Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: Juli, 2016

Baby, ich hab Pillen und so: Die Backinthedaze.-Empfehlungen fürs MELT! 2016

by Kilian

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Ich habe am kommenden Wochenende, welches am heutigen Nachmittag für mich mit einer Fahrt vom Hotel in Dessau zur Stadt aus Eisen beginnt, wieder einmal das große Vergnügen, eines meiner Juliwochenenden auf dem großartigen MELT! Festival zu verbringen. Besagtes vergnügen hatte ich schon im vergangenen Jahr, meine gesammelten, zugegeben über große Teile der Nacht- und Morgenstunden des Festivalwochenendes ziemlich nebligen Erinnerungen der letztjährigen Ausgabe könnt ihr hier nachlesen.

Wie das von mir ebenfalls schon oftmals besuchte splash! ist auch das MELT! in der altehrwürdigen Szenerie von Ferropolis beheimatet, eingebettet in ein Tal postindustrieller Ödnis und vergangenen Glanzes, bewacht von den fünf stählernen Kolossen Gemini, Medusa, Big Wheel, Mad Max und Mosquito. Was die Location angeht, macht den beiden darüber hinaus stets extrem stilsicher gebookten  Festivals so schnell keiner etwas vor, was meine eigene Erfahrung des letzten Jahres nur bestätigt.

Aber nach dem Festival ist ja bekanntlich vor dem Festival und es ist eigentlich nie der falsche Zeitpunkt, zu den verschiedenen opulent-dekadent-hedonistischen Wochenenden der Sommermonate seinen Senf abzugeben, daher folgen hier nun für euch (und zu einem nicht unwesentlichen, einen ersten intensiveren Überblick verschaffenden Teil für mich) meine Line-Up-Empfehlungen für das MELT! 2016. In der Kriegsführung heißt es in der Regel, dass kein Schlachtplan den ersten Feindkontakt überlebt und in meiner Erfahrung ist das beim Raven nicht anders – ob ich nun also tatsächlich bei diesen Events anzutreffen bin und nicht etwa in sphärischer Meditation auf der Forest-Stage oder mit eklatanten Zweifel über mein Urteilsvermögen über der Toilette meines Hotelzimmers, kann nur das Wochenende zeigen und dass sich ausgerechnet immer die Lieblingsacts in ihrer Stagetime überschneiden, ist ohnehin Naturgesetz. Da die Nächte ja nun für jeden Feiernden unterschiedlich lang sind und sich vor allem auf einem Festival, bei dem mindestens eine Stage das ganze Wochenende lang bespielt ist, terminiere ich der Einfachheit halber jeden Tag einfach bis 12 Uhr des nächsten Tages – aber nun genug der einleitenden Worte, let’s get to business.


FREITAG

16 – 19 Uhr  |  Leon Vynehall  |  Sleepless Floor
17 – 18 Uhr  |  Bluestaeb  | Medusa
19 – 22 Uhr  |  George FitzGerald  |  Sleepless Floor
19.25 – 21 Uhr  |  Pev & Kowton  |  Melt! Selektor Stage
21 – 0 Uhr  |  Helena Hauff | Big Wheel Stage
22 – 1 Uhr   |  Shifted  |  Sleepless Floor
22.45 – 23.45 Uhr |  Gold Panda  |  Melt! Selektor Stage
23.30 – 0.45 Uhr  |  Tame Impala  |  Melt! Stage
0.45 – 1. 45 Uhr  |  Skepta  |  Medusa
1 – 2 Uhr  |  Vril (live)  |  Big Wheel Stage
2 – 5 Uhr  |  Ben Klock  |  Big Wheel Stage
3 – 5 Uhr  |  Cosmin TRG  |  Melt! Selektor Stage
3 – 6 Uhr  |  DJ Koze  |  Gremmin Beach
4 – 7 Uhr  |  Damian Lazarus  |  Sleepless Floor
5 – 7 Uhr  |  Mano Le Tough  |  Big Wheel Stage


