Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: April, 2016

Save the last dance: Fahrt mit Backinthedaze. zum HER DAMIT 2016! (WIN)

by Kilian

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Die Nachrichten, welche uns im Zusammenhang mit dem HER DAMIT 2016, zu dessen stolzen Medienpartnern wir von Backinthedaze. zählen, in den vergangenen Wochen erreichten, waren alles andere als erfreulich: Prora, dieser geschichtsträchtige, irrsinnige, den Größenwahn eines verrückten Regimes perfekt verkörpernde Koloss auf Rügen, wird nun, allem Anschein nach, endgültig verkauft und der Mikrokosmos aus junger Kultur, lebendiger Erinnerung und Ostseestrand wird Hochglanzferienwohnungen für Pauschalurlauber und ihre unsäglichen Nachkommen weichen müssen. Mit ordentlicher „Jetzt erst recht“-Attitüde ist es nun an uns und euch, das HER DAMIT 2016, welches aller Voraussicht nach das letzte Festival an diesem historischen Standort sein wird, ein allerletztes Mal mit Leben, Liebe und Eskalation zu füllen und so zu einem unvergesslichen Wochenende zu machen.

Mit einem mit zahlreichen Sahnestücken gespickten Line-Up, welches unter anderem mit Live-Sets von Karenn, Vril, Recondite oder dem IfZ-Resident Perm sowie DJ-Performances von Künstlern wie Ateq, Cinthie, DVS1, Kobosil oder Manamana aufwartet (vollständiges Line-Up am Ende des Posts), dürfte das letzte Maiwochenende 2016, vom 27. bis zum 29., auf Rügen zu einem Freudenfest der elektronischen Musik werden.

Zusammengefasst: Gute Musik? Check. Coole Leute? Wir sind ja da, also: Check. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ihr! Glücklicherweise haben wir da noch zweimal zwei Tickets inklusive Übernachtung von Freitag bis Sonntag zu verlosen. Hätte da jemand Interesse? Ja? Na, also dann, hier ist, was ihr tun müsst:

  1. Gebt Backinthedaze. und dem HER DAMIT bei Facebook einen Daumen nach oben.
  2. Markiert unter dem hier eingebundenen, korrespondierenden Facebook-Post, mit wem ihr gemeinsam im Mai aufs HER DAMIT fahren wollt, lasst für den Post ein Like da und teilt das Ganze.
  3. Drückt euch selbst die Daumen, dreht euch ne Kippe, findet die große Liebe, das ist ganz euch überlassen.
  4. Wartet bis Montag, 2. Mai 2016.
  5. ???
  6. Gewinnt mit etwas Glück zwei Tickets inklusive Übernachtung und
  7. Eskaliert mit uns vom 27. bis 29. Mai in Prora!

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ABBY SYSTEM LIVE | ABDRE | ATEQ | BAMBOUNOU | BERG | CINDY LOOPER | CINTHIE | COMMON SENSE PEOPLE (KONSTANTIN SIBOLD & LEIF MÜLLER) | CREDIT 00 | DANIELA LA LUZ | DVS1 | ELISABETH | EPIKUR | EROBIQUE | HELGE MISOF | HIVERJOHANNA KNUTSSON | JOHANNES AMENDEJONAS LANDWEHR | KARENN LIVE
K_ARIM | KOBOSIL | LEO KÜCHLER | LETOH | MANAMANA | MARCUS WORGULL | MEGGY | ND_BAUMECKER | NOACKPERM LIVE | RECONDITE LIVE |REGEN | RNDM | SANDRIEN | SOMEWHEN LIVE | STEFFEN BENNEMANNSTEREOSCOPE | TIJANA T | URBANOWSKI | UTA | VRIL LIVE

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden. Die Gewinner werden von Backinthedaze. benachrichtigt.

