Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: November, 2016

Violent Femmes – Good Feeling (1983)

by Kilian

Mein lieber Herr Geheimrat, ein vorzügliches Wochenende. Leicht gebeutelt vom ausgelebten Hedonismus der Samstagnacht und des Sonntages sitze ich nun an diesem kalten, doch wunderschön sonnigen Novembermontag in meinem Zimmer und fühle mich erstaunlich ausgeglichen und entspannt. Geschuldet dem Umstand, dass an den Wasserleitungen in unserem Haus bis in den Nachmittag irgendwelche Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden und geschuldet der Tatsache, dass ich das zwar seit vergangener Woche zur Kenntnis genommen, aber dann im Eifer des Wochenendes glorreich verdrängt und dementsprechend keinerlei Vorbereitungen getroffen hatte, sitze ich buchstäblich in meiner eigenen Wohnung auf dem Trockenen – Duschen und Kaffee sind dementsprechend passé und der Montag ganz nonchalant vollumfänglich zur Regeneration der körperlichen und mentalen Kräfte genutzt. Es geht mir gut, ich mein, es könnte weitaus schlimmer sein.

Veredelt wurden die vergangenen 48 Stunden auch noch durch mir sehr sehr lieben Besuch aus Berlin, welchen ich ohne Umschweife zu meinen absoluten Lieblingsmenschen zählen darf und viel zu lange nicht gesehen hatte, demnach stand die Visite ganz im Zeichen guter Vibes. Leider – screw you, university – waren diese guten Vibes nur von viel zu kurzer Dauer, zwar bis in den letzten Moment ausgekostet, doch flüchtig und, wie mensch dann schmerzhaft bewusst wird, viel zu selten. Dieses Gefühl, das einen in solchen Augenblicken, wie beim Abschied, beschleicht, wird wohl durch keinen Song besser in Musik ausgedrückt als in diesem: „Good Feeling“ aus dem Jahr 1983. Geschrieben und aufgenommen von der Band Violent Femmes aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin stammt es von deren mittlerweile ikonischem, autonymen Debütalbum auf Slash Records, welches es beispielsweise in der bescheidenen Meinung des Rolling Stone auf Platz 22 der einhundert besten Debütalben aller Zeiten geschafft hat. In wechselnder Besetzung und mit Pausen besteht die Band heute noch und wieder aus den beiden Gründungsmitgliedern Gordon Gano und Brian Ritchie an Gitarre respektive Bass sowie John Sparrow am Schlagzeug und stilistisch ist die Musik der Violent Femmes mit den Tags Post-Punk oder Folk Punk nach wie vor leidlich gut umrissen, wenn auch bei weitem nicht gut einsortiert.

VAGUE SKETCH OF A FANTASY LAUGHING AT THE SUNLIGHT (LIKE HE’S BEEN UP ALL NIGHT)

Die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit der guten Gefühle sind wohl zwei ihrer Eigenschaften, die diese Momente so selten und dabei so wertvoll machen. Gordon Ganos sehnsüchtiges Klagen, dass seine kleine Lady doch nur ein klein wenig länger verweilen möge, nur für ein paar weitere Tropfen von Fortunas süßem Nektar, hat auch nach 33 Jahren nichts von seiner punktgenauen, emotionalen Wirkung verloren. Prädikat: Absolut wertvoll.

(Direktlink)

 

0733 – Alternative Roots (1992)

by Kilian

Montagabend, halb neun. Ich sitze im ICE von Fulda nach Leipzig und blicke auf ein extrem angenehmes, phasenweise durchaus vernebeltes aber von vorne bis hinten mit Liebe gefülltes Wochenende zurück, dass mich sogar beinahe mit einem Grinsen die 18 Minuten Verspätung vergessen lässt, die mir dieser Abend bisher eingebracht hat. Mit großer Freude durfte ich feststellen, dass der neue ICE 4 sogar für den Pöbel aus der zweiten Klasse mittlerweile WLAN anbietet – ich bin ehrlich überrascht. Also nutzen wir doch die Komfortvorzüge, die uns die Deutsche Bahn offeriert und nutzen die Zeit für etwas Blogshit. Da das vergangene Wochenende eindeutig im Zeichen des Hip Hop stand und die Tanzbeine nicht den gewohnten Auslauf bekommen haben wird es elektronisch, here we go!