SAMSTAG

16 – 17 Uhr  |  Falk Schacht  |  Block Party
17 – 20 Uhr  |  Shed  |  Melt! Selektor Stage
18.30 – 19.45 Uhr  |  Virginia (live) feat. Steffi & Dexter  |  Medusa
18.30 – 20.30 Uhr  | HADE & DWFL  |  Block Party
19 – 21 Uhr  |  Ed Davenport  |  Sleepless Floor
19.30 – 20 Uhr  |  Oddisee & Good Company  |  Melt! Stage
21 – 0 Uhr  |  Kobosil  |  Sleepless Floor
23 – 0.30 Uhr  |  Melt! on screen: Dunkeldeutschlands Gift  |  Forest
0 – 3 Uhr  |  Blind Observatory  |  Sleepless Floor
2.30 – 4 Uhr  |  Jamie xx  |  Melt! Stage
2.30 – 5 Uhr  |  Benjamin Damage  |  Melt! Selektor
3 – 5 Uhr  |  Freddy K  |  Sleepless Floor
3.45 – 6 Uhr  |  Boris  | Orangerie
5 – 7 Uhr  |  Dr. Rubinstein  |  Sleepless Floor
7 – 10  |  Ø [Phase]  |  Sleepless Floor


SONNTAG

14 – 16 Uhr  |  Boris  |  Sleepless Floor
16.30 – 17.30 Uhr  |  Nugat  |  Block Party
19 – 20 Uhr  |  DJ Heroin  |  Forest
20 – 22 Uhr  |  The Black Madonna  |  Big Wheel
22 – 0 Uhr  |  Motor City Drum Ensemble  |  Big Wheel

Zum Abschluss sei euch noch die in meinen Augen mit Abstand beste Performance des letztjährigen MELT! ans Herz gelegt – vom Großmeister, vom Maestro höchstpersönlich, von dem Mann, für dessen Autogramm sich auch der gute Ludwig von anstellen würde: Nils Frahm:

Beitragsbild via Dressed Like Machines | Foto vom Autor

Same same but so different: PreciousPandaExperience – Disintegration Spank

by Kilian

„Leftfield“ – ein Begriff, der dem geneigten Rechercheur qualitativer Musik bisweilen des Öfteren unterkommt. Viele (besonders selbsternannte Musikexperten) benutzen es, noch mehr benutzen es falsch und wieder mehr wissen so gar nicht, was damit gemeint sein soll. Das Collins Dictionary beschreibt es beispielsweise in der Verwendung als Adjektiv als „Left-field means slightly odd or unusual“, in der Verwendung als Nomen analog dazu „If you say that someone or something has come out of left field or is out in left field, you mean that they are untypical, unusual, or strange in some way.“ Besonders im Blick auf Musik sei hierbei allerdings zu betonen, dass Leftfield beileibe kein eigenes Genre darstellt, sondern eben eher unkonventionelle, abseits des Mainstream laufende, unübliche oder irgendwie andere Musik bezeichnet, wobei dem allgemeinen Genrebegriff in der Regel das „Leftfield“ vorangestellt wird.

Wie man auf so etwas kommt? Nunja, wie so oft eigentlich durch die Suche nach musikalischen Leckerbissen für die lechzende Leserschaft. Da – man möchte es wirklich kaum glauben – in der Wohnung des Autors dank der unendlichen Servicequalität von 1&1 erneut WLAN-Wüste herrscht, parallel dazu noch eine Hausarbeit bzw. derer drei geschrieben werden wollen und im Allgemeinen momentan relativ wenig voran geht, muss man Funde also feiern, wie sie fallen. Gesagt, getan und heute führt die musikalische Reise in die Freie Hansestadt Bremen.