 

Ross 154 – Until My Heart Stops (2004)

by Kilian

Auch wenn meine musikalischen Vorlieben beim Besuch einer elektronischen Tanzveranstaltung sich mittlerweile sehr weit von Deep House entfernt haben, so gibt auch dieses Genre – wie jedes, eigentlich – etliche Perlen her. Suchet und ihr werdet finden, liebe Freunde. Oder, genauer gesagt: Stolpert online über echte Schmankerl und freut euch des Lebens! Ich für meinen Teil jedenfalls stimme mich mit etwas leichterer elektronischer Musik bei miserablem Aprilwetter in Leipzig auf die anstehende Open-Air-Saison ein, bei der die Wahrscheinlichkeit, Brachiales à la Perc oder Cleric im Sonnenschein auf die Ohren zu bekommen, eher gering sein dürfte. Aber wer weiß, man soll ja den Tag nicht vor dem Open Air loben, wie es so schön heißt.

Das Stück, um welches es hier geht, wurde bereits in den frühen 1990ern produziert, fand allerdings, nach einigen Jahren des Verstaubens, erst im Jahr 2004 seinen Weg an die Öffentlichkeit. Releast auf M>O>S Recordings aus den Niederlanden – ein Label, auf welches ich über das großartige Debütalbum von Ike Release aufmerksam wurde – erschien „Until My Heart Stops“ im März 2004 auf der gleichnamigen EP. M>O>S steht für „Muziek Over Steden“, „Musik über Städte“. Das war: Niederländisch.

Verantwortlich für den Track zeichnet Ross 154 aka Newworldaquarium aka Jochem Peteri aus den Niederlanden, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Szene unterwegs ist und mit seinem experimentellen Ansatz unter anderem bereits auf Delsin Records veröffentlichte.

„Until My Heart Stops“ schlägt für mich dabei genau in die Deep-House-Kerbe, die mir zusagt: Sphärisch, keine Vocals, ein unterschwelliges, aber für die Stimmung des Tracks elementares Crescendo der Drums, ideal abgestimmte Hi-Hats und Claps und ein Rhythmus, der abholt, mitnimmt und irgendwo in den verträumteren Lagen des Äthers wieder loslässt.

Bonus: Wem es genauso gehen sollte wie mir, dem sei noch die schöne Info mit auf den Weg gegeben, dass ein Repress der Platte für Ende Mai 2016 angekündigt wurde – vind ik leuk!

via MOS Recordings

 

#PODHEAD: The Duncan Trussell Family Hour

by Kilian

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Eine meiner größten Leidenschaften, die ich mir in den vergangenen zwei Jahren angeeignet habe, sind Podcasts. Podcasts, you say? Ja, ja, richtig gehört. Ich höre Stunden über Stunden an interessanten Gesprächen und Geschichte, bilde mich weiter, lerne Neues, lache, fühle mit und erledige im Optimalfall parallel dazu irgendwelche lästigen Pflichten. Mein engerer Freundeskreis durfte sich schon zur Genüge anhören, was Podcasts sind, warum man sie hören sollte und welche zu empfehlen sind. Warum das Ganze also nicht in Text fassen? Et voilà, eine neue Kategorie: #PODHEAD!

Beginnen möchte ich an dieser Stelle mit der Frage, die jedem „Laien“ (wenn man diesen Begriff verwenden möchte) unter den Nägeln brennt – was sind Podcasts eigentlich? Warum brauche ich das? Kann ich das essen? Ist Mayonnaise ein Podcast?

Podcasts sind Folgen eines Programms, das im Internet angeboten wird. Podcasts sind oft eigene Audio- oder Videoaufnahmen, können aber auch aufgezeichnete Fernseh- oder Radiosendungen, Vorlesungen, Live-Auftritte oder andere Ereignisse enthalten.

(Apple, 2016)

Das Kofferwort setzt sich zusammen aus der englischen Rundfunkbezeichnung Broadcasting und der Bezeichnung für bestimmte tragbare MP3-Spieler, iPod, mit deren Erfolg Podcasts direkt verbunden sind.