Dass 1992 ein guter Jahrgang war, sehe ich jeden Morgen im Spiegel, bitte danke, doch auch musikalisch ging so einiges. Die vorliegende Nummer aus diesem schönen Jahr stammt aus der Feder von 0733, einem verhältnismäßig kurzlebigen Duo, bestehend aus Casey Tucker und einem gewissen Richie Hawtin, zu diesem Zeitpunkt zarte 22 Jahre alt. Nicht schlecht in einer Zeit ante Internet. Veröffentlicht wurde der Track „Alternative Roots“ auf der drei Tracks starken EP „Record Bass Story“ über das kanadische Label Probe Records, eine experimentellere, meist härtere Instanz und Sublabel von Hawtins ikonischer Plattenfirma Plus 8. Doch auch Mr. Tucker ist nach wie vor – oder wieder – musikalisch aktiv und veröffentlichte in den vergangenen Jahren unter anderem über Love Notes und Certain Music.

Ein Kommentator unter dem Video zu „Alternative Roots“ spricht von twisted crunchyness und wieder einmal trifft es die Schwarmintelligenz (oder das, was man dafür halten möchte) auf den Kopf: Verspult, verzerrt, funky, mit erratischen, acidesken Synth-Anleihen, drückendem Bass und antreibenden Hi-Hats, perfekt für einen heißen Floor irgendwann zwischen fünf Uhr früh und der Unendlichkeit des in weiter Ferne grauenden Montages.

via Dr. Rubinstein

Würzburg hängt an der Flasche: Philo Philta & Slize – Barkeeper (WIN)

by Kilian

Stefan Bausewein

„Einzige Mucke, wo man das, was man sagt, auch verkörpern muss“ – von Megaloh vor mittlerweile drei Jahren geäußert, aufgegriffen, hier und da als Cut verwendet und in den einschlägigen Szenemedien annähernd bis zur Redundanz wiederholt, steht dieses Statement exemplarisch für eine Grundproblematik des Hip Hop; so man diese denn dort erkennen und als eine solche ansehen möchte: Authentizität, respektive das Haben oder Nichthaben dieser illustren Eigenschaft, ist im Game des Genres der einen Liebe wohl stärker mit der qualitativen Bewertung der Musik, der Rezeption der agierenden Künstler als auch der Geschichte dieser musikalischen Spielart verknüpft, als das in beispielsweise Grindcore, EDM oder Pop der Fall ist. Selbstverständlich, das Problem ist kein neues, nicht umsonst gibt es für das Reale im Rap mehr Formulierungen als Dendemann Wie-Vergleiche hat. Die Diskussion um Kunstfigur und Person dahinter ist eine, die schon immer stundenlange intensive Diskussionen in verqualmten WG-Küchen auslösen konnte und es in Zukunft auch immer wieder tun wird. Beide Seiten haben ihre Argumente, doch das muss zur Lösung dieses gordischen Knotens ja nicht zwingend etwas beitragen. Es echt halten. Echte Geschichten erzählen. Echte Gedanken verarbeiten. Das ist es doch, worauf es ankommt, oder? (Spoiler: Ja, ist es.)

Kurzum, man sollte etwas von dem verstehen, wovon man da den lieben langen Part so redet. Es real keepen. Auch als Fan. Vier Elemente und so. Aber Vorsicht, nicht übertreiben: Der, leicht polemisiert ausgedrückt, Rucksack tragende, 808s hassende Typ mit dem unangebrachten dipsetesken Bandana um den Hals, der dir sogar Fatcaps anbietet, wenn du WD-40 kaufst, kann schnell anstrengend sein. Die Gratwanderung zwischen Open Mind, tatsächliche und vermeintlichem Fortschritt, Veränderung, Authentizität und Realkeepen wird nicht leichter und soll das auch gar nicht werden, daher ist es für jeden geneigten Sprechgesangsartisten oder Connaisseur wohl die weiseste Empfehlung, sich entspannt zurückzulehnen, einen doppelten Woodford Reserve einzugießen, vielleicht einen Eiswürfel oder einen Spritzer Wasser hinzuzugeben, (ganz nach Gusto) und dem vom ständigen, anstrengenden Grübeln schon ganz ausgetrockneten Gaumen etwas geschmackvolle Linderung verschaffen und es demnach wie die folgenden zwei Herrschaften zu halten – mit einem Drink in der Hand, einem Beat in den Boxen und einem Nicken im Kopf lächelnd über den Dingen zu stehen. Zwei, die in dieser Domäne ihre Hausaufgaben schon lange gemacht haben – die Rede ist immerhin von in der Summe 30 Jahren Rap – ziehen nun aus, Rapdeutschland reinen Wein und andere Köstlichkeiten einzuschenken, die sie in ihren Bars so zu bieten haben, flüssiger Flavour für die dürstenden deutschen Heads und jeden, der es werden will.

