Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: Februar, 2016

America’s back mole: John Oliver über Donald Trump

by Kilian

Der amerikanische Vorwahlzirkus zur Nominierung der Präsidentschaftskandidaten, die dann eigentlich erst den wirklichen Wahlkampf starten, ist alle vier Jahre nicht nur für den gemeinen Europäer ein schwer zu durchschauendes Dickicht aus Wahlwerbespots, Debatten, verbalen Entgleisungen, Experten und „Experten“, viel zu viel Geld und Megalomanie auf Seiten der Kandidaten. Nein, auch zahlreichen US-Amerikanern muss regelmäßig erläutert werden, wie, warum, für wen und für wen auf keinen Fall sie ihre Stimme abgeben sollten und auch der Wahlkampf 2015/2016 ist hier keine Ausnahme – besonders das Auftauchen und bisher überraschende Abschneiden der Non-Establishment-Kandidaten wie Bernie Sanders bei den Demokraten oder dem texanischen Fall für die Geschlossene, Ted Cruz, bei den Republikanern bedingt, dass man sich die um die Stimmen Buhlenden ein wenig genauer ansieht.

Genau das hat John Oliver, genialer, innovativer und entzückend britischer Host von „Last Week Tonight“ auf HBO, nun mit dem sprichwörtlichen Elefanten im Raum getan: Donald Trump. Der New Yorker Milliardär mit Napoleonkomplex polarisiert in den USA (nicht nur) zur Zeit wie kein Zweiter, seit er sich in den Kopf gesetzt hat, das Weiße Haus zu beziehen, eine Mauer an der US-Südgrenze zu Mexiko zu bauen, welche die Mexikaner bauen und für die sie bezahlen werden oder die Familien von IS-Mitgliedern zu attackieren. Boy, it’s a merry good time in the good ol‘ US of A.

Über den minimalen politischen Tiefgang des Immobilieninvestors und seinen puren, schlecht versteckten Populismus herrscht in jedem aufgeklärten Gehirn zwischen Seattle und Kaufbeuren Einigkeit, dennoch schadet es bekanntlich nie, einen Politiker – oder einen, der es werden will – auf den dampfenden Haufen Exkremente festzunageln, den dieser so von sich gibt. Und wohl kaum einer der verbliebenen Kandidaten des US-amerikanischen Präsidentschaftsrennens bietet eine so breite und schlecht frisierte Angriffsfläche wie der New Yorker, dessen Äußerungen zu Abtreibung, Refugees, Syrien, ISIS, Frauen oder praktisch jedem anderen Thema seit Monaten jedem rational denkenden Menschen morgens das Frühstück versauen. Seien es nun also seine markanten, wenig durchdachten Reden, seine impulsiven, nicht minder wenig durchdachten Tweets oder seine Politik, die durch die endgültige Überwindung echter Inhalte auch das ZK der Partei Die PARTEI glücklich machen dürfte – John Oliver erklärt gewohnt treffsicher in knapp 20 Minuten alles, was man zum größten zeitgenössischen Brüllaffen der amerikanischen Politik wissen muss.

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Alter Bekannter: Harry Quintana – Pura Vida

by Kilian

Erinnern wir uns zurück an das Jahr 2010: Fußball-WM in Südafrika, Christian Wulff wird Bundespräsident (lol), die Deepwater Horizon im Golf von Mexiko macht einen folgenschweren Abgang und Kollegah veröffentlicht mit dem „Hoodtape Vol. 1“ und der dazugehörigen X-Mas Edition eines seiner – der bescheidenen Meinung des Autors nach – unterschätztesten Tapes. Auf dem Track „Gigolos“ findet sich dort ein Feature mit einem Rapper namens Prinz Harry, welches sich den Staples Geld, Frauen und Luxus widmet und immerhin mit einem Oli-Kahn-Sample aufwarten kann. Mehr gibt es zu diesem Track auch kaum zu wissen, was wohl ein Grund sein könnte, dass der Name Prinz Harry in den Folgejahren kaum mit besonders viel Aufmerksamkeit bedacht wurde.