(Wikipedia, 2016)

That’s basically it. Podcasts, jedenfalls in der Art und Weise, wie ich sie konsumiere, sind periodisch erscheinende Audio- oder Videmitschnitte, die iTunes beqeuemerweise von alleine auf den neuesten Stand bringt und mit meinem iPhone synchronisiert. Das kann von wirklich informativen Sendungen wie dem Video-Podcast der WDR-produzierten Reportagereihe „Die Story“ bis hin zu Qualitätsnonsens wie „Sanft & Sorgfältig“ mit Olli Schulz und Jan Böhmermann prinzipiell alles sein. Und iTunes sah, dass es gut war.

Ich für meinen Teil bin Abonnent einer ganzen Latte an Podcasts, die ich euch in dieser neuen Kategorie – #PODHEAD, don’t forget – einen nach dem anderen vorstellen werde. Ein Teil dieser Podcasts könnte einen etwas syndizierten Eindruck hinterlassen, da einige diese Veröffentlichungen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, von miteinander befreundeten Comedians aus Los Angeles gehostet werden, die sich auch gerne gegenseitig besuchen, allerdings werde ich versuchen, Wiederholungen zu vermeiden. Daher, straight to the point: Open your hearts and minds for The Duncan Trussell Family Hour!

The Duncan Trussell Family Hour is a weekly audio podcast by comedian and writer Duncan Trussell. Designed as a 21st century salon, each episode features Duncan and a special guest exploring a diverse range of topics, including art, society, politics, religion, and more.

(Duncan Trussell, 2012)

Duncan Trussell ist ein Stand-Up-Comedian aus L.A., der regelmäßig im weltberühmten Comedy Store in der Stadt der Engel auf der Bühne steht und mit Fug und Recht mir eine der liebsten Personen, welchen ich noch nie persönlich begegnet bin. Mit seiner „raspy lesbian voice“ und seiner Begeisterung für jeden Aspekt unseres Multiversums, Psychedelika, Meditation, Buddhismus, Technik und vielem vielem mehr eine einfach nur ansteckende Stimme in den eigenen Ohren. Der gute Mann hat Krebs besiegt, steht auf essbares Marihuana und Acid, trifft unglaublich interessante Leute und in jedem einzelnen Gespräch mit ihm kann man die Lebensfreude, die zen-hafte Ruhe und die allgemeine Loveliness voll und ganz spüren.

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Duncan Trussell /// via Jack Kornfield

Seine Themen und Gäste rangieren von anderen Comedians über Gurus über Wissenschaftler bis in die Unendlichkeit und noch viel viel weiter. Besonders den Lehren von Baba Ram Dass bin ich durch Duncan Trussell näher gekommen, also insofern bin ich diesem Podcast schon alleine dafür sehr dankbar. In seiner Beschreibung habe ich mich ein wenig in die Formulierung „21st century salon“ verliebt, die exakt das definiert, was ich mit meinem eigenen Podcast kreieren möchte – sofern ich in diese Richtung endlich mal zu Potte komme.

In seiner aktuellen Folge, welche den großartigen Rick Doblin zu Gast hat, geht es unter anderem um ein Crowdfunding für ein Kilogramm therapeutisches, reines MDMA, dein Gehirn auf LSD, Therapiemöglichkeiten durch Psychedelika und vieles mehr. Rick Doblin ist der Leiter von MAPS, der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies, die auf ihrem Gebiet wahre Pioniere sind und seit Jahren unglaubliche Arbeit leisten. Sei es vom Einsatz von Cannabis oder Ketamin gegen PTSD über Mikrodosierungen von LSD zur Verbesserung der eigenen „Performance“ bis hin zum Einsatz von Iboga oder Psilocybin gegen Suchterkrankungen – diese Leute wissen, was sie tun. Und was sie tun ist richtig, wichtig und definitiv einer der Pfade, die die Menschheit ein ganzes Stück weiterbringen werden und von denen man in 100 Jahren sagen wird: Warum nicht früher?