Aus der Hauptstadt der feinsten Weine Deutschlands wird die Flasche der Freshness soundgewaltig entkorkt und auch getrunken, was gepredigt wird. Slize und Philo Philta stellen sich mit „Barkeeper“ zum ersten Mal gemeinsam an die Theke und verteilen zehn lyrische Shots an jeden, der mithalten kann. Philo Philta kann mit Fug und Recht als Local Hero des Würzburger Raps bezeichnet werden. Seit mittlerweile 20 Jahren im Game, kein bisschen leise und neben Fränk Sidata Teil der legendären Sicksteez aus der Domstadt, Raps, Cuts und Beats, jeden verdammten Tag. Ein Virtuose an der MPC und ein reflektierter, tiefgründiger MC mit klarer Kante und schlichtweg jemand, den man definitiv in einem Atemzug mit Würzburg und Hip Hop nennen muss, wenn man sich nicht blamieren möchte.

Mit „nur“ der Hälfte an Jahren im Hip Hop kommt die zweite Hälfte der Barkeeper zum Dienst, um ordentlich einzuschenken und zu erfrischen. Slize, ebenfalls Würzburger und genauso mehr als good to know, macht seit 2006 Musik und überschreitet damit, so wie Philo, ebenfalls die durchschnittliche Halbwertszeit eines deutschen Rappers bierkästenweit. Das Schultern von Studium, Freunden, Familie, Musik und diesem thing called life, der Hustle, der Grind, nennt es, wie ihr wollte, sorgen auch hier stetig für Nachschub aus der inspiratorischen Flasche und es gilt: What you hear is what you get. Verse aus Kopf und Herz, oft genug aus dem Bauch, frei von der Leber weg, die wack Emcees schnell an die Nieren und Heads schnell ins Hirn gehen.

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Am vergangenen Samstag, 19. November, erschien ihr erstes gemeinsames Album „Barkeeper“ auf Vinyl und diese Veröffentlichung – für Slize übrigens die Premiere auf dem schwarzen Gold – wollte natürlich mit den beiden ordentlich begossen werden. Anlässlich dessen baten die Barkeeper in die MS Zufriedenheit, zweifellos mit den besten Club in Würzburg, zur Jam für Beats, Bars, Blunts und Beers. Das Album und andere gemeinsame Tracks wurden selbstverständlich zum Besten gegeben und ordentlich auf die sich bereits in der Post befindenden Vinyls eingestimmt. Kinder, es war himmlisch.

Doch was habe ich damit eigentlich zu tun? Auch ich persönlich war liebend gerne Teil der Party am Samstagabend. Denn besonders Philos Musik bringt mich, selbst gebürtiger Würzburger und etwa 25 bis 30 Kilometer entfernt aufgewachsen,  immer wieder zurück ins Jahr 2009, an einem bitterkalten Februarabend im altehrwürdigen B-Hof, im zarten Alter von 16 Jahren auf meiner ersten echten Jam. Auf dem Programm? Huss & Hodn. Der Support? Die Sicksteez. Mein gesamtes mitgebrachtes Geld musste natürlich für die Vinyl von „High and Tight“ – nach wie vor eines meiner absoluten Favorites – dran glauben, aber mehr als sieben Jahre später kann ich sagen, dass ich eine absolut sinnvolle Investition getätigt habe. Slize, respektive Daniel, ist nun seit mehreren Jahren Teil meines Freundeskreises in meiner unterfränkischen Heimat und wir sehen uns durch Zufälle und über Umwege sogar beinahe jedes Mal, wenn ich zuhause bin, weshalb ich mich umso mehr freuen konnte, mit ihm  den Release seiner ersten Scheibe schwarzen Goldes zu feiern. Ich freue mich ebenso auf das Album, wenn ich es mir auf Platte zu Gemüte führen darf, bin aber auf jeden Fall schon mehr als gespannt – Review folgt (vielleicht). Gute Freunde, dope Raps, dicke Tüten und meine Heimat? Sign me up!

