Ich hab mein Riff in Heidelberg verloren: Buddha Sentenza – Semaphora (Album)

von Kilian

Sonntagabend, 20 Uhr. Es ist der zweite Advent, die Gassen der Leipziger Innenstadt sind immer noch mit Kunden jedweder Couleur gefüllt, dem zweiten Advent, dem Weihnachtsmarkt und nicht zuletzt dem verkaufsoffenen Sonntag sei Dank. Meine achtstündige Schicht auf der Arbeit heute hat das natürlich nur marginal verbessert, um es vorsichtig auszudrücken. Nach verrichtetem Tagwerk sitze ich nun in meinem geschätzten Schreibtischstuhl, habe ein kühles Freiberger Pils, einen doppelten Glengoyne und die obligatorische Sportzigarette vor mir und, wie so oft, wenn es ausnahmsweise mal ein langer Tag statt einer langen Nacht war, die nötige, gitarrendominierte, adäquat harte, ventilierende Musik dazu aus den Boxen – Stoner Rock.

OB DAS DIE SOGENANNTEN EXISTENZIALISTEN SIND, VOR DENEN PAPA MICH GEWARNT HAT? SO SCHLIMM SEHEN SIE EIGENTLICH GAR NICHT AUS.

Für den Soundtrack meines frühen Abends sorgen heute Buddha Sentenza aus dem schönen Heidelberg. Das Quintett, welches in dieser Form bereits seit sieben Jahren gemeinsam musiziert, veröffentlichte nach dem Demo „mode0909“ aus dem Jahr 2009 und „South Western Lower Valley Rock“ von 2013 in diesem Jahr ihr zweites reguläres Album, welches auf den Titel „Semaphora“ hört und in meinen Augen definitiv zu überzeugen weiß. Auf sechs Tracks, die sich in ihrer Länge jeweils zwischen etwa fünf und elf Minuten einpendeln, wird jedes atmosphärische Feld in auffallender instrumentaler Qualität beackert und der musikalischen Herkunft der Band Tribut gezollt. Ins Auge sticht besonders, dass es der fünfköpfigen Band vom Neckar über die gesamte Lauflänge von 47 Minuten gelingt, das Geschehen auch für anspruchsvollere Zuhörer durchgehend interessant zu halten. Kulminierende Riffs und nach vorne preschende Drums wechseln sich ab mit sphärischen Synths und melancholischen Adagios, die den geneigten Hörer kaum merklich, aber unwiderruflich in den Bann des Albums ziehen. Klar hörbare Einflüsse der 1970er – besonders schön auf meinem sofortige Reminiszenzen an Deep Purple hervorrufenden Favoriten „Laika“ zu hören – erscheinen, einmal durch den kreativen Apparat der Heidelberger gedreht und gepaart mit toll eingesetzten psychedelischen und Stoner-Elementen, im modernen Gewand und entpuppen sich als Schmankerl für jeden Freund instrumenteller Rockmusik. Drums, zwei Gitarren, Bass und Keyboard – was braucht man mehr?

Auch wenn ich nicht der Erste bin, wenn es darum geht, eigene Defizite einzugestehen – besser als der Promotext kann ich es zu diesem Zeitpunkt (es ist Sonntagabend, sorry) wirklich nicht in Worte fassen: Put your foot on the gas pedal, let go of the steering wheel, close your eyes and enjoy the ride!

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