Denn aus eben dieser Hansestadt stammt das Label Drowned Records, auf welchem die vorliegende Nummer im Juni diesen Jahres veröffentlicht wurde. Sie erschien im Rahmen der EP „Echt Walle Traxx“, welche sechs Tracks stark ist und von deren Labelartists Qnete, TV Tower GET_TO Crew, Alias & Alias und dem Künstler hinter diesem Stück getragen wird: PreciousPandaExperience. Wunderschön verquerer Name, beinahe keine Informationen online, aber musikalisch wirklich ganz was Feines – klingt genau nach etwas für Backinthedaze. „Disintegration Spank“ ist erfrischend anders, erfrischend abseits der Norm und doch in seiner technoiden Housigkeit – nicht zu verwechseln mit Tech House, aber den geneigten regelmäßigen Lesern muss man dies ohnehin nicht erläutern – so heimelig, dass es sich auf jedem Dancefloor und jeder Afterhour ganz formidabel schlagen wird. Die an eine Vielzahl von Technotracks erinnernde, rumpelnde Bassline, die großartig instrumentierten und eingesetzten Hi-Hats, diverse Acid-Anleihen, der Verzicht auf Vocals und dazu noch das sich perfekt einfügende Sample der Kirche von Bremen-Wallen finden zu einem wohltuend unkonventionellen Klangbild zusammen, das man auf dem Schirm haben sollte.

via Techno Scene

 

The Good Life: So war das HER DAMIT 2016

by Kilian

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/// via Instagram @wiesel_on_tour

„Her mit dem schönen Leben!“ – so steht es da. Mit Acryllack auf Stein verewigt, die Strandspaziergänger an der Ostküste Rügens begrüßend, in Kombination mit Sonnenschein, dem rhythmisch-beruhigenden Rauschen der Ostsee, der leichten Meeresbrise, allgemeinem, beeindruckendem maritimem Panorama, einer Menge Gleichgesinnter und den ersten wummernden Bässen im Hintergrund ein ganz distinktes Bild zeichnend, welches den geneigten Beobachter durchaus auf die Idee kommen lassen könnte, dass es da war: Das schöne Leben.

Spulen wir ein wenig zurück: Ende Mai 2016 machte sich eine exzeptionell schlecht vorbereitete Reisegruppe mit knapp drei Stunden Verspätung in einem beinahe an seine vorgegebenen Grenzen stoßenden VW Polo älterer Bauart auf den Weg auf Deutschlands größte Insel. Der Löwenanteil unserer Reisegruppe aus Leipzig hatte sich dazu entschieden, die Odyssee mit der Deutschen Bahn in Angriff zu nehmen – uns drei Autofahrern blieb selbstverständlich jedes einzelne Mal nur ein süffisantes Lächeln beim Gedanken an unsere sich mit ordinärem öffentlichem Personennahverkehr herumschlagen dürfenden Kumpane, als wir uns eine Zigarette nach der anderen an-, das nächste Feldschlösschen Pilsener auf- und unsere Pläne für den Inselurlaub in annähernd stressfreier Atmosphäre langsam festmachten. Drei sonnenbebrillte Tunichtgute irgendwo in der brandenburgischen Pampa bei Beelitz – der Stoff, aus dem Legenden sind. Oder so ähnlich.

Nach einer Anreise ohne besondere Vorkommnisse, bei der die Musik und gute Gespräche nur von gelegentlichen Einwänden des Fahrers, wie unfair es doch sei, dass wir beide schon so eine gute Zeit hätten und er ja fahren müsse, unterbrochen wurden, kamen wir um 23 Uhr auf Rügen an und begaben uns voller Vorfreude auf die letzten Meter in Richtung Prora. Schlussendlich auf dem Parkplatz stehend, Teile unserer Festivalgesellschaft zum Schleppen einspannend, die Zelte, je nach Skill, Zeltbauweise und Hilfsbereitschaft der durchaus schon ein paar Stunden Feiernden mehr oder minder schnell aufgebaut habend, widmete sich unsere kleine Gemeinschaft nach einer kurzen Erkundungstour des Geländes dem gemütlichen Teil des ersten Abends bei Techno, Lagerfeuer und tschechischem Bier aus Anderthalbliter-Plastikflaschen, was in der ersten berauschenden Nacht in Prora kulminierte. Die Unvernunft siegte auch bei uns und wir konnten es uns selbstverständlich nicht nehmen lassen, dem Sonnenaufgang am Strand kurz vor fünf Uhr in der Früh beizuwohnen – ein Ereignis von solch unmittelbarer, reiner und geerdeter Eleganz und Schönheit, dass ihr Glück habt, dass ich ein Foto machen konnte, auch wenn dieses der Realität so nahe kommt wie Sigmar Gabriel Hosengröße 32.