Nun sind Musiker im Allgemeinen und Rapper im Speziellen immer einem eigenen Stilfindungsprozess unterworfen, der, so man denn von dem naiven Idealismus Abschied nimmt, immer mit der selben Musik innovativ, kreativ oder erfolgreich zu sein, dazu führt, dass man seine Meinung zu bestimmten Artists in regelmäßigen Abständen neu überdenken sollte. Denn im vergangenen Jahr tauchte besagter Prinz Harry mit neuem Pseudonym doch altem Image wieder in der deutschen Rap-Landschaft auf und sein aktueller Output motiviert definitiv dazu, sich mit Harry Quintana zu beschäftigen. So machte Señor Quintana unter anderem auf einem der Releases des vergangenen Jahres, LGoonys „Grape Tape“, auf einem großartigen, entspannten Feature namens „Sosa“ auf und veröffentlichte nebenbei noch seine EP „El Camino“ als Free Download – Prädikat: auschecken! (An dieser Stelle korrekterweise noch eine Tipp an alle Feminist*innen: Dürfte euch nicht gefallen.)

Schnelldurchlauf bis Ende Januar 2016, als Harry Quintana auf Soundcloud und YouTube seine neue EP ankündigt und treffenderweise auch gleich mit dem Titeltrack ein echtes Sahnestückchen veröffentlicht. Die höchst entspannte Nummer, die „Pura Vida“ heißt, versammelt Steady-Pimpin-Image, eine Menge Laid-Back-Faktor, Attitüde und Wortwitz (inklusive kleinem, aber sehr feinem Montana-Max-Diss) in höchst unterhaltsamen vier Minuten. Wenn der Output auch in Zukunft so viel Spaß macht, immer her damit! Steady Pimpin‘ ist ja schließlich sein Job.

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Wenn Fernsehen großes Kino würdigt: Filmreferenzen bei den Simpsons

by vic

Als letztens mal wieder die zweite Staffel der Simpsons in meinem DVD-Player gelandet ist, habe ich die freudige Feststellung gemacht, dass es sich tatsächlich immer wieder lohnt, sich manche Dinge nicht nur einmal anzusehen. In diesem Fall bemerkte ich zum ersten Mal, dass Lisa in einer Szene in Folge 7 das Gedicht Howl von Allen Ginsberg zitiert  – und fragte mich, wie vieler dieser Hinweise wohl schon an mir vorübergegangen sind. Ebensolche subtile Sequenzen sind vermutlich auch dafür verantwortlich, dass die gelben Kultfiguren wie kaum eine andere Fernsehserie generationenübergreifend beliebt sind, und das schon seit Jahrzehnten.

Anspielungen auf Politik und Gesellschaft sind ja immerhin das grundlegende Prinzip, auf dem Satire basiert. Dass die Simpsons-Schöpfer gerne mal prominente Gäste nach Springfield holen und auf aktuelle politische und (pop-)kulturelle Phänomene Bezug nehmen, ist für Fans der Serie nichts Neues. Nun hat sich freundlicherweise eine Dame – genauer: Celia Gomez unter dem klangvollen Usernamen cgmzz – die Mühe gemacht, ein Video mit zahlreichen Filmreferenzen bei den Simpsons im direkten Vergleich zu den originalen Filmsequenzen zusammenzustellen und auf Vimeo hochzuladen, darunter Pulp Fiction, A Clockwork Orange, 2001 – Odyssee im Weltraum, Psycho und Shining.

Zwar sind damit die Anspielungen auf das Kino in 27 Jahren Simpsons noch lange nicht vollzählig, doch sollte ein so gelungener Zusammenschnitt wie dieser definitiv Erwähnung finden. Es ist immer wieder eine Freude zu verfolgen, wie liebevoll und detailgetreu Matt Groening & Co. herausragende Werke der Filmgeschichte würdigen. Wem das schlussendlich noch nicht genügt, der findet hier in der Simpsonspedia eine vollständige Auflistung der Referenzen in allen Episoden der bis dato 27 Staffeln, akribisch alphabetisch geordnet. Damit wäre dann wohl mal wieder die These bestätigt, dass es im Internet nahezu alles irgendwo zu finden gibt. Schon schön manchmal.

