Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: Januar, 2016

Gigi Masin – The Nylon Dollar (2014)

by Kilian

Das Gegenteil rigoroser Repression ist – das lehrt uns die Erfahrung – im Normalfall exzessive Überkompensation. Auch Aristoteles hat mit der Mesotes-Lehre diesem Umstand Rechnung getragen und bereits vor zwei Millennia erörtert, dass man sich zum eigenen Wohl und dem Wohl aller niemals an einem Laster im Extrem, sondern im berühmt-berüchtigten „gesunden Mittelmaß“ bewegen sollte. So liegt beispielsweise die Tugend (griech.: ἀνδρεία / andreia) irgendwo in dem großen Feld zwischen Tollkühnheit und Feigheit und gilt (mit ihr das tugendhafte Leben) als erstrebenswerter Zustand – eine Aussage, der hoffentlich alle zustimmen können. Die goldene Mitte, du weißt.

Wie ich darauf komme? Nun ja, um ehrlich zu sein: Mir reicht’s langsam. Nicht so, dass sich etwas angestaut hätte und ich bald platze, einfach nur ein Gefühl der Erschöpfung und der Wunsch danach, dass es vorbei ist. Auch wenn ich durch höchst willkommenen Besuch aus der Heimat diese Woche eigentlich zweieinhalb Tage Pause vom Lern-, Lese- und Zusammenfassungsstress bekommen habe, so ging mein Wochenende nun (natürlich auch dank meines inneren Schweinehunds, zu dessen Überwindung ich mich gezwungen habe) dank meine Studiums zum erneuten Mal flöten und an diesem schönen Sonntag komme ich nicht umhin, mich zu wundern, ob ich nicht gestern bei Marcel Dettmann in der Distillery hätte sein sollen – Stichwort Dampf ablassen und so. Mein von Kultursoziologie dröhnender Kopf von gestern Nacht setzt sich heute ohne merkbare Unterbrechung fort und obwohl ich mich an sich recht gut vorbereitet und fleißig fühle, kann ich das Ende meiner Klausurenphase Mitte Februar kaum erwarten, wenn ich das schlechte Gewissen und den ganzen Grown-Up-Kram wieder ein paar Wochen in den Keller sperren kann.

Zu meiner jetzigen Gemütslage – alleine, rote Augen und bei Sonnenschein in meinen eigenen vier Wänden – passt nichts besser als Ambient, um sich wenigstens einen gewissen sonntäglichen State of Mind in den Kopf zu holen. Man ist so Rave wie man sich fühlt, ihr kennt das ja.

Langer Rede kurzer Sinn: Entspannung ist das Wort der Stunde und die passende Untermalung dankbarerweise zur Hand. Veröffentlicht wurde das vorliegende Stück 2014 auf einer einem konkreten Künstler gewidmeten Compilation über Music From Memory aus Amsterdam und im Speziellen auf einer Doppel-LP mit dem gewissen Etwas. Denn „Talk To The Sea“ ist weit mehr als ein reguläres Album: Denn Gigi Masin, der Künstler, dessen über 30jähriges Schaffen mit dieser 17 Tracks starken Kollektion und dem langsamen, aber eindrucksvollen Wiederauftauchen seiner Musik recht späte Bekanntheit erfährt, verdient, wie ich denke, mit dieser Nummer ein paar Minuten eurer Aufmerksamkeit – es soll euer Schaden nicht sein.

Der 1955 geborene und seit Anfang der 1970er Jahre als Musiker und Radio-DJ tätigte Venezianer hat mit seinem frühen Ambient-Werk „Wind“ von 1986 eine der schönsten und vielfältigsten elektronischen Spielarten zumindest mitbegründet. Doch kommerzieller Erfolg war dem Italiener in seinem Opus bisher nicht beschieden, was mit der Insider-Bekanntheit seiner Musik wunderbar kontrastiert.

Auch „The Nylon Dollar„, über dessen originäre Entstehungszeit ich leider nichts in Erfahrung bringen konnte, liefert Ambient, wie er im Buche steht. Stark reduziertes Tempo, intelligent undurchsichtige, verschlungene Drums, sphärische, zum darin Verlieren einladende Synths, großartige Harmonien und dieses wohlig-warme, diesem besonderen Subgenre eigene Feeling. Sonntag eben.

via Inverted Audio

Huerco S. – Untitled (TRP’s Acid Cut) (2015)

by Kilian

„Selten ist der Mensch produktiver, als wenn er sich mit Musikrecherche im Internet von seinen Verpflichtungen in Form von mittelalterlicher Geschichte ablenkt“ – das sagte bereits, so oder so ähnlich, Karl Marx im Jahre 1848. Dass der Urvater des Kommunismus und der wohl einzige Mensch auf Erden, der Hegel nicht für ein unverständliches Arschloch hält, schon im 19. Jahrhundert Recht hatte und auch im 21. Jahrhundert Recht behalten sollte, beweist der heutige Sonntagabend.

