Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Kategorie: Musik

So geht Morgensport in der Hauptstadt: Elad Magdasi – Two Floors

by vctrl

Für Liebhaber der gepflegten elektronischen Tanzmusik geht es momentan heiß her, betrachtet man allein, was im Januar und Februar an neuen Produktionen erschienen ist; da gibt es nicht nur was auf die Ohren, sondern auch für’s Auge, so arty sind einige der Plattencover. Und während der kleine Finger meiner linken Hand eher unästhetisch, aber ganz gemütlich in seinem frischen weißen Mullgewand so vor sich hinpocht und nachwächst – derartige Dinge ereignen sich, nebenbei bemerkt, wenn man mich zu früh und hungrig weckt -, kann ich es nicht lassen, ein paar Zeilen zu der Nummer, die zu besagten Releases gehört und gerade zum mindestens vierten Mal in Folge durch meine Lautsprecher schallt, in WordPress zu tippen. Zur Not eben im 9-Finger-System.

Aua. Um was ging’s eigentlich? Ach ja: „Two Floors“ von Elad Magdasi ist Teil der am 3. Januar 2017 releasten EP „Phasing Faces Vol.1“ [ANAGRAM007], deren drei weitere Titel von Anagram-Labelchef Sinfol aus Amsterdam, dem Italiener Davide sowie der Pariserin Anetha beigesteuert werden. Ein exzellent durchkomponiertes, tanzflächentaugliches Stück Techno, dessen schlagkräftiger Bass mit einer Synthie-Hookline garniert ist, die „Two Floors“ prädestiniert für die beste Sommerzeit: 7 Uhr morgens in der Pannebar (oder so ähnlich). Es empfiehlt sich mit Nachdruck, die Veröffentlichungen von Anagram im Auge zu behalten. Und bei Gelegenheit auf Anethas „Acid Train“ zu hüpfen.

Am 3. März 2017 dreht Elad Magdasi, der in Berlin lebt und arbeitet, dort die Teller und Knöpfchen in der Griessmühle, nebst u.a. Delta Funktionen, Ness, Daito und Nihad Tule.
> Veranstaltung auf Resident Advisor

via HATE
Elad Magdasi
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Anagram Label auf Facebook // Soundcloud // Resident Advisor

Dreamy Debut: Artefakt – Kinship (Album)

by vctrl

Wie ein gelungener Auftakt funktioniert, demonstrieren in diesem noch recht jungen Jahr die Niederländer Robin Koek und Nick Lapien, die zusätzlich zu ihren Soloprojekten zusammen als DJ-Duo und Liveact unter dem Namen Artefakt die Clubs aufmischen. Nachdem bereits einige ihrer gemeinsamen Produktionen seit 2014 auf EPs der Labels Prologue, Field Records, Delsin und Konstrukt erschienen sind, feierten die beiden am 20. Februar 2017 mit „Kinship“ [122DSR] nun ihr Album-Debüt auf Delsin Records.

Das gute Stück beweist auf 2 x 12“ nach den vorangegangenen EPs zum wiederholten Male das Feingespür des Duos für das Zusammenwirken von Percussion und atmosphärischen Klangreisen und deckt mit seinen sieben Tracks ein recht breites Genre-Spektrum von Ambient über Electro und Acid bis hin zu Dub-Techno ab.

Nach dem behutsamen Einstieg durch den gleichnamigen Titel „Kinship“ wird es mit „Tapestry“ ein wenig düsterer, was daraufhin die Electro-Dynamik, Harmonie und frühlingshafte Unbeschwertheit von „Entering The City“ und „Somatic Dreams“ wieder ausgleichen.