TL;DR: „Barkeeper“ ist der Wunderbaum, den sich Cloudrapper in den SUV hängen, um auch ein bisschen Flavour zu atmen.

Coppt die Vinyl von „Barkeeper“ von Philo Philta und Slize bei Vinyl Digital!

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Doch auch für euch soll der Weg durch diese knapp 1000 Wörter nicht umsonst gewesen sein – es gibt für eine oder einen Glücklichen etwas zu gewinnen: Und zwar nichts weniger als 1x „Barkeeper“ von Philo Philta & Slize auf Vinyl, fresh outta Presswerk und for free bei euch im Briefkasten! But Kili, how do we do that? Janz einfach:

  1. Gebt Slize und Backinthedaze bei Facebook einen Daumen nach oben.
  2. Liked den korrespondierenden Gewinnspiel-Post bei Facebook, markiert einen Freund in den Kommentaren und teilt den Beitrag auf eurem Profil! (öffentlich, sonst haben wir keine Möglichkeit zur Nachprüfung.)
  3. ???
  4. Profit.

Das Gewinnspiel läuft bis kommenden Samstag, 26. November, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der oder die Gewinnerin wird von uns benachrichtigt.

Secret Splendour: Tommy Four Seven – Reclaim Your City 200

by Kilian

Für diesen etwa zwei Wochen alten Beitrag zur großartigen Podcastreihe von Reclaim Your City, ganz zufällig auch die 200. Ausgabe, zeichnet – für so ein Jubiläum will der Künstler natürlich mit stilvollem Fingerspitzengefühl gewählt sein – der in Großbritannien geborene und in Berlin lebende und wirkende DJ und Produzent Tommy Four Seven verantwortlich. In der Szene einen Namen machen konnte der Brite bereits ab Mitte der Naughties, wobei sein musikalischer Pfad, der von Releases über beispielweise Electric Deluxe oder Wolfskuil Records 2011 zum Release seines ersten Solo-Longplayers über Chris Liebings Label CLR führte. Und auf seinem Debütalbum direkt einmal Regis, Robert Hood und Perc als Remixer anführen zu können, ist ein Prädikat, mit dem sich wohl so einige gerne schmücken würden können. Nach weiteren Beiträgen auf unter anderem Lucys Label Stroboscopic Artifacts und Remixes für eine Vielzahl großer Namen haben sich, neben dem Auflegen und Produzieren, seine im Arena Club in Berlin beheimatete Eventreihe 47 und ein gleichnamiges Label, auf dessen Samplern bisher beispielsweise Kwartz oder AnD zu hören waren, als Stützen des kreativen Outputs von Tommy Four Seven herauskristallisiert.

In den zwei Stunden, die der Wahlberliner für Reclaim Your City kompiliert hat, findet sich die signifikanten Mischung des Künstlers, fließend und ohne merkbare Transition zwischen geradlinigem Techno und breaklastigem Sound für anspruchsvollere Gemüter zu wechseln, ohne dabei auch nur einmal den Dancefloor aus dem Auge zu lassen. So formen unter Anderem Tracks von Umwelt, Radial, Stephanie Sykes und vielen weiteren gestandenen Namen der internationalen Technoszene 120 Minuten exzellent gemischter, harter elektronischer Musik, die jedem, der mit dem Namen Tommy Four Seven ohnehin schon etwas anfangen konnte, als auch jedem anderen, wärmstens zu empfehlen ist.

via Umwelt

Hello, Mark: Der erste Trailer zu „T2: Trainspotting“

by Kilian

„Hello, Mark… so what have you been up to… for twenty years?“ Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, den ich mir, inspiriert von Postern und Shirts bei irgendwelchen alternativen Mailordern, im zarten Alter von 14 (más o menos) auf einem Flohmarkt auf DVD zugelegt habe und nach wie vor jedes Mal aufs Neue genieße, ist „Trainspotting“ aus dem Jahr 1996. Die Geschichte von Renton, Sick Boy, Spud und Begbie und ihrem Trip durch Heroin, Jobs, Parties, Familie und das deprimierende Schottland des Thatcherism hat sich seit ihrer Veröffentlichung für Millionen Filmfreunde zum absoluten Kult entwickelt. Regisseur und Oscar-Preisträger Danny Boyle, den Meisten lediglich für so leidlich bekannte Filme wie „Slumdog Millionaire“ oder „127 Hours“ ein Begriff, schuf mit „Trainspotting“ einen der erfolgreichsten britischen Filme der 1990er.