Doch an dieser Stelle soll gar nicht zu viel verraten werden: Vertraut mir, gebt Duncan und der ganzen Podcast-Chause eine Chance und wer weiß, vielleicht reden wir bei unserem nächsten Treffen dann stundenlang über Leute, die stundenlang reden und die wir uns mit Freuden stundenlang anhören!

Bei YouTube ist die aktuelle Folge leider noch nicht verfügbar, daher kommt ihr durch einen Klick aufs Bild auf die Website von Duncan Trussell, wo ihr den Podcast im Browser hören könnt oder ihr folgt diesem Link zu iTunes – have fun!

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Some fuckin‘ tunes: Cinthie – EG.572 (Mix)

by Kilian

Die charmante und bezaubernde Cinthie, welche ich bereits einmal im Backstage eines unserer Events in Regensburg kennenlernen durfte, hat für die Kollegen von Electronic Groove einen ganz formidablen Mix hingezaubert. Eine Stunde feinster House, nicht mehr und nicht weniger.

Cinthie aus Berlin, welche bereits auf zwei Jahrzehnte Erfahrung als DJ, Produzentin und Labelbetreiberin zurückblicken kann, gehört in die für mich glasklar ersichtliche, für viele meiner „strictly techno“-Freunde allerdings schwer greifbare Sphäre von „gutem House.“ Was für House hörst du denn, Kilian? Guten. So einfach ist das. Unprätentiös, keine Tech-House-Effekthascherei mit simpelster Stimmungsmache, groovy, stilvoll, einfach gut. Viele organische Sounds, wohldosierte Vocals, das gewisse Etwas – naja, ihr wisst ja langsam, was mir gefällt.

Die Grande Dame von Beste Modus und Unison Wax, zwei exquisiten Vinyl-Only-Imprints aus Berlin, die nebenbei auch noch mit ihren Residencies in der IPSE und dem Humboldthain die Berliner bereichert, hat sich für mich, der ich – mea culpa – jetzt erst in den vergangenen Wochen im Besitz eines funktionierenden Plattenspielers bin und mein Vinyl-Budget viel zu klein ist, besonders durch ihre durchdachte, balancierten, Dancefloor-orientierten Sets ausgezeichnet, die man dank Internet ja zur Genüge findet. Auch ihr aktueller Beitrag zum Podcast-Katalog von Electronic Groove aus den USA hat meinen Geschmack mal wieder getroffen, und was gibt es Besseres als beschwingte Klänge für einen entspannten Start in den Tag? Die Optimale musikalische Unterhaltung für einen kalten, aber sonnigen Leipziger Montagmorgen, an dem man sich irgendwie für die Uni motivieren muss – have it your way.

via Cinthie

404 Freiräume not found: Das HER DAMIT, Prora und wie es weitergeht

by Kilian

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/// „Prora“ (2008) von Hans Kundnani via Flickr

„Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst der Gentrifizierung.“: Das HER DAMIT 2016, welches wir in diesem Jahr für euch begleiten, wird voraussichtlich das letzte Festival am einmaligen Standort Prora sein. Der Grund? Ihr habt es erraten. Mit Flaute in der Kasse des Landkreises Vorpommern-Rügen auf der einen und anlagegeilen Investoren auf der anderen Seite scheint man in Prora jungen, kreativen und öffentlichen Freiräumen bye-bye und Porsche Panameras mit Münchner Kennzeichen hallo zu sagen. „Auch wenn die Veranstalter in jedem Fall weiter machen wollen und sich von nun an nach einer neuen Location umsehen, ist davon auszugehen, dass HER DAMIT 2016 das letzte Festival in Prora – eingebettet zwischen Kiefernwäldern, geschichtsträchtigen Mauern und Ostseestrand – sein wird“, heißt es in einer Pressemitteilung. 

