Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Kategorie: House

Weniger ist mehr: Leibniz – 2 Simple

by Kilian

Für Dillingens Finest und Leipzigs Liebling Leibniz waren die vergangenen Wochen extrem umtriebig: Neben dem zelebrierten Closing beim ersten Boiler Room Leipzig im Institut für Zukunft erschienen zuletzt über VFMM – Verein freier Menschen und Musik – gemeinsam mit seinem in Düsseldorf lebendem Bruder unter ihrem Pseudonym DJ OK (aka DJ Ja und DJ Nein) die EP „It’s fine“ und eine unbetitelte Split-EP von DJ OK und DJ Bwin (Leibniz und Alex Hoppe) über das irische First Second Label, sowie darüber hinaus am vergangenen Freitag, 9. Dezember, seine neue Solo-EP „Bat“ (RAT LIFE 10) über das Sublabel von Uncanny Valley, Rat Life. Auf besagtem jüngstem Release befindet sich die vorliegende Nummer, welche nach seinem Set im Boiler Room ordentlich Welle in den Online-Kommentarspalten machte und für gehörig Nachfrage sorgte. Vor dem Release feierte der Track nun vergangenen Mittwoch bei Clash Premiere und es geht wohl nicht zu weit, zu sagen – diese Nummer wird die Tanzflächen noch eine ganze Weile begleiten. Die guten jedenfalls.

2 Simple“ lautet der Name des Stücks und der Name ist zweifelsohne Programm: Wunderbar aufs Nötigste reduzierter, groovegeladener House mit breakigen Jungle-Anleihen und garantiertem Dancefloorappeal, tanzbar, funky, smart. Sympathisch schnörkellos und Spaß over 9000. Wer wissen möchte, wie man mit minimalsten Mitteln eine überzeugende Bassline produziert, ist hier genau richtig und „2 Simple“ darüber hinaus wohl der annähernd perfekte Track, um House-Verächter und House-Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen. Glanzstück!

Show some love: Coppt die „Bat“ EP von Leibniz beim Plattenhändler eures Vertrauens oder via Bandcamp!

via Clash

Bookworms – Love Triangles (2012)

by Kilian

Raffinesse – wohl eines der schönsten französischstämmigen Wörter innerhalb der deutschen Sprache und definitiv eines, wofür die letztere kein semantisch ebenso genaues Pendant hat finden können. Dieses wohlklingende, punktgenaue Konstrukt, welches Gewieftheit, Cleverness, Schläue und eine gewisse Durchtriebenheit mit einschließt und dabei doch so viel mehr ungesagt impliziert. Raffiniert sein kann allerdings vieles: Zucker und Öl in der schnöden rationalen Welt, doch auch Kunst und Musik im Kosmos des Schönen und Ästhetischen ganz besonders. Der Duden gibt als Bedeutung des Wortes raffiniert an, etwas sei bis ins Einzelne ausgeklügelt oder voller Raffinesse und auf den vorliegenden Release aus dem Jahre 2012 trifft beides zweifelsohne voll und ganz zu.

Veröffentlicht über L.I.E.S. – Long Island Electrical Systems – aus den USA, erschien der Track „Love Triangles“ auf der gleichnamigen EP von Bookworms aus Brooklyn, NYC. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der Produzent Nik Dawson, der in seiner bisherigen Karriere neben L.I.E.S. auch auf anderen Labels mit gehörigem Szenerenommee wie Russian Torrent Versions oder Confused House veröffentlichte. „Love Triangles“ war 2012 sowohl sein erstes Release auf L.I.E.S. als auch sein erstes Release an sich. Der Titeltrack der Scheibe präsentiert sich als – wie eingangs angesprochen – extrem raffinierter, von anfänglich zu fehlen scheinender Stringenz über erratische Rhythmuskompositionen zu kaum abwehrbarem Groove reisender Track der Marke Deep House, dem die in den bescheidenen Augen des Autors nicht unbefleckte Konnotation dieser Genrebezeichnung in keinster Weise gerecht wird. Der verwinkelte, doch ab einem gewissen Punkt unüberhörbare und überraschende Zugang zu diesem Track, die auf verschiedenen, autonom ansprechenden Ebenen ablaufende Rhythmik und die durchdachte Produktion veredeln „Love Triangles“ zu einer House-Nummer erster Güte.

Hört mehr Musik von Bookworms bei Soundcloud!