„Fernweh“ schiebt im Anschluss noch ein wenig an und leitet damit zu „Return To Reason“ über, einer Nummer, die wohl in nächster Zeit noch auf der ein oder anderen dunklen, vernebelten Tanzfläche zu hören sein dürfte. [Nachträgliche Anmerkung: „Return To Reason“ eignet sich im Übrigen – und vermutlich nicht zufällig – hervorragend als Soundtrack für den gleichnamigen Experimentalfilm von Man Ray (Originaltitel: „Le Retour À La Raison“) aus dem Jahr 1923, den es auch auf Youtube zu sehen gibt. Man spiele also Film und Track parallel ab – zack feddich: 29nov films.] „Tapeloop 1“ schließt mit seinen harmonischen Sphären als siebter und letzter Titel den musikalischen Kreis, womit „Kinship“ zugleich sein Ende findet und wieder von Neuem beginnen kann.

Und tatsächlich hat man an dieser Stelle irgendwie das Gefühl, soeben einer in sich geschlossenen Narration gefolgt zu sein. Sogar – voll schön! – mit Happy End. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, dem sei der folgende Link zum freien Stream in voller Länge auf Bandcamp empfohlen.

„Kinship“ bei Delsin Records
Artefakt
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Weniger ist mehr: Leibniz – 2 Simple

by Kilian

Für Dillingens Finest und Leipzigs Liebling Leibniz waren die vergangenen Wochen extrem umtriebig: Neben dem zelebrierten Closing beim ersten Boiler Room Leipzig im Institut für Zukunft erschienen zuletzt über VFMM – Verein freier Menschen und Musik – gemeinsam mit seinem in Düsseldorf lebendem Bruder unter ihrem Pseudonym DJ OK (aka DJ Ja und DJ Nein) die EP „It’s fine“ und eine unbetitelte Split-EP von DJ OK und DJ Bwin (Leibniz und Alex Hoppe) über das irische First Second Label, sowie darüber hinaus am vergangenen Freitag, 9. Dezember, seine neue Solo-EP „Bat“ (RAT LIFE 10) über das Sublabel von Uncanny Valley, Rat Life. Auf besagtem jüngstem Release befindet sich die vorliegende Nummer, welche nach seinem Set im Boiler Room ordentlich Welle in den Online-Kommentarspalten machte und für gehörig Nachfrage sorgte. Vor dem Release feierte der Track nun vergangenen Mittwoch bei Clash Premiere und es geht wohl nicht zu weit, zu sagen – diese Nummer wird die Tanzflächen noch eine ganze Weile begleiten. Die guten jedenfalls.

2 Simple“ lautet der Name des Stücks und der Name ist zweifelsohne Programm: Wunderbar aufs Nötigste reduzierter, groovegeladener House mit breakigen Jungle-Anleihen und garantiertem Dancefloorappeal, tanzbar, funky, smart. Sympathisch schnörkellos und Spaß over 9000. Wer wissen möchte, wie man mit minimalsten Mitteln eine überzeugende Bassline produziert, ist hier genau richtig und „2 Simple“ darüber hinaus wohl der annähernd perfekte Track, um House-Verächter und House-Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen. Glanzstück!

Show some love: Coppt die „Bat“ EP von Leibniz beim Plattenhändler eures Vertrauens oder via Bandcamp!

via Clash

We’re all mad here: AIROD – Universe of 90’s Techno Parties

by Kilian

Mein lieber Herr Gesangsverein, damit hätte ich nicht gerechnet. Da lenkt man sich nichtsahnend mit Schreiben und Musikrecherche von seinen Verpflichtungen ab und auf einmal dröhnt ein Track durch die Boxen, der den gesamten, immerhin halbwegs normalen Tagesablauf auf den Kopf stellt. Zwischen mir und meinem wohlverdienten Wochenende liegt nur noch eine vier- bis fünfstündige Schicht auf der Arbeit und dann werden endlich mal wieder die Straßen Leipzigs unsicher gemacht. Bis vor kurzem war meine Motivation dafür heute eigentlich eher von der Sorte so mittel, doch mit diesen Klängen aus dem Soundsystem sieht die Welt schon ganz anders aus.