Das Gespenst, welches immer stärker auch in Deutschland um sich greift und dessen Indikatoren meist belächelnd mit veganen Cafés, Latte-Macchiato-Müttern und Schwabylon angegeben werden, welches allerdings auch Auswüchse gebiert, die dem Individuum die hässliche Fratze des Kapitalismus zeigen, ist die vielbesungene Gentrifizierung. Doch was heißt das eigentlich?

Abgeleitet vom englischen Ausdruck „gentry“ (= niederer Adel) wird [der Begriff Gentrifizierung] seither zur Charakterisierung von Veränderungsprozessen in Stadtvierteln verwendet und beschreibt den Wechsel von einer statusniedrigeren zu einer statushöheren (finanzkräftigeren) Bewohnerschaft, der oft mit einer baulichen Aufwertung, Veränderungen der Eigentümerstruktur und steigenden Mietpreisen einhergeht.

(Deutsches Institut für Urbanistik, 2011)

Wenn man als halbwegs aufmerksames Individuum einigermaßen ehrlich zu sich selbst ist, kommt man nicht umhin, sich einzugestehen, dass dieser Prozess, so schleichend er sich auch gestalten mag, in bundesdeutschen Klein- bis Großstädten schon in vollem Gange ist. Man wird nicht lange nachdenken müssen, wann das letzte Mal ein kleiner, alteingesessener, inhabergeführter Herrenausstatter seine Pforten schließen musste, nur damit selbige drei Monate später von Menschen, die mit einem verächtlich ausgespuckten „Kunden“ noch milde umschrieben sind, bei der Eröffnung eines Dunkin‘ Donuts wieder eingerannt werden können. Die Dichotomie aus niedrigem Ausgangsstatus einer Gegend und den damit einhergehenden kleinen Läden, Cafés, Metzgereien, Bäckereien – was einem Viertel ja durchaus Charme verleihen könnte, möchte man meinen – gegen die Situation nach „erfolgreich“ abgeschlossener Gentrifizierung ist in diesem Beispiel fast beliebig austauschbar: Die Innenstädte sind mittlerweile komplett durchkommerzialisiert und in diesem Sinne erschlossen, doch innenstadtnahe Gebiete sind prädestiniert dafür, erobert zu werden. In der Vergangenheit war Suburbanisierung lange in der Stadtentwicklung vorherrschend, also die Herausbildung von Vorstädten, das Abwandern von Einwohnern und Betrieben, Geschäften etc. aus den Stadtzentren heraus. Diese und ihre Anrainerviertel verlieren daher mit der Zeit an Attraktivität und Wert, Studenten, Künstler, Kreative beziehen den günstigen Wohnraum, zack, feddich ist das Szeneviertel.

Dieses wird durch eine trend- und konsumorientierte, kaufkräftige Käuferschicht natürlich wieder für Investoren interessant, die ihr Stück vom hippen Kuchen abhaben wollen. Die Mieten steigen, die Studenten werden weniger, junge Eltern entdecken die neue Gegend für sich, Birkenstocks und Jack-Wolfskin-Jacken grassieren. Alle haben einen Job, zwei Kinder (Daenerys-Maccaroni und Abraham-Yeezus, zwei und vier Jahre), ein festes Einkommen und so gar keinen Bock auf Sterni für 40 Cent und Druffis an der Bushaltestelle. Die Clubs, Bars, Studios, Ateliers etc. werden weniger, es wird gesittet. So wird aus alten Gründerzeitbauten schon einmal ein Primark, ein unbebautes Grundstück, das zwar kein Geld, dafür der Bevölkerung eine kostenlose Frei- und Grünfläche brachte, verwandelt sich in Eigentumswohnungen oder eine Mall und statt dem kleinen Feinbäcker holt man seine Croissants bequem bei REWE To Go. Auf einmal freuen sich alle, in was für einem schönen, sauberen Viertel mit erstaunlich vielen schönen, weißen Menschen aus der Mittelschicht man doch lebt und wie viel besser das doch jetzt ist. Und dann schaut man schnell auf den hippsten Untergrund-Stadtblog, um sich im nächsten hippen Viertel einen Riesling-Sriracha-Wurstwasser-Cuvée in dieser freaky Studenten- und Künstlerbar zu holen und sich jung und urban zu fühlen. Oh, the irony.