(via Resom)

 

Chronophone feat. Mike Anderson – In The Sunset (Werner Niedermeier Remix) (2014)

by Kilian

G’day, motherfuckers! Ein wunderschöner Montag und ein guter Start in die Woche ist dem illustren, elitären, weit über dem Rest jedweder anderer Medienkonsumenten stehenden Zirkel, der sich die Backinthedaze.-Leserschaft nennt, ausnahmslos zu wünschen – ihr schafft das schon, bisher ist es noch jedes Mal immer Freitag geworden! Durch eine glückliche Fügung ist meine eigentlich genau jetzt stattfindende Übung zur Geschichte Ägyptens entfallen, was meinen Montag dementsprechend zu einem freien Tag macht. Ixnay on the uni, deal with it, Leistungszwang. Die freigewordene Zeit wird sich wohl mit Erledigungen diverser Natur – Gängli, wie man bei mir zuhause so schön sagt – und Arbeit im Haushalt füllen, aber, wie man just in diesem Moment lesen kann (wow, meta as f) – erstmal schreiben.

Besonders irritierend in den vergangenen Tagen fand ich, dass der Winter nun endgültig angekommen ist, auch ohne Schnee und Glatteis. Es wird um 16 Uhr einfach schon fucking dunkel, was, wie mir auffällt, die Zeitspanne innerhalb des Tages, welche man, ohne sich anzulügen, ehrlich als produktiv bezeichnen darf, teilweise doch sehr beschneidet. Nichtsdestotrotz gab es in der vergangenen Woche und auch heute wieder trotz klirrender Kälte Sonne satt, die es selbstverständlich auszukosten gilt. Den passenden Sound dafür liefert heute – auch wenn der Titel des Songs der Uhrzeit des Posts diametral gegenüber steht – Werner Niedermeier.

Niedermeier ist schon seit den frühen 1990ern ein Teil der deutschen elektronischen Szene und nimmt eine Pionierrolle im deutschen House ein. Sein erstes eigenes Label, Soul Camp Recordings, gründete er 1999 in Berlin und veröffentlichte darauf Musik von Künstlern wie beispielsweise Phonique oder Martin Landsky. Er selbst releaste Musik und spielte Sets für Labels und Clubs aus allen für die internationale Szene auch nur annähernd relevanten Ländern wie Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien, Belgien oder den USA (um nur einige zu nennen), sein Weg führte in mittlerweile schon in die Panorama Bar, das bald wieder eröffnende Fabric in London oder ins Tokioter Yellow. Kurzum: Ein weit gereister DJ und Produzent, der schon eine ganze Menge gesehen hat.

Für das spanische Label Subwax Excursions hat er sich im Jahr 2014 in Form eines Remix des Tracks „In The Sunset“ von Chronophone feat. Mike Anderson angenommen, welcher auf der gleichnamigen EP veröffentlicht wurde. Chronophone ist ein DJ aus der Schweiz, welcher sich ganz seiner Passion für Detroit und Dub Techno verschrieben hat. Wie bereits angesprochen, strahlt auch heute bei sommerlichen -1 °C schönster Sonnenschein über Leipzig und nomen est ja bekanntlich eben doch omen und die vorliegende Nummer passt daher, wie erwartet, genau in die Stimmung. Um mich zu vergewissern, ob der Track auch wirklich gut ist, kann ich ihn ja zum für 16:03 Uhr (sic!) prognostizierten Sonnenuntergang nochmal durch die Boxen laufen lassen. (jetzt schon #sickofwinter) Der Remix präsentiert sich als entspannter, sommerlicher House, der mit smarten Percussions, einer ansteckenden Bassline und für meinen Geschmack stellenweise fast einem Iota zuviel Lyrics daherkommt (aber nur fast) und einfach Spaß macht. Runde Nummer, das Ganze!

via Cinthie

Fresh Faces: Mall Grab – I’ve Always Liked Grime

by Kilian

Auch wenn der geneigte Hörer der im Titel dieses Stückes genannten Aussage nur bedingt zustimmen mag, so besteht doch genügend Grund zur Hoffnung, dass ihn wenigstens das Stück selbst, nicht zuletzt ob seiner positiven Andersartigkeit, anzusprechen vermag. Eine erfrischende Prise Neues im vor sich hin köchelnden, zu einem Einheitsbrei zu verkommen drohenden Suppentopf, der sich elektronische Musik – in diesem Falle House – nennt.