Bekanntlich soll man ein Buch – oder wie so oft in unserem Falle, eine Schallplatte – ja nicht nach seinem Umschlag beurteilen, doch bei der im November diesen Jahres veröffentlichten „Universe“ EP trifft die (jedenfalls meine) erste Assoziation mit dem Artwork genau ins Schwarze: Verspulter, ekstatischer, gnadenloser, antreibender, Widerstände brechender, Nächte veredelnder 90s Techno – und das auch noch allererster Güte. Was der französische Produzent AIROD da auf seinem Track „Universe of 90’s Techno Parties“ so aus seiner Hardware zaubert, ist ein beachtliches Ausrufezeichen an diesem Samstagmittag. Verführerisch zum Wahnsinn treibende Synthesizer, eine staubtrockene Kick und glasklar auf lichtentleerte, heiße Clubs zugeschnittene Effekte ziehen in ihren Bann. Veröffentlicht wurde die drei Tracks starke EP, welche noch zwei Remixes von Moth und Process 404 beinhaltet, über das von Dario Brkic aka AIROD 2016 mit gegründete französische Label Molekül. Der Titeltrack seiner, nach „Black Wall“ vom Mai diesen Jahres, zweiten EP offenbart sich – in meiner bescheidenen Meinung – als kompromissloser, jeden Dancefloor zum Ausrasten bringender Sound für die Dunkelheit, in einer Intensität, wie sie mich in der jüngeren Vergangenheit wohl selten erfrischt hat. Man darf auf die Zukungt von Artist und Label sicherlich gespannt sein. Paradestück!

Unterstützt Künstler und Label mit dem Kauf der Platte über Bandcamp!

via Ayarcana

Powerful: Stone Cream – Rust (Album)

by Kilian

Powerful, indeed. Bereits vor einigen Monaten kam, wohl zuerst im Subreddit /r/punk, die Theorie auf, dass die (zu diesem Zeitpunkt noch rein theoretische) Präsidentschaft von Donald J. Trump – das ‚J.‘ steht für ‚Jackass,‘ wenn ich nicht irre – für eine neue Welle aggressiver, vom Status Quo abgefuckter Punk-, Rock- und Hardcore-Musik in den USA sorgen würde. Eine Theorie, die mittlerweile schon aus verschiedenen Quellen iteriert wurde und die, genau betrachtet, nur die logische Fortsetzung des bisher in der Geschichte Beobachteten ist: Mit einem Blick auf die 1970er und 1980er Jahre, Reaganomics, Thatcherism, martkradikalem Kapitalismus und einer ersten riesigen Welle Abgehängter, politischer Instabilität und unkontrollierter Wirtschaft, sieht man, welche Auswirkung die sozioökonomische Situation in besonders den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich auf lokale, nationale und dann internationale Musikszenen hatte und der Ursprung wie vieler Bands und auch Subgenres in exakt diesen Jahren zu verorten ist. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dies in den USA nun, da Donald Trump im Januar zum Präsidenten vereidigt werden wird, erneut so ablaufen würde und immerhin als eine Art kleiner, musikalischer Lichtblick am Horizont der schlechten Aussichten dienen könnte. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, wie man so hört.

Ins Auge sticht, analog zum gewählten Beispiel, in jüngerer Vergangenheit allerdings auch die harte, gitarrenlastige Musik des seit einigen Jahren zur germano-europäischen Urlaubs- und Schuldenkolonie degradierten Griechenland, welche dank Internet in immer steigender Frequenz und Intensität auftaucht und welche von einer Menge Wut im Bauch zeugt. Wen würde es wundern – eine erneute Wiederholung aller Details wäre an dieser Stelle wahrlich redundant –, bei den dortigen Verhältnissen, an denen wir Kartoffeln eine ordentliche Teilschuld tragen, ob wir wollen oder nicht. Deprimierende kapitalistische Normalzustände beiseite: Stoner Rock. Stoner Rock aus Griechenland. Stoner Rock aus Griechenland mit den mächtigsten Riffs, die in den vergangenen Monaten durch die Boxen des bescheidenen Refugiums des Autors geschallt sind. Stoner Rock aus Griechenland mit einer Stimme, bei der sowohl Lemmy (R.I.P.) als auch John Garcia von Kyuss nur ein anerkennendes Daaamn, Son! entfahren dürfte. Vocals, die nach einer Menge Lagavulin und Zigaretten nur so herrlich stinken und alle verpackten und kanalisierten Emotionen kompromisslos transportieren. Dazu: Groove par excellence. Par excellence!