 

via Moviepilot

50Weapons ist tot – lang lebe 50Weapons: Cosmin TRG – Narr Day Remodulated (2015)

by vic

Wenn irgendein Label vergangenes Jahr von sich Reden gemacht hat, dann definitiv 50Weapons, neben Monkeytown das zweite Label von Modeselektor. Und auch wenn die letzte Botschaft nach 10jährigem Bestehen schließlich Rest in Peace lautete – in Vergessenheit geraten wird das Berliner Label sicherlich nicht, insbesondere nach dieser phänomenalen Abschiedscollection [50WEAPONS#40-50], zu der außer dem Labelvorstand selbst u.a. Cosmin TRG, Paula Temple, Shed, Phon.o, Fjaak, Benjamin Damage, Marcel Dettmann, Margaret Dygas und Truncate ihren musikalischen Teil beigesteuert haben.

Das Warm Up zur Abschiedssause bestreitet 19.94 mit seiner experimentellen Nummer „Narr Day“ [50WEAPONS040], die Cosmin TRG auf der B-Seite zu einem spuligen, clubtauglichen 4/4 Track remixt und damit zu dezentem, aber zufriedenem Kopfnicken auffordert. „Noisy, abstract techno trips“ lautet die Etikettierung im Plattenladen meines Vertrauens und trifft es wie immer ziemlich genau. Was hätte man denn eigentlich auch anderes erwarten sollen als eine standesgemäße musikalische Ansage, wenn ein Label wie dieses seinen Rückzug antritt? Ich sage Chapeau! und ziehe mich ebenfalls zurück – allerdings nur, um 50Weapons mit diesem Track noch einmal (und bestimmt nicht zum letzten Mal) wieder aufleben zu lassen.

 

Food for thought: Dr. Gad Saad über „How Political Correctness Limits the Free Exchange of Ideas on Campus“

by Kilian

Der GadFather – ein Vertreter der absoluten Vernunft, glorreiche Online-Persönlichkeit (I’m a GadFella), großartiger Gesprächspartner und rhetorisch auf Höchstniveau, doch zuvorderst immer noch Akademiker. Bereits in dem oben verlinkten Post vom September vergangenen Jahres fand dieser – meiner bescheidenen Meinung nach – höchst interessante Forscher, der sich mit „Evolutionary Behavioral Sciences and Darwinian Consumption“ beschäftigt, auf dieser Plattform kurz Erwähnung. Wer sich nach wie vor unter diesem Begriff nichts vorstellen kann, dem sei das folgende Video ans Herz gelegt – denn wer könnte es wohl besser erklären als der Herr Doktor selbst:

Doch um das „eigentliche“ Tätigkeitsfeld des GadFathers soll es an dieser Stelle gar nicht gehen, denn im Zentrum steht ein gänzlich anderes, aber brandaktuelles Thema: Political Correctness. In der aktuellen Staffel von South Park bereits grandios verarbeitet, ist dieses Sammelsurium aus Social Justice Warriors (SJW), radikalen Feministinnen, College-Kids im wahrsten Sinne des Wortes und einem ganzen Haufen Elemente mehr auf den Campussen Nordamerikas momentan das Streitthema der Stunde. Was dabei beunruhigt, ist die Tatsache, dass – ganz in US-amerikanischer Tradition (wink, wink) – die ganze Chose bisweilen Auswüchse hervorbringt, die absurder nicht sein könnten und bestimmte Aspekte sinnvoll geregelten Zusammenlebens tatsächlich zu gefährden drohen. Angefangen von Safe Spaces bis hin zu Professoren, die ob eines wütenden Mobs um ihren Job und ihre Existenz bangen müssen ist alles dabei – es wäre zum Lachen, wenn es nicht der Realität entspräche. In Bezug auf dieses Thema setzt sich Dr. Gad Saad, der an der Concordia University in Montreal beschäftigt ist, mit anderen Prominenten wie Joe Rogan, Dave Rubin oder Christina Sommers öffentlich für einen rationaleren Umgang mit diesen zweifelsohne wichtigen und zu adressierenden Themen auseinander und versteht sich ganz ausgezeichnet darauf, wenig fundiert argumentierenden Parolenschreiern und anderen Kretins den Spiegel vorzuhalten.