Eine perfekt tanzbare, interessante Transplantation der erstmals von DJ Wonder populär gemachten, typisch gewordenen Grime-Sounds – spätestens seit Skeptas „That’s not me“ hinlänglich bekannt – in eingängiger, markanter und auf einen treibenden, durch kraftvolle Hi-Hats katalysierten House-Unterbau in gehobener Geschwindigkeit offenbart sich hinter dieser Nummer des australischen DJ und Produzenten Mall Grab. See what you did there: „I’ve Always Liked Grime“ kommt also nicht von ungefähr. Erschienen ist die Platte Anfang August 2016 über Unkown To The Unkown aus London, worüber beispielsweise in jüngerer und jüngster Vergangenheit auch Legowelt oder Daze Musik releasten. Neben diesem seinem ersten Release auf Unknown To The Unknown veröffentlichte Mall Grab bisher unter anderem auf Shall Not Fade – die völlig zu Recht gepriesene EP „Alone“ –, Hokkaido Dance Club oder Hot Haus Records. Getragen von den unverkennbaren Grime-Synths, vorangetrieben durch adäquate rhythmische Patterns und gespickt mit feinfühlig dosierten Vocals kommt alles als sehr, sehr starker Dancefloortrack zusammen – I have not always liked grime, but I like what it lead to!

(Direktlink)

Same same but so different: PreciousPandaExperience – Disintegration Spank

by Kilian

„Leftfield“ – ein Begriff, der dem geneigten Rechercheur qualitativer Musik bisweilen des Öfteren unterkommt. Viele (besonders selbsternannte Musikexperten) benutzen es, noch mehr benutzen es falsch und wieder mehr wissen so gar nicht, was damit gemeint sein soll. Das Collins Dictionary beschreibt es beispielsweise in der Verwendung als Adjektiv als „Left-field means slightly odd or unusual“, in der Verwendung als Nomen analog dazu „If you say that someone or something has come out of left field or is out in left field, you mean that they are untypical, unusual, or strange in some way.“ Besonders im Blick auf Musik sei hierbei allerdings zu betonen, dass Leftfield beileibe kein eigenes Genre darstellt, sondern eben eher unkonventionelle, abseits des Mainstream laufende, unübliche oder irgendwie andere Musik bezeichnet, wobei dem allgemeinen Genrebegriff in der Regel das „Leftfield“ vorangestellt wird.

Wie man auf so etwas kommt? Nunja, wie so oft eigentlich durch die Suche nach musikalischen Leckerbissen für die lechzende Leserschaft. Da – man möchte es wirklich kaum glauben – in der Wohnung des Autors dank der unendlichen Servicequalität von 1&1 erneut WLAN-Wüste herrscht, parallel dazu noch eine Hausarbeit bzw. derer drei geschrieben werden wollen und im Allgemeinen momentan relativ wenig voran geht, muss man Funde also feiern, wie sie fallen. Gesagt, getan und heute führt die musikalische Reise in die Freie Hansestadt Bremen.

Denn aus eben dieser Hansestadt stammt das Label Drowned Records, auf welchem die vorliegende Nummer im Juni diesen Jahres veröffentlicht wurde. Sie erschien im Rahmen der EP „Echt Walle Traxx“, welche sechs Tracks stark ist und von deren Labelartists Qnete, TV Tower GET_TO Crew, Alias & Alias und dem Künstler hinter diesem Stück getragen wird: PreciousPandaExperience. Wunderschön verquerer Name, beinahe keine Informationen online, aber musikalisch wirklich ganz was Feines – klingt genau nach etwas für Backinthedaze. „Disintegration Spank“ ist erfrischend anders, erfrischend abseits der Norm und doch in seiner technoiden Housigkeit – nicht zu verwechseln mit Tech House, aber den geneigten regelmäßigen Lesern muss man dies ohnehin nicht erläutern – so heimelig, dass es sich auf jedem Dancefloor und jeder Afterhour ganz formidabel schlagen wird. Die an eine Vielzahl von Technotracks erinnernde, rumpelnde Bassline, die großartig instrumentierten und eingesetzten Hi-Hats, diverse Acid-Anleihen, der Verzicht auf Vocals und dazu noch das sich perfekt einfügende Sample der Kirche von Bremen-Wallen finden zu einem wohltuend unkonventionellen Klangbild zusammen, das man auf dem Schirm haben sollte.

via Techno Scene

 