2016 war ein formidables Jahr für Stoner Rock, dessen können sich die musikalischen Historiographen der Zukunft sicher sein. Stone Cream werden für diese fruchtbaren zwölf Monate gewiss zumindest exemplarisch genannt werden, veröffentlichen die Griechen doch kurz vor Jahresende doch noch einen echten Diamanten für die ohnehin schon vor Qualität berstende Anthologie des laufenden Jahres. Formiert wurde die Band 2013 und geprobt und aufgenommen wurde zur Genüge, doch bis just vorgestern wurde kein einziger Song veröffentlicht. Via Bandcamp wurden nun acht Tracks des Trios zum Album „Rust“ kompiliert und zum Free Download bereitgestellt und das absolut zurecht. Begonnen beim mitreißenden und nicht loslassenden Opener „Jail Dog“ tragen sich grandios Phaser-verfremdete Gitarre und Vocals voller Intensität über das erneut von großartigem Sound der Saiteninstrumente befeuerte „Broken Child“ bravourös, unschätzbar intensiv und voller Groove über die komplette Lauflänge des Albums. Die ganze Scheibe steht ohnehin im Zeichen von Fuzz-geladenen Riffs und Groove ohne Ende, „Snakes On My Back“ und das etwas langsamere „Ghost“ überzeugen hierbei ebenso wie das dreckige „Galaiandra.“ Die auffallend gut passende Stimme des Sängers fällt auf „Rust“ erneut mit dem phasenweise ruhigeren „Aegean“ ins Ohr, dessen sphärisches Introriff für den richtigen trippy Anstrich sorgt. „Haunted Train“ sorgt noch einmal für die nötige Beschleunigung, bevor auf „Bow“ erneut die starken Southern Rock-Einflüsse hörbar werden, die mit dem harten, verzerrten Gitarrensound der Band und einer Rockstimme, um die Stone Cream hundertprozentig beneidet werden dürften, ein mehr als überzeugendes Debütalbum passend abrunden.

Unterstützt die Band bei Bandcamp und sichert euch das Album „Rust“ als Free Download!

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Frank Motley & The Hitchhikers – Mr. Fortune (1971)

by Kilian

„From WNYC, this is Freakonomics Radio: the podcast that explores the hidden side of everything. Here is your host, Stephen Dubner.“

Tröt-Tröt-Tröt. Rigidigidingding. Tröt-Trö-Tröt. Ragdagadakdak. Tröt-Tröt-Tröt. Ragadagadakdak. Tröö-rötötöt. Trommeltrommeltrommel. Sorry. Es wäre nicht das erste Mal auf dieser Plattform, dass die Inspiration zu einem Post aus dem Reich der Podcasts käme. In diesem Fall dient der vorliegende Song dazu einem der qualitativ und inhaltlich hochwertigsten englischsprachigen Podcasts als Intro und regelmäßigen Hörern jenes Podcasts dürfte die Melodie mittlerweile so vertraut sein wie die Gongs der Tagesschau. Die Rede ist von Freakonomics Radio, dem Podcast des Journalisten und Autoren Stephen J. Dubner. Mr. Dubner ist vor allem durch seine Arbeit für die New York Times und seine drei, in Zusammenarbeit mit dem renommierten Ökonomen Steven Levitt von der ebenso renommierten University of Chicago, erschienenen Bücher und Bestseller „Freakonomics: A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything“ sowie dessen Nachfolger „SuperFreakonomics“ und „Think Like A Freak.“ In Freakonomics Radio geht Stephen Dubner – mit häufigen Auftritten von Steven Levitt –, wie das eingangs gesetzte Zitat ankündigt, so ziemlich allen Phänomenen des täglichen Lebens mit einem oft ökonomischen, doch immer gründlichen, differenzierten und interessanten Ansatz auf den Grund, so in der Vergangenheit beispielsweise warum wir immer noch Bargeld benutzen, ob das Schreiben mit der Hand noch zeitgemäß ist, oder ob uns, wie 2008 mit den Immobilien, ein Platzen der Blase von Matratzengeschäften bevorsteht. Kurzum: Freakonomics Radio ist ein großartiger Podcast, der vorbehaltlos zu empfehlen ist. But back to what we’re here for!

