Würzburg hängt an der Flasche: Philo Philta & Slize – Barkeeper (WIN)

von Kilian

Stefan Bausewein

„Einzige Mucke, wo man das, was man sagt, auch verkörpern muss“ – von Megaloh vor mittlerweile drei Jahren geäußert, aufgegriffen, hier und da als Cut verwendet und in den einschlägigen Szenemedien annähernd bis zur Redundanz wiederholt, steht dieses Statement exemplarisch für eine Grundproblematik des Hip Hop; so man diese denn dort erkennen und als eine solche ansehen möchte: Authentizität, respektive das Haben oder Nichthaben dieser illustren Eigenschaft, ist im Game des Genres der einen Liebe wohl stärker mit der qualitativen Bewertung der Musik, der Rezeption der agierenden Künstler als auch der Geschichte dieser musikalischen Spielart verknüpft, als das in beispielsweise Grindcore, EDM oder Pop der Fall ist. Selbstverständlich, das Problem ist kein neues, nicht umsonst gibt es für das Reale im Rap mehr Formulierungen als Dendemann Wie-Vergleiche hat. Die Diskussion um Kunstfigur und Person dahinter ist eine, die schon immer stundenlange intensive Diskussionen in verqualmten WG-Küchen auslösen konnte und es in Zukunft auch immer wieder tun wird. Beide Seiten haben ihre Argumente, doch das muss zur Lösung dieses gordischen Knotens ja nicht zwingend etwas beitragen. Es echt halten. Echte Geschichten erzählen. Echte Gedanken verarbeiten. Das ist es doch, worauf es ankommt, oder? (Spoiler: Ja, ist es.)

Kurzum, man sollte etwas von dem verstehen, wovon man da den lieben langen Part so redet. Es real keepen. Auch als Fan. Vier Elemente und so. Aber Vorsicht, nicht übertreiben: Der, leicht polemisiert ausgedrückt, Rucksack tragende, 808s hassende Typ mit dem unangebrachten dipsetesken Bandana um den Hals, der dir sogar Fatcaps anbietet, wenn du WD-40 kaufst, kann schnell anstrengend sein. Die Gratwanderung zwischen Open Mind, tatsächliche und vermeintlichem Fortschritt, Veränderung, Authentizität und Realkeepen wird nicht leichter und soll das auch gar nicht werden, daher ist es für jeden geneigten Sprechgesangsartisten oder Connaisseur wohl die weiseste Empfehlung, sich entspannt zurückzulehnen, einen doppelten Woodford Reserve einzugießen, vielleicht einen Eiswürfel oder einen Spritzer Wasser hinzuzugeben, (ganz nach Gusto) und dem vom ständigen, anstrengenden Grübeln schon ganz ausgetrockneten Gaumen etwas geschmackvolle Linderung verschaffen und es demnach wie die folgenden zwei Herrschaften zu halten – mit einem Drink in der Hand, einem Beat in den Boxen und einem Nicken im Kopf lächelnd über den Dingen zu stehen. Zwei, die in dieser Domäne ihre Hausaufgaben schon lange gemacht haben – die Rede ist immerhin von in der Summe 30 Jahren Rap – ziehen nun aus, Rapdeutschland reinen Wein und andere Köstlichkeiten einzuschenken, die sie in ihren Bars so zu bieten haben, flüssiger Flavour für die dürstenden deutschen Heads und jeden, der es werden will.

Aus der Hauptstadt der feinsten Weine Deutschlands wird die Flasche der Freshness soundgewaltig entkorkt und auch getrunken, was gepredigt wird. Slize und Philo Philta stellen sich mit „Barkeeper“ zum ersten Mal gemeinsam an die Theke und verteilen zehn lyrische Shots an jeden, der mithalten kann. Philo Philta kann mit Fug und Recht als Local Hero des Würzburger Raps bezeichnet werden. Seit mittlerweile 20 Jahren im Game, kein bisschen leise und neben Fränk Sidata Teil der legendären Sicksteez aus der Domstadt, Raps, Cuts und Beats, jeden verdammten Tag. Ein Virtuose an der MPC und ein reflektierter, tiefgründiger MC mit klarer Kante und schlichtweg jemand, den man definitiv in einem Atemzug mit Würzburg und Hip Hop nennen muss, wenn man sich nicht blamieren möchte.