Denn wie so oft, wenn man eigentlich „wichtigeres“ zu tun hätte, stolpert man mir nichts, dir nichts, über etwas Wunderbares. Auch wenn sich meine Wochenenden seit dem Jahreswechsel durch eine ungewohnten Ruhe und wenig Anstrengung – partywise, you know – kennzeichneten, so gibt es doch kaum einen schöneren Anlass als gute Musik, um die ewige Lernerei einmal zu unterbrechen.

Huerco S., seines Zeichens aus Kansas stammender und in Brooklyn, New York City, beheimateter Künstler mit seiner ganz eigenen Handschrift und seiner ganz eigenen Herangehensweise an das Thema Techno, ist ein Name, der in den vergangenen Jahren öfter auf sich aufmerksam machte. Mit seiner umtriebigen Art des Produzierens und Mixens auf jeden Fall ein Qualitätsgarant des so genannten Untergrunds. Das Original des im verganenen Jahr hier neu interpretierten Tracks veröffentlichte der US-Amerikaner bereits im Jahre 2012 auf seiner EP „No Jack“ über das ukrainische Label Wicked Bass.

Das Remix Treatment stammt in diesem Fall von TRP aus Heilbronn: Hinter dem Akronym verbirgt sich mit David Willenberger ein höchst interessanter junger Künstler, der bisher, trotz seiner Verbindung zu unseren Sweethearts von Lobster Theremin, lediglich auf der „Existential Sonics“ EP aus dem Hause Appian Sounds releast hat. Doch keine Sorge, von ihm wird man sicherlich noch mehr hören. Ein erstes Argument, um dieses Statement zu unterfüttern, ist der folgende Remix zu einem der zahlreichen „Untitled“ von Huerco S.

TRP’s Acid Cut„, veröffentlicht via Soundcloud mit der sympathisch-lapidaren Bemerkung „illegal edit“, ist als Remix genau das, was man sich in einer Phase der Überforderung im Club wünscht: Eine hypnotische Bassline, viel Fläche in den Synthesizern und eine harmonische Akkordstruktur zum Augenschließen und Treibenlassen. Betörend, tanzbar, trippy, überzeugt. Auch wenn ich erst – so das denn klappt und mir nicht vorher der Schädel platzt – in einigen Wochen erst wieder einen Club von innen sehen werde, so schließt diese Nummer meinen Sonntag doch wirklich formidabel ab. Und ich kann mittelalterliche Geschichte mittelalterliche Geschichte sein lassen. Danke dafür!

via Tissu

Andrea – Passage (2013)

by Kilian

Nach bald neun Jahren Labelarbeit kann man das Münchner Label Ilian Tape getrost als Qualitätsschmiede bezeichnen. Angeführt von den Posterboys der Münchner Technoszene, die von Release zu Release, von Set zu Set, von Auftritt zu Auftritt einfach nur abliefern, den kongenialen Zenker Brothers Marco und Dario Zenker, haben die beiden einige der interessantesten und überzeugendsten Acts in ihrem Roster versammelt, die so langsam aber sicher auch endlich von Szene und Kritik die Anerkennung erfahren, die ihnen zusteht.

Zu diesen Artists gehört zweifelsohne Andrea aus Turin. Der 29jährige Italiener überzeugt der bescheidenen Meinung des Autors dieser Zeilen nach sowohl mit seinen Sets, seinen Live-Auftritten – Beweisstück A – und seinen eigenen Produktionen. Die vorliegende Nummer war die B1 seines dritten von mittlerweile fünf Releases auf Ilian Tape, der EP „Vostok Smokescreen“ aus dem Jahr 2013, welche er mit dem hier nicht ganz unbekannten und nicht minder qualitativen Labelkollegen Stenny zusammen veröffentlichte. Mit der dem Künstler eigenen Herangehensweise und Mischung aus Techno, flächigen Synthies und einem sehr breaklastigen Sound fügt sich „Passage“ problemlos in einen immer stärker werdenden musikalischen Katalog ein, der momentan von der im vergangenen September EP „Outlines“ angeführt wird, veröffentlicht selbstverständlich via Ilian Tape. 2015 wurden die Zenker Brothers, ihr Label und die mit ihnen assoziierten Artists von der Kritik zu Recht großartig aufgenommen, doch 2016 und in den Jahren darauf dürfte aus München und, wie wir hoffen, auch aus Turin von Andrea noch eine ganze Menge mehr zu hören sein.