Bei extravagantem, abseits der Norm liegendem Einsatz rhythmischer Mittel in der Musik kann sich bisweilen die Frage aufdrängen, ob das Gehörte nun genial oder einfach schlampig ist. Dieses Gefühl kann den Hörer bei, sagen wir, einem Primus-Livegig befallen, wenn Les Claypool im Tropenhut seine Whamola malträtiert, im Club, wenn holpernder und polternder Techno oder ein gewollter oder ungewollter holpriger Übergang auf einmal Sinn zu ergeben scheinen, oder wenn man sich einmal durch die Jazz-Diskographie des dritten Quartals des 20. Jahrhunderts hören möchte – der Grat ist ein schmaler, soviel ist gewiss. Auch bei diesem Song, der mittlerweile auch schon ganze 35 Jahre zählt, hat man es darauf ankommen lassen, doch die Waage schlägt ganz eindeutig in eine Richtung aus.

Frank Motley war ein US-amerikanischer Instrumentalist und Bandleader, der in seiner von den 1950ern bis in die 1970er Jahre reichenden Karriere hauptsächlich in Kanada aktiv war. Eine der Besonderheiten des Trompeters, der auch als Sänger und Posaunist aktiv war, war seine Technik, zwei Trompeten gleichzeitig zu spielen, die ihn auch den Namen Spitznamen „Dual Trumpet“ Motley einbrachte. Um 1966 gründete er in Toronto die Band The Hitchhikers, welche bis 1970 Bestand hatte. Das von Wayne McGhie geschriebene „Mr. Fortune“ befindet sich ausschließlich auf einer in Kanada gepressten und über Heart Records im Jahr 1971, nach der Auflösung der Hitchhikers, erschienenen Single. Ins Ohr stechen sofort der unregelmäßige, holpernde Groove, der absolut glänzende Sound des Schlagzeugs, die Epik versprechenden Klänge der Bläser (besonders) im Intro und die bestechende Stimme des Vokalisten, Mighty Pope – funky ist fast kein Ausdruck mehr. Feinster, alles andere als ordinär klingender Funk, bei dem von der Kick zur Snare, von der Bläsersektion zum Gesang, irgendwie alles passt.

(Direktlink)

 

Bookworms – Love Triangles (2012)

by Kilian

Raffinesse – wohl eines der schönsten französischstämmigen Wörter innerhalb der deutschen Sprache und definitiv eines, wofür die letztere kein semantisch ebenso genaues Pendant hat finden können. Dieses wohlklingende, punktgenaue Konstrukt, welches Gewieftheit, Cleverness, Schläue und eine gewisse Durchtriebenheit mit einschließt und dabei doch so viel mehr ungesagt impliziert. Raffiniert sein kann allerdings vieles: Zucker und Öl in der schnöden rationalen Welt, doch auch Kunst und Musik im Kosmos des Schönen und Ästhetischen ganz besonders. Der Duden gibt als Bedeutung des Wortes raffiniert an, etwas sei bis ins Einzelne ausgeklügelt oder voller Raffinesse und auf den vorliegenden Release aus dem Jahre 2012 trifft beides zweifelsohne voll und ganz zu.