In dem Vortrag, welcher im Rahmen einer Vortragsreihe an der University of Ottawa gehalten und aufgezeichnet und im Anschluss über den YouTube-Kanal des GadFathers aka THE SAAD TRUTH (love it) veröffentlicht wurde, thematisiert er also die bisweilen bizarren Auswüchse übertriebener Political Correctness und ihrer Begleiterscheinung an US-amerikanischen und kanadischen Colleges und nicht nur dem gemeinen Westeuropäer sollte auffallen, dass einige dieser Vorfälle an Schwachsinnigkeit nicht mehr zu überbieten sind. Da ich der Meinung bin, dass jeder Trend aus den USA – for better or worse – zwangsläufig den Weg über den Atlantik schafft und in Europa Wurzeln schlägt, finde ich dieses Beispiel so interessant, weil es aufzeigt, wie hehre Ideale ad absurdum geführt werden können und welche Folgen das für die Gesellschaft im Ganzen haben kann.

Für die Input-Faulen unter euch gibt es auch einen erklärend illustrierten Ausschnitt aus seinem Vortrag, in dem er einige konkrete Beispiele zeigt, die eigentlich nur Kopfschütteln hervorrufen können. All jenen, die sich für so etwas interessieren, sei allerdings der Genuss der Vorlesung in voller Länge (ca. 40 Minuten, exklusive der Fragen der Zuhörer, Video am Ende des Posts) ans Herz gelegt, es lohnt sich wirklich!

In diesem Sinne: Begebt euch in eure Safe Spaces und genießt!

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Moloko – Sing It Back (Herbert’s Tasteful Dub) (1998)

by Kilian

Irgendwo zwischen meiner Klausurenphase (beginnend am Montag mit Kultursoziologie), der Sportschau und allgemeinem Maulwurfleben par excellence ist meine Prokrastinations- und Ablenkungsmethode der Wahl eindeutig das Schreiben und die Suche nach neuer Musik – nur momentan eben beschränkt auf kleine, sechzigminütige Einheiten, bevor das schlechte Gewissen doch wieder die Oberhand gewinnt.

Viele werden das Zusammenspiel aus Winterkälte, mangelndem Sonnenschein, Prüfungen, Isolation und Schwermut sicherlich mit den frühen Monaten des Jahres assoziieren und, um ehrlich zu sein, mir geht es nicht anders (wie ihr hier eventuell mitbekommen habt). Es ist Wochen her, dass ich das letzte Mal ausgelassen feiern war, geschweige denn mich in der Gesellschaft meiner über die ganze Republik verstreuten exil-bayerischen Freunde befunden habe. Zu realisieren, wie sehr ich bestimme Personen und die absichernde Wirkung eines sozialen Netzes vermisse, macht mir momentan sogar ehrlich zu schaffen. Wer weiß, vielleicht ändert sich das alles, wenn der Kopf wieder für ein paar Wochen frei von Studienstress ist und sich neue Impressionen und Bekanntschaften erst wieder wirklich ausbreiten können? Ich weiß es nicht. Fakt ist nur, dass mir ohne das gelegentliche und besonders in den vergangenen beiden Wochen akzentuierte Ventil des Schreibens und das damit verbundene Finden exquisiter Musik (Ihr wisst, dass ich meinen Musikgeschmack liebe, tut nicht so.), mit Sicherheit der Kopf platzen würde.

Die folgende Nummer übertrifft in dieser Funktion jedoch sogar meine Erwartungen: Groovy, verspielt, entspannt, deep, dubbig, durchdacht, dope. Mit einer Veröffentlichung aus dem französischen WM-Jahr 1998, erschienen via F-111 Records, greifen wir einmal weit nach hinten in die digitale Plattenkiste und finden einen Dub-Diamanten, wie er im Buche steht.

Sing It Back“ stammt ursprünglich von Moloko, einem britischen Duo, bestehend aus dem Produzenten Mark Brydon und der nicht ganz unbekannten Vokalisitin Róisín Murphy, welches seit seiner Gründung 1993 in Electronica- und Trip-Hop-Gefilden umherschipperte. Das, im Gegensatz zu der in der Folge vorgestellten Neuinterpretation, weitaus beschwingtere Original (welches eigentlich der Boris Musical Mix ist) findet ihr hier.