Mit „nur“ der Hälfte an Jahren im Hip Hop kommt die zweite Hälfte der Barkeeper zum Dienst, um ordentlich einzuschenken und zu erfrischen. Slize, ebenfalls Würzburger und genauso mehr als good to know, macht seit 2006 Musik und überschreitet damit, so wie Philo, ebenfalls die durchschnittliche Halbwertszeit eines deutschen Rappers bierkästenweit. Das Schultern von Studium, Freunden, Familie, Musik und diesem thing called life, der Hustle, der Grind, nennt es, wie ihr wollte, sorgen auch hier stetig für Nachschub aus der inspiratorischen Flasche und es gilt: What you hear is what you get. Verse aus Kopf und Herz, oft genug aus dem Bauch, frei von der Leber weg, die wack Emcees schnell an die Nieren und Heads schnell ins Hirn gehen.

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Am vergangenen Samstag, 19. November, erschien ihr erstes gemeinsames Album „Barkeeper“ auf Vinyl und diese Veröffentlichung – für Slize übrigens die Premiere auf dem schwarzen Gold – wollte natürlich mit den beiden ordentlich begossen werden. Anlässlich dessen baten die Barkeeper in die MS Zufriedenheit, zweifellos mit den besten Club in Würzburg, zur Jam für Beats, Bars, Blunts und Beers. Das Album und andere gemeinsame Tracks wurden selbstverständlich zum Besten gegeben und ordentlich auf die sich bereits in der Post befindenden Vinyls eingestimmt. Kinder, es war himmlisch.

Doch was habe ich damit eigentlich zu tun? Auch ich persönlich war liebend gerne Teil der Party am Samstagabend. Denn besonders Philos Musik bringt mich, selbst gebürtiger Würzburger und etwa 25 bis 30 Kilometer entfernt aufgewachsen,  immer wieder zurück ins Jahr 2009, an einem bitterkalten Februarabend im altehrwürdigen B-Hof, im zarten Alter von 16 Jahren auf meiner ersten echten Jam. Auf dem Programm? Huss & Hodn. Der Support? Die Sicksteez. Mein gesamtes mitgebrachtes Geld musste natürlich für die Vinyl von „High and Tight“ – nach wie vor eines meiner absoluten Favorites – dran glauben, aber mehr als sieben Jahre später kann ich sagen, dass ich eine absolut sinnvolle Investition getätigt habe. Slize, respektive Daniel, ist nun seit mehreren Jahren Teil meines Freundeskreises in meiner unterfränkischen Heimat und wir sehen uns durch Zufälle und über Umwege sogar beinahe jedes Mal, wenn ich zuhause bin, weshalb ich mich umso mehr freuen konnte, mit ihm  den Release seiner ersten Scheibe schwarzen Goldes zu feiern. Ich freue mich ebenso auf das Album, wenn ich es mir auf Platte zu Gemüte führen darf, bin aber auf jeden Fall schon mehr als gespannt – Review folgt (vielleicht). Gute Freunde, dope Raps, dicke Tüten und meine Heimat? Sign me up!

TL;DR: „Barkeeper“ ist der Wunderbaum, den sich Cloudrapper in den SUV hängen, um auch ein bisschen Flavour zu atmen.

Coppt die Vinyl von „Barkeeper“ von Philo Philta und Slize bei Vinyl Digital!

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Doch auch für euch soll der Weg durch diese knapp 1000 Wörter nicht umsonst gewesen sein – es gibt für eine oder einen Glücklichen etwas zu gewinnen: Und zwar nichts weniger als 1x „Barkeeper“ von Philo Philta & Slize auf Vinyl, fresh outta Presswerk und for free bei euch im Briefkasten! But Kili, how do we do that? Janz einfach:

  1. Gebt Slize und Backinthedaze bei Facebook einen Daumen nach oben.
  2. Liked den korrespondierenden Gewinnspiel-Post bei Facebook, markiert einen Freund in den Kommentaren und teilt den Beitrag auf eurem Profil! (öffentlich, sonst haben wir keine Möglichkeit zur Nachprüfung.)
  3. ???
  4. Profit.

Das Gewinnspiel läuft bis kommenden Samstag, 26. November, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der oder die Gewinnerin wird von uns benachrichtigt.