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Scheißschön. /// Bild vom Autor

Von hier an nahm das Festivalwochenende seinen natürlichen Lauf: Nach völlig ausreichenden, die Akkus wieder aufladenden zwei Stunden Schlaf in meinem Wurfzelt, das sich auf angenehme saharische Temperaturen erhitzt hatte, wollte der Tag mit Leben gefüllt werden. Kein Problem, lange OCBs waren ja genug da und die Bändchenausgabe öffnete auch nicht vor 13.30 Uhr. Immerhin einen ganzen Granny Smith gegessen habend – ein nahrhaftes, sättigendes Frühstück ist ja die elementare Grundlage auf einem jeden Festival – und das weitere Plastikflaschenbier genießen wollend, ehe es verdampft, machten wir uns daher am Strand entlang auf den etwa sechs bis sieben Kilometer langen Weg ins Strandbad Binz. Entgegen unserer Entwartung wurde das kleine Badeörtchen nicht ausschließlich von Festivalgästen überrannt, im Gegenteil schlugen wir uns auf unserer Queste nach einem Fischbrötchen und einem Supermarkt durch nicht wirklich antizipierte (und antizipierbare) Mengen an Rentnern, die für unsere aufgewärmt leicht benebelten Gehirne doch stellenweise eine Herausforderung darstellten.

Zurück am Zeltplatz wurden bis in den frühen Abend, als das Festivalgelände öffnete, Allgemeinplätze behandelt: Zeltnachbarn kennenlernen, trinken, von Handelsreisenden besucht werden, duschen, irgendwo noch eine Mahlzeit einschieben, diverse Runden Flunkyball – man kennt das ja. Irgendwann gegen 21 Uhr machten sich die Helden unserer Geschichte auf den Weg hinein ins Geschehen. Das Gelände war, neben den obligatorischen Bars und sonstigen Verpflegungsmöglichkeiten, einer Menge Platz zum Chillen und Verweilen sowie eingerahmt vom Betonkoloss, in zwei Outdoor- und drei Indoor-Floors aufgeteilt. In die Deko und den Aufbau des Geländes war sichtlich viel Aufwand geflossen, die zur Genüge ihren Beitrag zur Atmosphäre des Festivals leisteten.

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Ein kleiner Eindruck der Licht- und Videoinstallationen von Philipp Geist, die ich nicht besser hätte einfangen können. /// via Instagram @videogeist

Und auf das erste Zuckerstück des Abends musste die hochmotivierte Festivalcrowd nicht lange warten: Um 22 Uhr bespielten die großartigen Karenn die Ruine (so der Name der Stage) und Blawan und Pariah machten das, was sie am besten können – Techno, der den geneigten Hörer auf wunderbarste Weise Richtung Besinnungslosigkeit hämmert. Für meinen Geschmack und mein Wochenende der perfekte Auftakt, ganz ohne Frage. Der Rest der Freitagnacht gestaltete sich musikalisch nicht minder qualitativ hochwertig, durften wir doch unsere Gehörgänge mit Klängen vom Leipziger Local Hero Steffen Bennemann, Bambounou, den von mir über alle Maßen geschätzten Manamana, Live-Sets von Perm und Vril und zu guter Letzt noch von Ateq von Giegling vom letzten Rest Alltag säubern lassen. Die im Anschluss anstehende fünfstündige Verschnaufpause – wie sehr man dort tatsächlich zur Ruhe kam, blieb natürlich jedem Tänzer bzw. dessen Verfassung selbst überlassen – kam nicht nur den Organisatoren und Beschäftigten, sondern ohne Zweifel auch den strapazierten Beinen und Körpern der exzessiv feiernden Menge an Gästen entgegen.