Naja, ich sollte wohl zum Punkt kommen. Nun hat es also auch Prora erwischt, die Location des HER DAMIT Festivals, welches vom 27. bis 29 Mai diesen Jahres auf Rügen stattfindet: Prora, Prora, irgendwie schonmal gehört, doch auf Anhieb wissen die meisten nicht ganz genau, was hinter diesem Begriff steckt.

In der Anlage des als „Koloss von Rügen“ bekannt gewordenen geplanten „KdF-Seebades Rügen“ in Prora befindet sich das Dokumentationszentrum Prora. Prora gehört zum Ostseebad Binz und liegt an der Prorer Wiek, der schönsten Bucht der Insel Rügen. Hier wurde die etwa 4,5 km lange Anlage im Auftrag der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“ zwischen 1936 und 1939 gebaut und zu großen Teilen auch vollendet.

(Dokumentationszentrum Prora)

In diesem KdF-Badeort sollten bis zu 20 000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können, als Befriedungsmaßnahme für die im Zuge der Machtergreifung zerschlagenen Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen. Das Individuum sollte sich hier in der Masse verlieren – Gleichschaltung, you know – und, eingebettet in die Volksgemeinschaft, entspannt am Ostseestrand planschen. Doch spätestens ab 1939 wurde jeder Arbeiter und jeder Mann für Hitlers Kriegswirtschaft gebraucht und der Bau wurde unterbrochen. Mit seinen viereinhalb Kilometern Länge demonstriert der Koloss von Prora eindrucksvoll und mahnend die Megalomanie der Nazis. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges nutzte man die Proraer Anlagen als Flüchtlingslager, Ende des Jahres 1945 wurden die nutzbaren Gebäude für sowjetische Truppen verwendet. Von 1956 bis 1990 waren militärische Schulräume der Nationalen Volksarmee der DDR im Koloss untergebracht. Bis 1991 war das Gelände des ehemaligen Seebades militärisches Sperrgebiet, bis es im Zuge der Wende an die Bundeswehr übergeben wurde, welche 1991 die Nutzung des Standortes aufgab.

Nachdem der Komplex 1991 in den Besitz des Bundesrepublik Deutschland überging und 1992 unter Denkmalschutz gestellt wurde, bemühte man sich seither, die über achtzig Jahre alten Bauten kommerziell nutzbar zu machen. Hier standen Investoren, Anleger und Immobilienplaner natürlich sofort und seither Gewehr bei Fuß – doch bei Weitem nicht zur Freude aller:

Nur Block V gehört noch dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Die eine Hälfte wird von der Jugendherberge belegt, die andere Hälfte ist noch unsaniert. Nach Auffassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern „ideale Bedingungen für die Aufnahme eines Zentrums, in dem die Geschichte Proras dokumentiert wird und in dem vor allem junge Menschen sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen und ihren Standpunkt erarbeiten können.“ Die Pläne, ein solches Zentrum einzurichten, liegen zwar seit vielen Jahren in der Schublade, doch eine konkrete Umsetzung ist in weiter Ferne. Es scheitert vor allem am Geld: Weder der Landkreis noch das Land haben sich bislang bereit erklärt, maßgeblich in die Sanierung und den Aufbau eines solchen Zentrums zu investieren.

(Kuch, 2015)

Und das bringt uns ins Jahr 2016: Auch der letzte in öffentlicher Hand verbliebene Block Proras wird allem Anschein nach in absehbarer Zukunft verkauft. Nichts mehr mit dem mahnenden, schrecklichen, aber doch majestätischen Anblick der Anlage, weiter geht es mit Ferienwohnungen mit Glasbalkons und Blick zum Meer, Familienvans und langsamem Vergessen der Geschichte und des eigenen schlechten Gewissens. Capitalism is not your friend.