Ross 154 – Until My Heart Stops (2004)

by Kilian

Auch wenn meine musikalischen Vorlieben beim Besuch einer elektronischen Tanzveranstaltung sich mittlerweile sehr weit von Deep House entfernt haben, so gibt auch dieses Genre – wie jedes, eigentlich – etliche Perlen her. Suchet und ihr werdet finden, liebe Freunde. Oder, genauer gesagt: Stolpert online über echte Schmankerl und freut euch des Lebens! Ich für meinen Teil jedenfalls stimme mich mit etwas leichterer elektronischer Musik bei miserablem Aprilwetter in Leipzig auf die anstehende Open-Air-Saison ein, bei der die Wahrscheinlichkeit, Brachiales à la Perc oder Cleric im Sonnenschein auf die Ohren zu bekommen, eher gering sein dürfte. Aber wer weiß, man soll ja den Tag nicht vor dem Open Air loben, wie es so schön heißt.

Das Stück, um welches es hier geht, wurde bereits in den frühen 1990ern produziert, fand allerdings, nach einigen Jahren des Verstaubens, erst im Jahr 2004 seinen Weg an die Öffentlichkeit. Releast auf M>O>S Recordings aus den Niederlanden – ein Label, auf welches ich über das großartige Debütalbum von Ike Release aufmerksam wurde – erschien „Until My Heart Stops“ im März 2004 auf der gleichnamigen EP. M>O>S steht für „Muziek Over Steden“, „Musik über Städte“. Das war: Niederländisch.

Verantwortlich für den Track zeichnet Ross 154 aka Newworldaquarium aka Jochem Peteri aus den Niederlanden, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Szene unterwegs ist und mit seinem experimentellen Ansatz unter anderem bereits auf Delsin Records veröffentlichte.

„Until My Heart Stops“ schlägt für mich dabei genau in die Deep-House-Kerbe, die mir zusagt: Sphärisch, keine Vocals, ein unterschwelliges, aber für die Stimmung des Tracks elementares Crescendo der Drums, ideal abgestimmte Hi-Hats und Claps und ein Rhythmus, der abholt, mitnimmt und irgendwo in den verträumteren Lagen des Äthers wieder loslässt.

Bonus: Wem es genauso gehen sollte wie mir, dem sei noch die schöne Info mit auf den Weg gegeben, dass ein Repress der Platte für Ende Mai 2016 angekündigt wurde – vind ik leuk!

via MOS Recordings

 

Some fuckin‘ tunes: Cinthie – EG.572 (Mix)

by Kilian

Die charmante und bezaubernde Cinthie, welche ich bereits einmal im Backstage eines unserer Events in Regensburg kennenlernen durfte, hat für die Kollegen von Electronic Groove einen ganz formidablen Mix hingezaubert. Eine Stunde feinster House, nicht mehr und nicht weniger.

Cinthie aus Berlin, welche bereits auf zwei Jahrzehnte Erfahrung als DJ, Produzentin und Labelbetreiberin zurückblicken kann, gehört in die für mich glasklar ersichtliche, für viele meiner „strictly techno“-Freunde allerdings schwer greifbare Sphäre von „gutem House.“ Was für House hörst du denn, Kilian? Guten. So einfach ist das. Unprätentiös, keine Tech-House-Effekthascherei mit simpelster Stimmungsmache, groovy, stilvoll, einfach gut. Viele organische Sounds, wohldosierte Vocals, das gewisse Etwas – naja, ihr wisst ja langsam, was mir gefällt.

Die Grande Dame von Beste Modus und Unison Wax, zwei exquisiten Vinyl-Only-Imprints aus Berlin, die nebenbei auch noch mit ihren Residencies in der IPSE und dem Humboldthain die Berliner bereichert, hat sich für mich, der ich – mea culpa – jetzt erst in den vergangenen Wochen im Besitz eines funktionierenden Plattenspielers bin und mein Vinyl-Budget viel zu klein ist, besonders durch ihre durchdachte, balancierten, Dancefloor-orientierten Sets ausgezeichnet, die man dank Internet ja zur Genüge findet. Auch ihr aktueller Beitrag zum Podcast-Katalog von Electronic Groove aus den USA hat meinen Geschmack mal wieder getroffen, und was gibt es Besseres als beschwingte Klänge für einen entspannten Start in den Tag? Die Optimale musikalische Unterhaltung für einen kalten, aber sonnigen Leipziger Montagmorgen, an dem man sich irgendwie für die Uni motivieren muss – have it your way.