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Die Ruine am frühen Freitagabend. /// Bild vom Autor

Ein wenig wurmte mich am Samstag allerdings dann doch meine Müdigkeit, da ich mich gezwungen sah, dem geschundenen Leib eine Siesta zu gönnen, auf dass er sich im restlichen Verlauf des Festivals weiter – nun ja – gönnen konnte. Jedoch blieb so für mich der Liveauftritt von Erobique am Samstagnachmittag auf der Strecke, der, verschiedenen Erzählungen unseres Camps zufolge, ein echtes Highlight war – shit happens. Doch kein Grund, sich zu grämen, stand doch noch eine weitere Nacht voller exquisiter technoider Klänge auf dem Programm. Auch wenn die Erinnerung an diese Nacht voll unglaublich intensiver und schöner Momente mit einer neuen Bekanntschaft waren, legt sich doch der Nebel der zeitlichen Distanz ein wenig auf die Genauigkeit meiner Rückbesinnung – demgegenüber zaubert mir allerdings die in ihrer Intensität ein dystopisches Crescendo fabrizierende Weltuntergangsmusik von Somewhen, DVS1 und Kobosil ob der Opulenz der auf der unfassbar lauten, heißen, stickigen und verschwitzten Bunker-Stage vermittelten Stimmung auch jetzt noch ein verwundertes, glückliches, kopfschüttelndes Grinsen ins Gesicht. Cinthie demonstrierte am frühen Morgen des Sonntages und zum mehr oder weniger Abschluss meiner Tänzerkarriere am HER DAMIT wieder einmal aufs Neue ihre großartige Qualität und bildete zu einem Wochenende Techno erster Güte einen herrlichen Kontrastpunkt, der noch die letzte Kraft aus meinen Beinen forderte – beautiful agony.

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Was ist das für 1 Bunker? /// via Instagram @wiesel_on_tour

Den Sonntagmorgen investierte ich produktiv in den ersten Sonnenbrand des Jahres, inmitten der unzähligen pretty little ravers, die tanzesmüde die einzigartige Location des Festivals am Ostseestrand zur Entspannung, zum Runterkommen, zum Schwelgen und Verweilen oder – who’d have known – einfach nur zum Baden nutzten. Mit einem mehrstündigen, alle Sinne beanspruchenden, meinen Geist für den Rest des Tages verwirrenden Erlebnis am Rügener Strand (in exquisiter, eleganter Gesellschaft), welches eventuell an einer anderen Stelle rekapituliert werden wird, bereitete ich mich darauf vor, meinen Abschied vom Baltischen Meer zu nehmen. Für Recondite und die Common Sense People Konstantin Sibold und Leif Müller fehlte unseren Campern am Sonntagnachmittag beim besten Willen die Kraft und geistige Klarheit und teilweise auch die Zeit, aber nichtsdestotrotz fuhren wir, beseelt von einem Wochenende guter Vibes und schlechter Manieren, mit einem glücklichen Grinsen, in besagtem Polo und mit dem Gefühl, das schöne Leben tatsächlich ein wenig erlebt zu haben, zurück in die Messestadt.


Was bleibt vom HER DAMIT 2016?