Also lasst uns vom 27. bis 29. Mai noch einmal gemeinsam feiern: Wir werden dort sein, mit großen Kinderaugen und schmerzenden Beinen den Rügener Sonnenaufgang genießen und uns mit dem schönen Leben vollsaugen. Auch, wenn es das letzte Mal sein sollte.

Tickets für’s HER DAMIT 2016 bekommt ihr genau hier – wir sehen uns im Mai!

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Surge and Destroy: Trade Live in Dublin (2015)

by vic

Feierabend, wie das duftet… Nein, es handelt sich hierbei um keine Werbung für Teewurst, sondern um einen simplen Ausdruck meiner Euphorie. Was außerdem hier in der Neuköllner Luft hängt, sind neben der Frühlingsluft momentan wummernde Techno-Beats feinster Qualität.

Seit dem Release der neuen EP von Jamie Roberts alias Blawan (den ich auf einer vollkommen asexuellen, dafür aber höchst spirituellen Ebene schlichtweg liebe) ist diese bereits x-mal rauf- und runtergelaufen, und um sie mir nicht komplett zu versauen, musste etwas Ähnliches, aber Anderes her. Neben Karenn (an der Seite von Pariah) und Parassela (mit Alberto Marini und Domenico Cipriani) hat Roberts seit 2013 eine weitere Kollaboration am Start, und das mit keinem Geringeren als dem britischen Großmeister Anthony Child aka Surgeon. Ihr Projekt Trade ist eine Zusammenarbeit zwischen zwei absoluten Größen der elektronischen Musik aus Großbritannien, die damit das Beste aus zwei Generationen in Einklang bringen.

In ihrem unten verlinkten Live-Set vom 2. Oktober 2015 aus dem Dubliner Club District 8 ist alles dem Zufall überlassen: mit ihrem Setup aus modularen Synthesizern und Hardware improvisieren Roberts und Child knappe 74 Minuten treibenden Loop-Sound mit eingängigen Bässen und Acid-Elementen. In einem Interview auf der Website des Londer Clubs & Labels Fabric sprechen die beiden über das kollaborative Improvisieren in ihren Shows: „Performing with modular and using no computers or samplers meant that nothing whatsoever is pre-planned or prepared. It’s totally improvised live at the moment it happens.“ (Surgeon).

 

Während ich normalerweise an dieser Stelle meinen Beitrag  zum Ende gebracht hätte, geht es nun jedoch – dank eines Gedankenanstoßes durch einen Freund von mir (der im Gegensatz zu mir Expertenwissen bezüglich modularer Synthesizer besitzt) – noch ein klein wenig ins Detail, was das Equipment von Trade angebelangt. Die Recherche nach dem Setup der beiden ergab sogar tatäschlich ein überaus genaues Ergebnis: Anthony Child, der sich höchstpersönlich auf einem Online-Forum namens Muff Wiggler herumtreibt, hat dort dankenswerterweise folgenden ModularGrid-Link zur Verfügung gestellt, der sein Setup der Show in Dublin zeigt.

Über das Equipment von Jamie Roberts/Blawan weiß er nur: „eurorack case, some kind of looper, Beatsetp Pro + a couple of Strymon pedals„.  Was bei all dem Kabelsalat und Knöpfchendrehen herauskommt, kann sich auf jeden Fall hören lassen an so einem Samstagabend.