Doch richtet euren Fokus lieber auf „Herbert’s Tasteful Dub„, denn der Mix hat es, meiner bescheidenen Meinung nach, wirklich in sich: Gekonnt die markante Stimme von Miss Murphy aufgreifend und verarbeitend, verfeinert mit einer Prise Dub und unglaublich starken perkussiven Elementen, verwandelt sich „Sing It Back“ in der Variante von Matthew Herbert in eine wirklich komplett runde Sache. Vocals, die sich nicht aufdrängen, wohlig-warmer Bass und besagte Drums mit Groove ohne Ende – ein Treffer ins Schwarze.

Konträr zu meiner momentanen Situation brauche ich nun eigentlich nur noch Sonnenschein und wärmere Temperaturen, ein bisschen Schnee, zwei bis drei Cocktails, gute Leute, eine Tanzfläche und diesen Track – kommt alles noch dieses Jahr, da mache ich mir gar keine Sorgen.

via map.ache

Deutsch in Kaltland: Ein ganz normaler Januar

by Kilian

Würde man sich nach unserer nicht wirklich als stringent zu bezeichnenden, immerhin bereits vor über einem halben Jahr begonnenen Berichterstattung zu den Themen Rechtsextremismus, Refugees und Papa Staat und ihren Wechselwirkungen richten, könnte man glatt meinen, dass es irgendwie recht ruhig um diese drei Punkte der Tagesordnung geworden wäre.

Haha, das glaubt ihr doch selber nicht.

Auf unten eingebundener Karte seht ihr einen detaillierten, mit Presse- und Medienberichten fundierten Überblick über die Geschehnisse des Januars 2016 – eines einzigen Monats. Doch auch, wenn eine überwältigende Menge an Icons auf der Karte zu sehen ist, von denen jedes einzelne für eine Tat gegen Refugees, Journalisten, Politiker, Aktivisten oder Unbeteiligte steht: Dabei wurden explizit nur die Fälle aufgenommen, für die es belegte Quellen gibt – daher erheben die Ersteller der Karte (traurigerweise) auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ohnehin ist jede dieser Markierungen eine zu viel. Diese Taten rangieren von Hakenkreuzschmierereien – die verständnisvollere Geister auch gegebenenfalls als Dummejungenstreiche abtun mögen – über Anschläge mit Pyrotechnik oder Steinen auf Flüchtlingsunterkünfte bis zu 200 randalierenden Nazihools in Connewitz im Leipziger Süden, „ganz zufällig“ während sich ein beinahe ebenso ekelhafter brauner Mob unter dem Banner von LEGIDA in der eigenen Beschränktheit und Deutschtümelei sonnte.

Und die Reaktionen auf dieses Klima in Deutschland? Asylrechtsverschärfung, Gründung einer Sächsischen Hilfspolizei mit ganzen drei Monaten Ausbildung, den Pistoleras von der AfD und ihrem Schießbefehl an der Grenze, einer Bundes-CDU, die mehr oder minder auf offenem Konfrontationskurs mit ihrem Juniorpartner geht und einer Sachsen-CDU, die sich in dem ganzen Gewimmel aus aus drei Buchstaben bestehenden Abkürzungen auch irgendwie näher an der AfD befindet. Ganz schön deutsch hier, in Kaltland.

via NO LEGIDA / Die Kentrail-Verschwörung

Amotik – Che (2015)

by Kilian

Club-Abstinenz ist schon so eine Sache: Im Sinne eines produktiven und irgendwie auch erfolgreichen Studiums (oder mit was auch immer man seine Wochentage füllen darf) auf jeden Fall nicht die schlechteste Idee, für das eigene seelische und emotionale Wohlbefinden auf Dauer aber definitiv zu verurteilen. In zwei Wochen kann der Autor seine für die Klausurenphase selbst auferlegte zelebrative Askese, R’hllor sei Dank, endlich wieder beenden, doch zur Überbrückung den Zeh ab und an mal wieder in technoide Gewässer zu halten, ist ja immerhin etwas.