Veröffentlicht über L.I.E.S. – Long Island Electrical Systems – aus den USA, erschien der Track „Love Triangles“ auf der gleichnamigen EP von Bookworms aus Brooklyn, NYC. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der Produzent Nik Dawson, der in seiner bisherigen Karriere neben L.I.E.S. auch auf anderen Labels mit gehörigem Szenerenommee wie Russian Torrent Versions oder Confused House veröffentlichte. „Love Triangles“ war 2012 sowohl sein erstes Release auf L.I.E.S. als auch sein erstes Release an sich. Der Titeltrack der Scheibe präsentiert sich als – wie eingangs angesprochen – extrem raffinierter, von anfänglich zu fehlen scheinender Stringenz über erratische Rhythmuskompositionen zu kaum abwehrbarem Groove reisender Track der Marke Deep House, dem die in den bescheidenen Augen des Autors nicht unbefleckte Konnotation dieser Genrebezeichnung in keinster Weise gerecht wird. Der verwinkelte, doch ab einem gewissen Punkt unüberhörbare und überraschende Zugang zu diesem Track, die auf verschiedenen, autonom ansprechenden Ebenen ablaufende Rhythmik und die durchdachte Produktion veredeln „Love Triangles“ zu einer House-Nummer erster Güte.

Hört mehr Musik von Bookworms bei Soundcloud!

(via Resom)

 

Chronophone feat. Mike Anderson – In The Sunset (Werner Niedermeier Remix) (2014)

by Kilian

G’day, motherfuckers! Ein wunderschöner Montag und ein guter Start in die Woche ist dem illustren, elitären, weit über dem Rest jedweder anderer Medienkonsumenten stehenden Zirkel, der sich die Backinthedaze.-Leserschaft nennt, ausnahmslos zu wünschen – ihr schafft das schon, bisher ist es noch jedes Mal immer Freitag geworden! Durch eine glückliche Fügung ist meine eigentlich genau jetzt stattfindende Übung zur Geschichte Ägyptens entfallen, was meinen Montag dementsprechend zu einem freien Tag macht. Ixnay on the uni, deal with it, Leistungszwang. Die freigewordene Zeit wird sich wohl mit Erledigungen diverser Natur – Gängli, wie man bei mir zuhause so schön sagt – und Arbeit im Haushalt füllen, aber, wie man just in diesem Moment lesen kann (wow, meta as f) – erstmal schreiben.

Besonders irritierend in den vergangenen Tagen fand ich, dass der Winter nun endgültig angekommen ist, auch ohne Schnee und Glatteis. Es wird um 16 Uhr einfach schon fucking dunkel, was, wie mir auffällt, die Zeitspanne innerhalb des Tages, welche man, ohne sich anzulügen, ehrlich als produktiv bezeichnen darf, teilweise doch sehr beschneidet. Nichtsdestotrotz gab es in der vergangenen Woche und auch heute wieder trotz klirrender Kälte Sonne satt, die es selbstverständlich auszukosten gilt. Den passenden Sound dafür liefert heute – auch wenn der Titel des Songs der Uhrzeit des Posts diametral gegenüber steht – Werner Niedermeier.

Niedermeier ist schon seit den frühen 1990ern ein Teil der deutschen elektronischen Szene und nimmt eine Pionierrolle im deutschen House ein. Sein erstes eigenes Label, Soul Camp Recordings, gründete er 1999 in Berlin und veröffentlichte darauf Musik von Künstlern wie beispielsweise Phonique oder Martin Landsky. Er selbst releaste Musik und spielte Sets für Labels und Clubs aus allen für die internationale Szene auch nur annähernd relevanten Ländern wie Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien, Belgien oder den USA (um nur einige zu nennen), sein Weg führte in mittlerweile schon in die Panorama Bar, das bald wieder eröffnende Fabric in London oder ins Tokioter Yellow. Kurzum: Ein weit gereister DJ und Produzent, der schon eine ganze Menge gesehen hat.