via Zenker Brothers

 

Straight outta space: The Claypool Lennon Delirium – Cricket And The Genie

by Kilian

Ein interessanter Aspekt der menschlichen Fortpflanzung ist zweifellos die Tatsache, dass in der genetischen Lotterie – rein theoretisch – jeder die gleichen Chancen hat, doch nichtsdestotrotz manche einfach näher am Jackpot landen als andere. Manche haben optisch den Volltreffer gelandet (Scarlett Johansson), manche intellektuell (Sam Harris), bei manchen sind die besten Eigenschaften ihrer Eltern kombiniert zum Vorschein gekommen (Ana Kasparian) und bei wieder anderen weiß keiner so genau, was passiert ist (Jaden Smith). In glücklichen Fällen hat die DNA dem armen Homo sapiens sapiens hingegen keinen Streich gespielt und einer der Interpreten des folgenden Stückes ist definitiv einer davon.

Auch wenn die Musik, Kunst, Geschichte, der Einfluss, die Auswirkungen und für manch einen Hardliner-Fan sicher auch die alleinige Existenz von Yoko Ono Grund für stundenlange, kriegsähnlich geführte Diskussionen sein dürfte, so ist – hätte, wollte, könnte hin oder her – passé nun einmal passé. Doch auch wenn die exzentrische Japanerin viel weirden Kram produziert hat, so gibt es doch mindestens eine Ausnahme. Aus ihrer Ehe mit John Lennon, zu dem ich hier wahrlich kein Wort zuviel verlieren werde, ist im Jahre 1975 nämlich ihr gemeinsamer Sohn Sean Taro Ono Lennon oder kurz Sean Lennon hervorgegangen, der aus dem großen Gencocktail seiner Eltern genau die richtige Mischung aus Weirdness und musikalischer Genialität abbekommen zu haben scheint.

Der seit 1998 solo von der Kritik teilweise in höchsten Tönen gelobte Musik veröffentlichende Multiinstrumentalist, der unter Anderem seinen musikalischen Ouput auch im Rahmen der Duos Mystical Weapons und Ghost Of A Sabre Tooth Tiger präsentiert und musikalischen Eklektizismus par excellence abliefert, hat sich dieser Tage mit einer weiteren schillernden Personalie des Rock’n’Roll zusammengetan: Les Claypool. Der Bassvirtuose und Frontmann von Primus – selbst dem unbewandertsten Leser dürfte die Band vom legendären Theme zu South Park bekannt sein – ist ein anderes echtes Kaliber des Musikbusiness. Mehr zu seiner Person und seiner Band Primus findet ihr in einem der nächsten Posts, der sich einem Wahnsinnsstück aus ihrer umfangreichen Diskografie widmet. Jedem, der extremes musikalisches Talent und Können am Instrument zu schätzen weiß, dem sei die Musik von Primus allerdings hier schon einmal wärmstens ans Herz gelegt.

Wie dem auch sei, zwei extravagante Musiker treffen bei einer gemeinsamen Tour im Sommer vergangenen Jahres aufeinander, jammen ein paar Mal und werfen dann in endlosen Stunden voller Rotwein, Pilzen und Kongenialität, wie sie selbst sagen, „musical pasta at the walls.“ Das Projekt trägt nun den Titel The Claypool Lennon Delirium und mit „Cricket And The Genie“ ist dieser Tage die erste Hörprobe erschienen, die mit einer Menge Fuzz, zahlreichen Reminiszenzen an 1960er Jahre Garage und Psych-Musik und zwei exzellenten Instrumentalisten aufwartet. Sean Lennon macht mit der folgenden Aussage gegenüber dem Rolling Stone dem geneigten Connaisseur definitiv schon den Mund wässrig: „The Claypool Lennon Delirium will (gently) melt your face with heart-pounding low-frequency oscillations and interdimensional guitar squeals. We look forward to seeing you very soon.“ Dringende Hörempfehlung!

