Sommerloch B2B Dorfblues: Eine Vier-Wochen-Exkursion in die Heimat oder There and back again

by Kilian

Was war das für 1 Sommerloch? Die Frage des blassen, dünnen Jungens von vergangener Woche hat auch für meine bescheidene Existenz absolute Berechtigung. Ja, was war das für 1 Sommerloch? Die vergangenen Wochen waren in meinem Fall, wie eigentlich jedes Jahr seit meinem Abitur, mit dem Arbeiten für einen prinzipiell harmlosen Betrieb gefüllt, was sich, Kapitalismus sei Dank, in the grand scheme of things als Ferienjob für einen Großkonzern der übelsten Sorte manifestiert (Palmöl, Umweltverschmutzung, you know the deal). Ihr wisst schon, keiner von den ansonsten engelsgleichen Großkonzernen. Auch wenn ich persönlich nicht unbedingt davon überzeugt bin, dass ich mit der Teilhabe an der Herstellung von Zahnpflegeprodukten zwingend direkten Schaden an einer anderen Stelle des komplexen Systems, welches sich globalisierte Weltwirtschaft nennt, anrichte, so bereitete und bereitet mir der Gedanke, für solche Menschen Profit zu erwirtschaften, ein flaues Gefühl im Magen. Ein Gefühl, auf das ich bisher nicht eingegangen bin, welches allerdings wie dieser eine Penner im Kino, der meint, zu jedwedem Leinwandgeschehen, welches sein – oder ihr, wir sind ja emanzipiert – in der Regel etwas über Bonobo-Niveau entwickeltes Primatenhirn mit etwa 1,8 Sekunden Lag zu verarbeiten im Stande ist, in Presslufthammerlautstärke und quer durch den Saal einen farbigen Kommentar abgeben zu müssen, an mir nagt. Come on, irgendeiner muss was zu dem Typen sagen.

Was war das für 1 Sommerloch? Mein alljährlicher Sommertrip in die unterfränkische Provinz, die meine Familie, Freunde und meinen Heimatort beinhaltet, bot und bietet, je nach Jahr, einen mehr oder minder willkommenen Kontrast zu Regensburg respektive Leipzig. Von der Großstadt zurück ins 1700-Seelen-Nest – welches ich liebe, versteht mich nicht falsch – ist eine Transition, die immer wieder für kleine Denk-, Schock- und Schmunzelmomente sorgt. In einer Gegend, in der sich die abendlichen Möglichkeiten für jeden, der sich in dieser Hinsicht noch nicht resignierend in die vorherrschenden Läden hat drängen lassen (und für jeden anderen auch), auf eine Bauerndisko par excellence, die örtliche Spielothek (Singular) und den Burger King an der Autobahn (adäquaterweise mit drei Automaten ausgerüstet) beschränken, keine Zug- und nur miserable, überteuerte Busverbindungen zur Verfügung stehen und die Böhsen Onkelz und der mallorquinische Bierkönig nicht nur als akzeptable Musik- sondern auch Fashion Choices durchgehen, kommt auch bei mir, bei aller Liebe, je näher das Ende der Zeit hier rückt, die Freude auf die Stadt mit enormer Wucht zurück. Ich hatte einen wirklich guten Sommer hier und habe enorm viel Zeit (und gleichzeitig enorm zu wenig) mit wirklich guten Freunden verbringen können, war eine Menge draußen in der Natur und habe natürlich auch die Zeit mit meiner Familie und meinem frisch pensionierten Vater genossen, aber mein soziales Umfeld, meine Wohnung und meine Hood in Leipzig (und nicht zuletzt das Institut für Zukunft) fehlen mir doch auch schon nach so kurzer Zeit – zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust!

Was war das für 1 Sommerloch? Ich muss mich natürlich auch ein bisschen selbst rügen. Dafür, dass ich eigentlich so gern schreibe und mit dem Betreiben dieser kleinen Publikation hier auch mein missionarischer Eifer im Verbreiten von guter Musik und Wissen verschiedenster Grade der Nützlichkeit nicht ein Iota abgenommen hat, habe ich mir persönlich viel zu wenig Raum für schreiberischen Output eingeräumt. Alles andere war bei Schichtarbeit und Kaiserwetter natürlich wichtiger und die abzuarbeitende Liste an Material wächst beständig Richtung outta space, aber da muss ich mir an die eigene Nase fassen. Morgen abend geht es für mich wieder nach Klein-Paris und zwei Hausarbeiten (bummer!), irgendwann demnächst auch mal wieder in meine geliebte Bundeshauptstadt, um nach dem Rechten und unglaublich vermissten Freunden zu sehen, vielleicht nochmal ins Ausland und erst Mitte Oktober wieder an die Alma Mater – Zeit sollte also genug da sein! Darüber hinaus hatte ich dank zwei Wochen Nachtschicht eine Menge Zeit zum Lesen dreier sehr guter Bücher, also dürfte auch da in nächster Zeit etwas zu erwarten sein. In diesem Sinne beende ich den letzten Abend meines alljährlichen Sommercamps in der Manier vieler Abende dieses Sommers – The Joe Rogan Experience, eine Sportzigarette, ein Ayran, mein geliebter Balkon und eine milde, sternenklare Sommernacht in der unterfränkischen Provinz. Wouldn’t trade it for anything right now.

Music via Dario Zenker