  • Die Musik – Im Gegensatz zu vielen anderen elektronischen Festivals, die ich bisher besuchen durfte, war der Grundtonus der musikalischen Auswahl beim HER DAMIT erfrischend technoid. Unabhängig, von welchem Tag, ab 20 Uhr konnte man sich spätestens sicher sein, dass man auf einem der Floors fündig werden würde, allerdings war auch für Freunde seichterer Gangarten stets eine Ausweichmöglichkeit vorhanden. Mit Karenn, Kobosil, DVS1, Vril und beispielsweise nd_baumecker griff man, was Techno anbelangt, tief in die Trickkiste und wählte auch mit Cinthie oder Manamana bezüglich anderer Richtungen extrem stilsicher. An dieser Ausrichtung dürften sich meiner Meinung nach auch andere Veranstalter gerne ein Beispiel nehmen.
  • Die Organisation – Ja, auch im Rügener Mai ist nicht alles eitel Sonnenschein und von mehreren selbst erlebten und mir zugetragenen Ereignissen wird das sehr positive Bild ein wenig getrübt. Die unverständliche Wasser- und Getränkepolitik, die das Mitbringen von Getränken in Tetrapaks beispielsweise nicht erlaubte bzw. bei doch an den 26 bis 27 Grad kratzenden Temperaturen zahlreiche Besucher zum Kauf von (hochpreisigem) Plastikflaschenwasser an den Bars des Festivalgeländes (an denen es entgegen einer Ankündigung kein kostenloses Wasser gab) zwang, ist ein Wermutstropfen, der auch vielen anderen Festivalgängern negativ in Erinnerung blieb. In einem Posting und einer Rundmail an die Besucher entschuldigten sich die Organisatoren zwar in allem Umfang und zur Genüge, allerdings wurden Änderungen des Programms oder der allgemeinen Organisation während des Festivals nicht korrekt oder ausreichend kommuniziert. Die Bühnen boten ebenfalls einige Kritikpunkte: Weshalb erfuhr man erst auf dem vor Ort ausgehändigten Timetable von einer fünfstündigen Pause am Samstag? Weshalb wurde die Musik zu bestimmten Uhrzeiten runtergedreht, ausgemacht oder auf die Indoor-Bühnen verlagert? Wieso wurde die Bunker-Stage nicht belüftet? Alles Fragen, deren Antworten (wie evtl. ein Natur- oder Vogelschutzgebiet rund um die Location) wahrscheinlich komplett nachvollziehbar sind, allerdings in keiner Form kommuniziert wurden und so zwangsläufig die Festivalbesucher irritieren mussten. Schade. Darüber hinaus wurden beispielsweise auch die Übernachtungstickets, welches ich in meinem Fall für 35 Euro hinzubuchen musste, an keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt kontrolliert – mich schmerzt weder der Betrag noch die Notwendigkeit der Buchung, ohne eine Kontrolle kommt man sich aber tatsächlich ein wenig verhumpst vor. Auch die Securities überschritten so einige Male ihre Kompetenzen bzw. stellten derer mangelnde unter Beweis, was ich sowohl aus vertraulichen Quellen innerhalb unseres Camps als auch von kolportierten Stories anderer Besucher weiß. Allerdings glaube ich fest, dass auch das Orga-Team aus der Edition 2016 lernen, seine Schlüsse ziehen und das Festival nach seinen Möglichkeiten verbessern wird.
  • Die Location – Auch, wenn ein HER DAMIT 2017 bisher weder bestätigt noch angekündigt ist, bleibt zu hoffen, dass auch im kommenden Jahr die historische Kulisse Proras ein Wochenende lang zum elektronischen Get-together einlädt – denn selbst mir fehlen schlicht und ergreifend die Worte, ein Festival in dieser einzigartigen Location, mit dem Strand in Bierflaschenwurfweite, großartiger Gesellschaft, friedlicher Atmosphäre und exquisitem Wetter adäquat in Worte zu fassen.
  • Die Größe – Mit etwa dreitausend Besuchern hat das HER DAMIT bei mir direkt ins Schwarze getroffen: Ein Festival der kurzen Wege, kein überfüllter Zeltplatz, der sich in Windeseile in eine Kloake und einen jeglichen Glauben an Menschheit und Zivilisation auffressenden Moloch verwandelt, die meiner Erfahrung nach problemlos gelungene Nutzung der bestehenden festen Toiletten und Duschen sowie die Tatsache, dass man Leute nach einmaligem Kennenlernen auch einmal wieder trifft, stehen für mich absolut positiv zu Buche.
  • Die Atmosphäre – Absolut herrlich. Kein Stress, keine Gewalt, kein atziges Verhalten (jedenfalls keines, von dem ich mitbekommen hätte), liebevolle Dekoration und eine Menge Nischen und Rückzugsmöglichkeiten, die zum Verweilen einluden. Eingebettet zwischen Wald und Strand tat die Umgebung selbstverständlich ihr Übriges.

Ich für meinen Teil hatte eine großartige Zeit beim HER DAMIT 2016 auf Rügen: Ein junges Festival, welches einige Kinderkrankheiten noch abzuschütteln hat, was meines Erachtens für die engagierte Crew allerdings kein Problem darstellen dürfte. Erfrischend anders, noch (noch!) unter dem Radar der deutschen Festivalszene und allen Beteiligten offensichtlich eine echte Herzensangelegenheit. Ich bedanke mich bei Robert vom HER DAMIT für die Einladung, unserem Camp für die tolle Atmosphäre, Helge fürs Fahren und A.D. für den schönsten und verwirrendsten Sonntagvormittag diesen Jahres – ich komme gerne wieder!