Powerful: Stone Cream – Rust (Album)

von Kilian

Powerful, indeed. Bereits vor einigen Monaten kam, wohl zuerst im Subreddit /r/punk, die Theorie auf, dass die (zu diesem Zeitpunkt noch rein theoretische) Präsidentschaft von Donald J. Trump – das ‚J.‘ steht für ‚Jackass,‘ wenn ich nicht irre – für eine neue Welle aggressiver, vom Status Quo abgefuckter Punk-, Rock- und Hardcore-Musik in den USA sorgen würde. Eine Theorie, die mittlerweile schon aus verschiedenen Quellen iteriert wurde und die, genau betrachtet, nur die logische Fortsetzung des bisher in der Geschichte Beobachteten ist: Mit einem Blick auf die 1970er und 1980er Jahre, Reaganomics, Thatcherism, martkradikalem Kapitalismus und einer ersten riesigen Welle Abgehängter, politischer Instabilität und unkontrollierter Wirtschaft, sieht man, welche Auswirkung die sozioökonomische Situation in besonders den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich auf lokale, nationale und dann internationale Musikszenen hatte und der Ursprung wie vieler Bands und auch Subgenres in exakt diesen Jahren zu verorten ist. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dies in den USA nun, da Donald Trump im Januar zum Präsidenten vereidigt werden wird, erneut so ablaufen würde und immerhin als eine Art kleiner, musikalischer Lichtblick am Horizont der schlechten Aussichten dienen könnte. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, wie man so hört.

Ins Auge sticht, analog zum gewählten Beispiel, in jüngerer Vergangenheit allerdings auch die harte, gitarrenlastige Musik des seit einigen Jahren zur germano-europäischen Urlaubs- und Schuldenkolonie degradierten Griechenland, welche dank Internet in immer steigender Frequenz und Intensität auftaucht und welche von einer Menge Wut im Bauch zeugt. Wen würde es wundern – eine erneute Wiederholung aller Details wäre an dieser Stelle wahrlich redundant –, bei den dortigen Verhältnissen, an denen wir Kartoffeln eine ordentliche Teilschuld tragen, ob wir wollen oder nicht. Deprimierende kapitalistische Normalzustände beiseite: Stoner Rock. Stoner Rock aus Griechenland. Stoner Rock aus Griechenland mit den mächtigsten Riffs, die in den vergangenen Monaten durch die Boxen des bescheidenen Refugiums des Autors geschallt sind. Stoner Rock aus Griechenland mit einer Stimme, bei der sowohl Lemmy (R.I.P.) als auch John Garcia von Kyuss nur ein anerkennendes Daaamn, Son! entfahren dürfte. Vocals, die nach einer Menge Lagavulin und Zigaretten nur so herrlich stinken und alle verpackten und kanalisierten Emotionen kompromisslos transportieren. Dazu: Groove par excellence. Par excellence!

2016 war ein formidables Jahr für Stoner Rock, dessen können sich die musikalischen Historiographen der Zukunft sicher sein. Stone Cream werden für diese fruchtbaren zwölf Monate gewiss zumindest exemplarisch genannt werden, veröffentlichen die Griechen doch kurz vor Jahresende doch noch einen echten Diamanten für die ohnehin schon vor Qualität berstende Anthologie des laufenden Jahres. Formiert wurde die Band 2013 und geprobt und aufgenommen wurde zur Genüge, doch bis just vorgestern wurde kein einziger Song veröffentlicht. Via Bandcamp wurden nun acht Tracks des Trios zum Album „Rust“ kompiliert und zum Free Download bereitgestellt und das absolut zurecht. Begonnen beim mitreißenden und nicht loslassenden Opener „Jail Dog“ tragen sich grandios Phaser-verfremdete Gitarre und Vocals voller Intensität über das erneut von großartigem Sound der Saiteninstrumente befeuerte „Broken Child“ bravourös, unschätzbar intensiv und voller Groove über die komplette Lauflänge des Albums. Die ganze Scheibe steht ohnehin im Zeichen von Fuzz-geladenen Riffs und Groove ohne Ende, „Snakes On My Back“ und das etwas langsamere „Ghost“ überzeugen hierbei ebenso wie das dreckige „Galaiandra.“ Die auffallend gut passende Stimme des Sängers fällt auf „Rust“ erneut mit dem phasenweise ruhigeren „Aegean“ ins Ohr, dessen sphärisches Introriff für den richtigen trippy Anstrich sorgt. „Haunted Train“ sorgt noch einmal für die nötige Beschleunigung, bevor auf „Bow“ erneut die starken Southern Rock-Einflüsse hörbar werden, die mit dem harten, verzerrten Gitarrensound der Band und einer Rockstimme, um die Stone Cream hundertprozentig beneidet werden dürften, ein mehr als überzeugendes Debütalbum passend abrunden.

Unterstützt die Band bei Bandcamp und sichert euch das Album „Rust“ als Free Download!

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