Für das spanische Label Subwax Excursions hat er sich im Jahr 2014 in Form eines Remix des Tracks „In The Sunset“ von Chronophone feat. Mike Anderson angenommen, welcher auf der gleichnamigen EP veröffentlicht wurde. Chronophone ist ein DJ aus der Schweiz, welcher sich ganz seiner Passion für Detroit und Dub Techno verschrieben hat. Wie bereits angesprochen, strahlt auch heute bei sommerlichen -1 °C schönster Sonnenschein über Leipzig und nomen est ja bekanntlich eben doch omen und die vorliegende Nummer passt daher, wie erwartet, genau in die Stimmung. Um mich zu vergewissern, ob der Track auch wirklich gut ist, kann ich ihn ja zum für 16:03 Uhr (sic!) prognostizierten Sonnenuntergang nochmal durch die Boxen laufen lassen. (jetzt schon #sickofwinter) Der Remix präsentiert sich als entspannter, sommerlicher House, der mit smarten Percussions, einer ansteckenden Bassline und für meinen Geschmack stellenweise fast einem Iota zuviel Lyrics daherkommt (aber nur fast) und einfach Spaß macht. Runde Nummer, das Ganze!

via Cinthie

Ich hab mein Riff in Heidelberg verloren: Buddha Sentenza – Semaphora (Album)

by Kilian

Sonntagabend, 20 Uhr. Es ist der zweite Advent, die Gassen der Leipziger Innenstadt sind immer noch mit Kunden jedweder Couleur gefüllt, dem zweiten Advent, dem Weihnachtsmarkt und nicht zuletzt dem verkaufsoffenen Sonntag sei Dank. Meine achtstündige Schicht auf der Arbeit heute hat das natürlich nur marginal verbessert, um es vorsichtig auszudrücken. Nach verrichtetem Tagwerk sitze ich nun in meinem geschätzten Schreibtischstuhl, habe ein kühles Freiberger Pils, einen doppelten Glengoyne und die obligatorische Sportzigarette vor mir und, wie so oft, wenn es ausnahmsweise mal ein langer Tag statt einer langen Nacht war, die nötige, gitarrendominierte, adäquat harte, ventilierende Musik dazu aus den Boxen – Stoner Rock.

OB DAS DIE SOGENANNTEN EXISTENZIALISTEN SIND, VOR DENEN PAPA MICH GEWARNT HAT? SO SCHLIMM SEHEN SIE EIGENTLICH GAR NICHT AUS.

Für den Soundtrack meines frühen Abends sorgen heute Buddha Sentenza aus dem schönen Heidelberg. Das Quintett, welches in dieser Form bereits seit sieben Jahren gemeinsam musiziert, veröffentlichte nach dem Demo „mode0909“ aus dem Jahr 2009 und „South Western Lower Valley Rock“ von 2013 in diesem Jahr ihr zweites reguläres Album, welches auf den Titel „Semaphora“ hört und in meinen Augen definitiv zu überzeugen weiß. Auf sechs Tracks, die sich in ihrer Länge jeweils zwischen etwa fünf und elf Minuten einpendeln, wird jedes atmosphärische Feld in auffallender instrumentaler Qualität beackert und der musikalischen Herkunft der Band Tribut gezollt. Ins Auge sticht besonders, dass es der fünfköpfigen Band vom Neckar über die gesamte Lauflänge von 47 Minuten gelingt, das Geschehen auch für anspruchsvollere Zuhörer durchgehend interessant zu halten. Kulminierende Riffs und nach vorne preschende Drums wechseln sich ab mit sphärischen Synths und melancholischen Adagios, die den geneigten Hörer kaum merklich, aber unwiderruflich in den Bann des Albums ziehen. Klar hörbare Einflüsse der 1970er – besonders schön auf meinem sofortige Reminiszenzen an Deep Purple hervorrufenden Favoriten „Laika“ zu hören – erscheinen, einmal durch den kreativen Apparat der Heidelberger gedreht und gepaart mit toll eingesetzten psychedelischen und Stoner-Elementen, im modernen Gewand und entpuppen sich als Schmankerl für jeden Freund instrumenteller Rockmusik. Drums, zwei Gitarren, Bass und Keyboard – was braucht man mehr?