Nach der Ankündigung der Produktion eines zweiten Teils im vergangenen Jahr wurde nun der allererste Trailer zur Fortsetzung „T2 Trainspotting“ veröffentlicht und die mittlerweile zweifellos gestandenen Männer vom Fach, Ewan McGregor, Robert Carlyle, Johnny Lee Miller und Ewen Bremner in ihren alten Rollen zu sehen, dürfte heute bei vielen den Novembermorgen versüßt haben. Der Trailer bringt mit seinem Soundtrack, seiner Struktur und seiner Atmosphäre sofort die Erinnerungen an den ersten Teil in den Kopf und macht darüber hinaus glücklicherweise nicht den Anschein, den Fehler aktueller Blockbusterproduktionen zu begehen, die besten Szenen des Films im Trailer vorwegzunehmen. Bis der Film am 27. Januar kommenden Jahres auf der großen Leinwand erscheint, stimmen diese Bilder und all jene, die hoffentlich noch folgen werden, schon einmal euphorisierend auf den Release ein.

via THUMP

In the drone: Lewis Fautzi – Mirror

by Kilian

Es zeugt von weitaus mehr Lebensqualität, Sicherheit und Hedonismus, sich in der beneidenswerten Situation zu befinden, mit dem Wort drone auf Anhieb ein Werkzeug der meist elektronischen respektive technoiden Musikerzeugung statt ein Werkzeug der unbemannten, hochtechnisierten, moralisch und juristisch höchst fragwürdigen, ferngesteuerten, luftgestützen Tötung von Menschen, Landsleuten und Familienmitgliedern (mit der Präzision eines Maurers gegen 15.30 Uhr) zu verbinden. Beispielsweise der Jemen, der Iran und Libyen lassen grüßen.

Doch antiamerikanischen Unkenrufen zum Trotz befinden wir uns im Land der Almans – das in der traurigeren Bedeutung des Wortes drone auch nicht durch Irrelevanz glänzt – in dieser beneidenswerten Situation und das World Wide Web spült uns in Echtzeit und in teilweise beinahe erschlagender Frequenz hochwertige Tracks und Sets in den Newsfeed. Als verhältnismäßig junges Phänomen taucht im Meer des Content des Öfteren eine Welle hochqualitativer Drone Techno verschiedenster Couleur auf, welcher mit folgender Definition von Dubmonitor nicht vollumfänglich, dennoch treffend beschrieben ist:

Drone Techno: a style of techno that utilizes sustained sounds played over a 4/4 techno beat, often to achieve paradoxical effects in the listener’s perception of the passing of time. (dubmonitor.com)

Meister dieses Fachs, welche sich bisher herauskristallisieren, sind unter Anderem Abdullah Rashim, Polar Inertia, Svreca, Varg, Oscar Mulero oder Giorgio Gigli. Doch ein gewisser Lewis Fautzi weiß sich ebenfalls glänzend auf diesem Parkett zu bewegen. Der als Lewis Gonçalves 1991 in Portugal geborene DJ und Produzent macht sich seit seinem ersten Release auf Soniculture im Jahr 2013 einen Namen in der globalen Technoszene und erhielt, obschon seines jungen Alters, den Ritterschlag, mittlerweile mit gleich mehreren seiner Produktionen in einem Set von Großmeister Jeff Mills aufzutauchen. Kein schlechter Start für einen Musiker Mitte zwanzig.

Auf Len Fakis Label Figure erschien am gestrigen Montag seine neue, vier Tracks starke EP „Elocution.“ Darauf findet sich die von den durchgängigen, faszinierenden synthetischen Sounds getragene Produktion „Mirror,“ die sich als Drone Techno allererster Güte erweist. Fünfeinhalb Minuten hervorragender Musik, die mit so wenig so viel macht. Unaufgeregter und unentwegter, fast unterschwelliger Auf- und Abbau von Spannung, eine für den Portugiesen keineswegs ungewöhnliche, hohe Qualität und eine absolute Tauglichkeit für den Club arrondieren das Bild dieses neuen Releases.

via Techno Scene