Ein ganz formidables Beispiel für einen der jüngeren Funde ist das vorliegende Stück von Amotik. Der in Berlin lebende Produzent, der über sein gleichnamiges eigenes Label seit vergangenem Jahr seine Musik veröffentlicht, besticht mit einem stringenten, stimmigen, treibenden und intelligenten Technosound, der auch zu mittäglicher Stunde die Füße in Wochenendmodus versetzt. Der bisherige Support von echten Größen des Games und die Beliebtheit seiner Veröffentlichungen bei den Vinylheads spricht für ihn – Answer Code Request, Ben Sims, Boris oder Lucy sind nur einige Beispiele dafür.

Che“ wurde im vergangenen November über das oben genannte Label veröffentlicht und ist die B1 der vier Tracks starken EP „Chaar„. Mit „Spacious & driving Techno trips“ ist die Scheibe von den netten Herren vom Fach bei Hard Wax extrem treffend und in aller Kürze beschrieben. „Che“ stellt hier keine Ausnahme dar: Mit klarer Marschrichtung nach vorne, Bässen von weit unten und einer alles in allem sehr runden Produktion macht der Track des Berliners zweifellos Lust auf mehr.

via dotwav

Deutschland, du Fotze: Jan Böhmermann gewinnt (mal wieder)

by Kilian

Till Schweiger ist an und für sich eine Person, der ich auf dieser Plattform kein Wort mehr als nötig widmen möchte. Mittelmäßiger Schauspieler, überbewertete Medienperson, Rechtschreibung eines Grundschülers – aber immerhin beachtet er sich selber als intellektuell.

Miserable cineastische Leistungen hin oder her: Heute startet, in der großen Tradition der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, revolutionäre Ideen zu haben, der Tatort „Tschiller: Off Duty“ als abschließender Teil eines Opus Malum mit Herrn Schweiger in der Hauptrolle in den deutschen Kinos. Ich kann mir wenig vorstellen, auf das ich eher verzichten könnte. Nur mit einer Sonnenbrille und einem Tropfen Parfüm hinter den Ohren bekleidet auf Acid am Royal Ascot teilnehmen vielleicht. Obwohl das, wenn man dem Gedanken eine Minute Zeit gibt, schon ganz witzig klingt und – so man denn solange Lust auf Pferderennen mit geöffnetem dritten Auge hat – im Vergleich mit dem Film sicherlich um einiges interessantere 134 Minuten (sic!) werden.

Mein Digitalsparten-Bruder im Geiste Jan Böhmermann (dessen zentrales Werk „Anleger frei“ jeder gesehen haben sollte, der etwas auf sich hält), der ebenfalls nicht der größte Fan des Freiburger Intellektuellen ist, nutzt einmal wieder die Gunst der Stunde und widmet sich mit gekonnten Spitzen den brennenden Fragen der Zeit. Was mit den Flüchtlingen anstellen? Was mit der AfD? Soll an der Grenze auf Till Schweiger und seine Kinder, oder doch nur auf Frauen geschossen werden?

Fragen über Fragen, die der Voltaire Vegesacks zusammen mit seinem Team zu beantworten weiß. Der brandneue, actiongeladene Trailer macht auf jeden Fall Laune auf die neue Staffel des Neo Magazin Royale, welche heute Abend mit Sarah Kuttner als Gast (Gästin? Ich möchte ja nicht misgendern.) im Zweiten Deutschen Internet und bei ZDFneo startet. In diesem Sinne: Open your hearts and minds for Jan Böhmermann in „Deutschland: Off Duty„!

via Werben & Verkaufen

Im Osten nichts Neues? Sagt hallo zum HER DAMIT 2016!