via Cinthie

Ricardo Villalobos – What You Say Is More Than I Can Say (Edit) (2003)

by Kilian

Ricardo Villalobos ist kaum jemand, zu dem man noch viele Worte verlieren muss. Exzentrischer, über alle Zweifel erhabener Altmeister der elektronischen Musik, Resident im legendären Omen und Ibiza-Dauerbrenner, der Mann, für den sogar im Berghain gefilmt werden darf – achja, großartige Musik produziert er auch noch selber. Der Deutschchilene / Chiledeutsche (er hat beide Staatsbürgerschaften) gehört seit Jahrzehnten zu den glanzvollsten Figuren der elektronischen Musikszene und seine zuweilen obskuren Auftritte, seine Liebe zu jedweden Rauschzuständen und ein Faible für ins Ewige elongierte Tracks sorgen seit jeher für reges Interesse an ihm und eine Menge Gesprächsstoff. Parallel dazu stehen mittlerweile sieben Alben und über 40 EPs seit 1996 zu Buche – der Mann weiß, was er tut.

Die vorliegende Nummer stammt von seinem ersten Longplayer, dem Album „Alcachofa“ – zu deutsch Artischocke – aus dem Jahr 2003, veröffentlicht über das Frankfurter Label Playhouse. Die Nummer findet sich auf der CD-Version des Albums und ist ein etwas kürzerer Edit des im vorangegangen Jahr auf der 12″ „Halma“ releasten Tracks. „What You Say Is More Than I Can Say“ ist eines dieser Stücke, das den Hörer – so er entweder a) nichts für elektronische Musik übrig hat (Stichwort: mach die Scheiße aus)  oder b) es denn zulässt – langsam, aber sicher auf wunderbare Weise in den Wahnsinn treibt. Die hypnotische Bassline, antreibende Claps, verzerrte, wohldosierte Vocals und ein exzellent verspultes Klangbild verschmelzen zu einem Track allererster Güte. Ein Track wie der Blick von Ricardo Villalobos: Spulig, durchdringend, ekstatisch.

via Robert Johnson

Moloko – Sing It Back (Herbert’s Tasteful Dub) (1998)

by Kilian

Irgendwo zwischen meiner Klausurenphase (beginnend am Montag mit Kultursoziologie), der Sportschau und allgemeinem Maulwurfleben par excellence ist meine Prokrastinations- und Ablenkungsmethode der Wahl eindeutig das Schreiben und die Suche nach neuer Musik – nur momentan eben beschränkt auf kleine, sechzigminütige Einheiten, bevor das schlechte Gewissen doch wieder die Oberhand gewinnt.

Viele werden das Zusammenspiel aus Winterkälte, mangelndem Sonnenschein, Prüfungen, Isolation und Schwermut sicherlich mit den frühen Monaten des Jahres assoziieren und, um ehrlich zu sein, mir geht es nicht anders (wie ihr hier eventuell mitbekommen habt). Es ist Wochen her, dass ich das letzte Mal ausgelassen feiern war, geschweige denn mich in der Gesellschaft meiner über die ganze Republik verstreuten exil-bayerischen Freunde befunden habe. Zu realisieren, wie sehr ich bestimme Personen und die absichernde Wirkung eines sozialen Netzes vermisse, macht mir momentan sogar ehrlich zu schaffen. Wer weiß, vielleicht ändert sich das alles, wenn der Kopf wieder für ein paar Wochen frei von Studienstress ist und sich neue Impressionen und Bekanntschaften erst wieder wirklich ausbreiten können? Ich weiß es nicht. Fakt ist nur, dass mir ohne das gelegentliche und besonders in den vergangenen beiden Wochen akzentuierte Ventil des Schreibens und das damit verbundene Finden exquisiter Musik (Ihr wisst, dass ich meinen Musikgeschmack liebe, tut nicht so.), mit Sicherheit der Kopf platzen würde.

Die folgende Nummer übertrifft in dieser Funktion jedoch sogar meine Erwartungen: Groovy, verspielt, entspannt, deep, dubbig, durchdacht, dope. Mit einer Veröffentlichung aus dem französischen WM-Jahr 1998, erschienen via F-111 Records, greifen wir einmal weit nach hinten in die digitale Plattenkiste und finden einen Dub-Diamanten, wie er im Buche steht.