Auch wenn ich nicht der Erste bin, wenn es darum geht, eigene Defizite einzugestehen – besser als der Promotext kann ich es zu diesem Zeitpunkt (es ist Sonntagabend, sorry) wirklich nicht in Worte fassen: Put your foot on the gas pedal, let go of the steering wheel, close your eyes and enjoy the ride!

Checkt und unterstützt die Band über Facebook, Bandcamp oder ihre Website!

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French Montana – In The Sun (feat. Curren$y) (2010)

by Kilian

Dezember in Leipzig, Himmel grau, Wetter kalt. Das neue Semester ist in vollem Gange und manch Unglücklicher, meinereiner nicht ausgeschlossen, hat die Hibernation schon wohl etwas verfrüht begonnen und muss jetzt erstmal sehen, wo er bleibt. Dazu noch nebenbei arbeiten gehen, um dieses Money nach Hause zu bringen und sich den mondänen Lebensstil auf nicht zu kleinem Fuße finanzieren zu können, verengt den Zeitplan nun noch mehr – Hedonismus und Dispo sind nämlich keine guten Freunde, wie die Erfahrung zeigt. Wie dem auch sei, die Laune und die negative Auslastung sind momentan etwas suboptimal, daher machen wir uns besser daran, das zu ändern.

Trost und Drive sind wie immer in der Musik zu finden, weshalb ich mich an diesem Donnerstag dazu berufen fühle, einen meiner absoluten Lieblingstracks mit euch zu teilen. Erinnerungen weckt dieser an unbeschwertere Tage, junge Tunichtgute mit dem Kopf voller juvenilem Nonsens und einer Menge Zeit, erste Tänze mit der grünen Lady und absolut großartige Sommer, kurz bevor ich meine unterfränkische Heimat verlassen habe, um… um… um irgendwas zu finden.

Veröffentlicht wurde „In The Sun“ auf dem Mixtape „Cocaine & Caviar“ von French Montana aus dem Jahr 2010, allerdings bereits im Mai desselben Jahres unter dem Titel „So High“ auf dem von Big Mike, Evil Empire, DJ Self und Montana gehosteten Tape „Mac & Cheese 2.“ In letzterer Form allerdings noch mit nervigen Ansprachen eines der Hosts am Beginn der überragenden Produktion von Harry Fraud. Als Featurepartner hat sich der New Yorker für dieses Glanzstück Curren$y aus New Orleans eingeladen, seines Zeichens wohl eine der fruchtbarsten Adressen, wenn es um erstaunliche Qualität bei erstaunlicher Quantität der Releases geht – allein dieses Jahr hat Mr. Franklin bereits elf Mixtapes veröffentlicht, das jüngste mit dem Titel „11/30“ am vergangenen Dienstag.

Der Beat steht exemplarisch für das produktive Talent des Harry Fraud aus L.A., der unter anderem schon zahlreiche Projekte mit Größen wie Action Bronson veredelt. Als Sample für diese Ode an den Sonnenschein und die entspannenden Stunden, die damit einhergehen, dient eine Nummer, die sich mittlerweile zu einem meiner Lieblingstracks entwickelt hat, hier aber noch einmal in einem separaten Post gewürdigt werden muss.

PENNING THESE LYRICS FROM A HAMMOCK
WITH AN OUNCE OF KUSH, A PACK OF BAMBOOS
AND AN ICE CREAM SANDWICH, I’M THAT DUDE

Diese einleitenden Worte des Parts von Curren$y umreißen das Setting, in dem man sich diesen Track im Optimalfall zu Gemüte führen sollte, perfekt. Hängematte, Kush, Sonne und Eis – es geht wahrlich schlimmer. „In The Sun“ beweist sich als extrem gut alternde, sehr arrondierte Liebeserklärung an Cannabis im Sonnenschein, perfekt für die korrespondierenden Lebenslagen. Oder, wie es French ein paar Zeilen später formuliert: „Homie high somewhere in Venus.“

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