by Kilian

In den Tiefen der winterlichen Prüfungsphase scheint so manchem Studenten – den Autor dieser Zeilen inklusive – nicht nur ein Aufwärtstrend der Temperaturen, sondern Musikbegeisterten auch besonders die Festivalsaison im anstehenden Sommer so etwas wie das gleißende Licht zu sein, auf das sich die ganze Chose mit diesem 2016 hinbewegt. Wer schwelgt nicht ohnehin, unabhängig der Jahreszeit, gerne in Festivalerinnerungen? Von großen Institutionen des Games bis zum Geheim-Tipp – wer musikalisch etwas auf sich hält, sollte beides auf jeden Fall einmal mitgemacht haben. In Zeiten fortschreitender Kommerzialisierung und eines sich abzeichnenden Qualitätsverfalls bei hier nicht weiter definierten Größen der sommerlichen Musikbespaßung ist die Suche nach dem neuen Lieblingswochenende für manch einen gar nicht so einfach. Ob es in diesem Fall so weit gehen sollte, zeigt für Backinthedaze. erst der Mai, aber eine Kennenlernrunde und die Aufmerksamkeit der lieben Leserschaft ist unser heutiger Kandidat auf jeden Fall wert.

Her mit dem schönen Leben! Unter diesem Titel feierte das Festival 2014 in Prora auf Rügen Premiere und bewies auch im vergangenen Jahr (unter neuem Titel und mit verändertem Team) als HER DAMIT mit Acts wie Oskar Offermann & Edward, Andrea, Job Jobse, Stenny, Dario Zenker oder Levon Vincent schon einmal ordentlich Geschmack. Die Festival-Location, die, eingebettet zwischen Wald und Strand – eine Vorstellung, die jedem, der sich, wie der Autor, bereits auf den kommenden Mai freuen darf, einen wohligen Schauer den Rücken hinunter jagen dürfte – zum idyllisch-exzessiven Tanzen und Feiern einlädt, ist auf jeden Fall ein dicker Pluspunkt und ein echter Grund für jetzt schon unruhige Füße. Das Aftermovie der vergangenen Ausgabe des HER DAMIT hat die schöne Kombination aus imposanten, geschichtsträchtigen KdF- und DDR-Prestigebauten, Ostseebrise und elektronischer Ekstase zweifellos ganz wunderbar eingefangen:

Bilder, die definitiv Lust auf mehr machen! Backinthedaze. wird – s/o an das Team vom HER DAMIT, vielen Dank! – in diesem Jahr, vom 27. – 29. Mai in Prora auf Rügen live für euch vor Ort sein und unser Möglichstes tun, alle Details dieser schon allein den Bewegtbildern nach besonderen, ganz eigenen Atmosphäre einzufangen und danach in Worte zu fassen.

Falls Bedarf für weitere Infos, Details zur sehr interessanten „doppelten“ Geschichte, Bildern und Impressionen aus dem vergangenen Jahr oder natürlich Tickets besteht, findet ihr das alles auf der offiziellen Festivalwebsite:

www.herdamitfestival.com

Und ganz nach dem Motto „save the best for last“, hier noch das vollständige Line-Up für das HER DAMIT 2016 – für jeden Geschmack etwas und natürlich auch für den Geschmack des Autors einige echte Schmankerl dabei. Angefangen von A wie Ateq bis über K wie Kobosil bis V wie Vril (live), erweitert durch Global Player wie DVS1 oder Recondite (live) und dazu noch eine schöne Portion Leipzig mit Manamana, Perm (live), Steffen Bennemann und Credit 00: Das Line-Up kann sich sehen lassen! Floorfreude!

ABDRE | ATEQ | BAMBOUNOU | BERG | CINDY LOOPER | CINTHIE | COMMON SENSE PEOPLE (KONSTANTIN SIBOLD & LEIF MÜLLER) | CREDIT 00 DANIELA LA LUZ | DVS1 | ELISABETH | EPIKUR | EROBIQUE | HELGE MISOF  HIVER | JOHANNA KNUTSSON | JONAS LANDWEHR | KARENN LIVE
KARIM | KOBOSIL | LEO KÜCHLER | LETON | MANAMANA | MARCUS WORGULL | MEGGY | ND_BAUMECKER | PERM LIVE | RECONDITE LIVE | REGEN | RNDM | SANDRIEN | SOMEWHEN LIVE | STEFFEN BENNEMANN | STEREOSCOPE | TIJANA T | URBANOWSKI | UTA | VRIL LIVE

Fotos: © Nadia Cortellesi / www.naadiaa.cc