ein überaus genaues Ergebnis: Anthony Child, der sich höchstpersönlich auf einem Online-Forum namens Muff Wiggler herumtreibt, hat dort dankenswerterweise folgenden ModularGrid-Link zur Verfügung gestellt, der sein Setup der Show in Dublin zeigt.

Über das Equipment von Jamie Roberts/Blawan weiß er nur: „eurorack case, some kind of looper, Beatsetp Pro + a couple of Strymon pedals„.  Was bei all dem Kabelsalat und Knöpfchendrehen herauskommt, kann sich auf jeden Fall hören lassen an so einem Samstagabend.

Merken