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Adi Space – Diary Of A Stoner (2013)

by Kilian

Faust auf Auge, Arsch auf Eimer, Pech zu Schwefel – metaphorisch und proverbial passt recht häufig eines annähernd perfekt zum Anderen, die Liste ließe sich natürlich ins Endlose und noch viel weiter fortführen. Glutamat zum China-Imbiss, Ethisch-moralische Flexibilität zu Primark oder Rechts-Schreibung ™ zum echten Deutschen, Bigotterie zur Politik, man kann erkennen, wo der Zaunpfahl hinwinkt. Der Titel des hier vorliegenden Tracks und das ursprüngliche Selbstverständnis dieses Amalgams aus Blog, Tagebuch, Selbstbeweihräucherung und Unmengen Musik wären nur ein weiterer Punkt dieser Aneinanderreihung, der jedoch treffender kaum sein könnte.

In der Heimatstadt eines der besten Biere Deutschlands (s/o Schlappeseppel), Aschaffenburg, hat die Cosmo Gang, eine mittlerweile in ganz Deutschland dezentral organisierte Crew junger Rapper und Produzenten, ihre Wurzeln. Die Mitglieder hören auf solch illustre Namen wie Holy Modee, Paapi Space, Bimbo Beutlin, Albert Parisien oder Tim Taler und mit Flows, Swag und Authentizität begab sich die Completely Outta Space Music Operation 2012 in die Welt, um smoothen Sound zu machen. So einfach ist das. Die hier präsentierte Nummer stammt aus dem Jahre 2013, vom nicht minder illustren, im Internet jedoch sich weit bedeckter haltenden Adi Space und steht dem genannten Credo in nichts nach.

Jazzig, verspielt und unheimlich smooth mäandert die Produktion bewusst angenehm holprig durch die drei Minuten und 49 Sekunden, stimmig von den Snares bis zu den Pads. Stimmig vom Schlendern über den Beat, über die wohlig-warme, unverkrampfte Bassline bis zu einer Thematik, die der Autor dieser Zeilen viel besser versteht, als er zugeben würde und von Adi Space aka Bimbo Beutlin mit Flow, Finesse und feinen Lyrics vor etwa drei Jahren zum perfekten Sonnensoundtrack veredelt. Und ja, jetzt ist der Punkt gekommen, die Anlage aufzudrehen und die schwarzen OCBs herauszuholen – let’s get to work, please and thank you.

via Cosmo Gang

Licensed to kill: Ilian Tape meets Berghain

by Kilian

berghainlogo

Also wenn das kein Grund ist, einerseits die hier herrschende Stille zu durchbrechen sowie andererseits der Bundeshauptstadt mal wieder einen Besuch abzustatten und sein Glück an den heiligen Hallen zu versuchen, bin ich mit meinem Latein auch am Ende. Eines unserer Lieblingslabels – wie man hier und da eventuell schon einmal mitbekommen hat – hat nun offiziell den Termin für ihr erstes Showcase am Wriezener Bahnhof: Am 28. Mai öffnet das Berghain gemeinsam mit Ilian Tape seine Pforten für gute anderthalb Tage gehobene Erwachsenenunterhaltung.

Mit den Zenker Brothers, Stenny, Skee Mask und einem Live-Set von Andrea im Berghain, dessen Line-Up von Oscar Mulero, DVS1, Don Williams und Marcel Dettmann komplettiert wird, ist Qualität pur (mal wieder) zweifellos sichergestellt und auch für die Freunde verhältnismäßig sanfterer Klänge hat die Panorama Bar mit The Drifter, Ed Davenport oder dem mich besonders reizenden B2B von Glenn Astro und Max Graef ordentlich etwas zu bieten. Powerful Ilian Tape!



KLUBNACHT AT BERGHAIN / PANORAMA BAR

28./29./30. Mai 2016

BERGHAIN

Andrea (live)
Don Williams
DVS1
Marcel Dettmann
Oscar Mulero
Skee Mask
Stenny
Zenker Brothers

PANORAMA BAR

Abstraxion
Ed Davenport
Glenn Astro B2B Max Graef
Jori Hulkkonen
Massimo Pagliara
Roi Perez
The Drifter

via Ilian Tape / Resident Advisor