Sing It Back“ stammt ursprünglich von Moloko, einem britischen Duo, bestehend aus dem Produzenten Mark Brydon und der nicht ganz unbekannten Vokalisitin Róisín Murphy, welches seit seiner Gründung 1993 in Electronica- und Trip-Hop-Gefilden umherschipperte. Das, im Gegensatz zu der in der Folge vorgestellten Neuinterpretation, weitaus beschwingtere Original (welches eigentlich der Boris Musical Mix ist) findet ihr hier.

Doch richtet euren Fokus lieber auf „Herbert’s Tasteful Dub„, denn der Mix hat es, meiner bescheidenen Meinung nach, wirklich in sich: Gekonnt die markante Stimme von Miss Murphy aufgreifend und verarbeitend, verfeinert mit einer Prise Dub und unglaublich starken perkussiven Elementen, verwandelt sich „Sing It Back“ in der Variante von Matthew Herbert in eine wirklich komplett runde Sache. Vocals, die sich nicht aufdrängen, wohlig-warmer Bass und besagte Drums mit Groove ohne Ende – ein Treffer ins Schwarze.

Konträr zu meiner momentanen Situation brauche ich nun eigentlich nur noch Sonnenschein und wärmere Temperaturen, ein bisschen Schnee, zwei bis drei Cocktails, gute Leute, eine Tanzfläche und diesen Track – kommt alles noch dieses Jahr, da mache ich mir gar keine Sorgen.

via map.ache

Huerco S. – Untitled (TRP’s Acid Cut) (2015)

by Kilian

„Selten ist der Mensch produktiver, als wenn er sich mit Musikrecherche im Internet von seinen Verpflichtungen in Form von mittelalterlicher Geschichte ablenkt“ – das sagte bereits, so oder so ähnlich, Karl Marx im Jahre 1848. Dass der Urvater des Kommunismus und der wohl einzige Mensch auf Erden, der Hegel nicht für ein unverständliches Arschloch hält, schon im 19. Jahrhundert Recht hatte und auch im 21. Jahrhundert Recht behalten sollte, beweist der heutige Sonntagabend.

Denn wie so oft, wenn man eigentlich „wichtigeres“ zu tun hätte, stolpert man mir nichts, dir nichts, über etwas Wunderbares. Auch wenn sich meine Wochenenden seit dem Jahreswechsel durch eine ungewohnten Ruhe und wenig Anstrengung – partywise, you know – kennzeichneten, so gibt es doch kaum einen schöneren Anlass als gute Musik, um die ewige Lernerei einmal zu unterbrechen.

Huerco S., seines Zeichens aus Kansas stammender und in Brooklyn, New York City, beheimateter Künstler mit seiner ganz eigenen Handschrift und seiner ganz eigenen Herangehensweise an das Thema Techno, ist ein Name, der in den vergangenen Jahren öfter auf sich aufmerksam machte. Mit seiner umtriebigen Art des Produzierens und Mixens auf jeden Fall ein Qualitätsgarant des so genannten Untergrunds. Das Original des im verganenen Jahr hier neu interpretierten Tracks veröffentlichte der US-Amerikaner bereits im Jahre 2012 auf seiner EP „No Jack“ über das ukrainische Label Wicked Bass.

Das Remix Treatment stammt in diesem Fall von TRP aus Heilbronn: Hinter dem Akronym verbirgt sich mit David Willenberger ein höchst interessanter junger Künstler, der bisher, trotz seiner Verbindung zu unseren Sweethearts von Lobster Theremin, lediglich auf der „Existential Sonics“ EP aus dem Hause Appian Sounds releast hat. Doch keine Sorge, von ihm wird man sicherlich noch mehr hören. Ein erstes Argument, um dieses Statement zu unterfüttern, ist der folgende Remix zu einem der zahlreichen „Untitled“ von Huerco S.

TRP’s Acid Cut„, veröffentlicht via Soundcloud mit der sympathisch-lapidaren Bemerkung „illegal edit“, ist als Remix genau das, was man sich in einer Phase der Überforderung im Club wünscht: Eine hypnotische Bassline, viel Fläche in den Synthesizern und eine harmonische Akkordstruktur zum Augenschließen und Treibenlassen. Betörend, tanzbar, trippy, überzeugt. Auch wenn ich erst – so das denn klappt und mir nicht vorher der Schädel platzt – in einigen Wochen erst wieder einen Club von innen sehen werde, so schließt diese Nummer meinen Sonntag doch wirklich formidabel ab. Und ich kann mittelalterliche Geschichte mittelalterliche Geschichte sein lassen. Danke dafür!

via Tissu