via Les Claypool

Der Plusmacher – Kassenschluss (feat. Pierre Sonality) (2012)

by Kilian

Wenn ein Vertreter der deutschen rappenden Zunft in den vergangenen Jahren durch Authentizität, perverse Beats und überragende Features auf mehreren eigenen Releases auf sich aufmerksam gemacht hat, dann wohl der Plusmacher aus Magdeburg. Klar, diese recht vage Beschreibung lässt sich auch für einige seiner Kollegen adaptieren, doch bei keinem deutschen Emcee ließ sich, abseits des Mainstreams, eine solche Qualitätskonstanz bis hin zur Qualitätssteigerung beobachten. Angefangen bei der „Bordsteinwirtschaftslehre2012 über die „Freie Schwarzmarktwirtschaft“ 2014 ist der wohl profilierteste Schnauzbartträger der Szene 2016 bei der Ernte der Früchte seiner Arbeit angekommen und hat sich seinen Deal bei Xatars Kopfticker Records redlich verdient. Auch wenn ich bisher noch nicht dazu gekommen bin, mir „Die Ernte“, welches seit vergangenem Freitag erhältlich ist, in seiner Gänze zu Gemüte zu führen, so haben mich bereits die Videoauskopplungen – allen voran „Brusthaare“ – vollends überzeugt. Der Start ins Rapjahr 2016 sollte dürfte deutschem Rap auf jeden Fall gelungen sein.

Doch ganz im Sinne des Titels unserer schönen Plattform begeben wir uns vier Jahre zurück und finden dort einen ausgereiften Featuretrack zweier mehr als überzeugender deutscher Emcees, der nach wie vor Spaß macht und der Nackenmuskulatur keine Ruhe lässt. Bordsteinrap mit Attitüde vom Plusmacher und Funkverteidiger-Mastermind Pierre Sonality auf einen Beat von Marcus B. (R.I.P.) – was soll da schon schief gehen? Für weak Rap ist zwar 2016 leider doch noch nicht „Kassenschluss„, doch mit dem besten Paff schon irgendwie auszuhalten. Auch vier Jahre nach diesem mit Fug und Recht als Untergrundklassiker zu bezeichnenden Track präsentieren sich die beiden Emcees real, ruff, rugged’n’raw und ich freue mich schon tierisch auf meine freie Zeit, um mir die aktuellen Scheiben der beiden Rapper zu Gemüte zu führen.

via Funkverteidiger

Toto Bona Lakua – Lisanga (2004)

by Kilian

Schlicht und ergreifend einmal unterstellend, dass sich der Großteil unserer Leserschaft wohl ziemlich sicher aus dem studentischen Milieu speist, brauche ich den meisten wohl nicht zu erzählen, dass Ende Januar nicht wirklich die beste Zeit ist, sich anderen Projekten eben dem Studium zu widmen – vor allem, wenn man nach einem bereits in den Sand gesetzten Studienversuch endlich einmal zu Potte kommen möchte. Nichtsdestotrotz habe ich mir nun vorgenommen, wenigstens am Ende eines jeden langen Studientages noch einen Beitrag auf dieser unserer kleinen Plattform zu veröffentlichen und hoffe inständig, dass ich das die nächsten vier Wochen auch durchziehen kann. Keep your fingers crossed!

Von besagtem langem Studientag auch heute mehr als geschafft und in Abwesenheit von Meditation Medication möchte ich wirklich jede Form der Aufregung vermeiden und auch der Soundtrack dazu muss sich natürlich dieser Stimmung anpassen. Umso besser, dass einer meiner liebsten Podcasts – „Tangentially Speaking“ mit dem von mir über alle Maßen geschätzten Dr. Christopher Ryan, (Co-)Autor des New-York-Times-Bestsellers „Sex at Dawn“ – mich vor etwa zwei Wochen auf einen betörend schönen Track gebracht hat, den ich an dieser Stelle mit euch teilen möchte.

Es ist eine unvergleichliche Qualität der Musik, dass Instrumente, Rhythmus und Stimme, auch ohne jegliche Kenntnisse musikalischer Theorie oder in diesem Fall sogar des Textes, eine unglaubliche Fülle an Emotionen hervorrufen können. Die vorliegende Nummer, welche erstmals im Jahr 2004 auf der Compilation „Music From The Chocolate Lands“ über das Label Putumayo Music veröffentlicht wurde, weckt in mir Assoziationen, welche unglaublich schwer in Worte zu fassen sind. Das Zusammenspiel der drei Sänger und Multiinstrumentalisten Gerald Toto aus Frankreich, Richard Bona aus Kamerun und Lokua Kanza aus dem Kongo, aus deren Namen sich der Name der Combo, Toto Bona Lokua, zusammensetzt, „really hits close to home“, wie der Engländer sagt. Auch wenn ich – wie wohl die meisten unter euch und uns – kein Wort des Textes verstehe, so ist „Lisanga„, so der Titel dieses wunderschönen Stücks, eine perfekte Eurhythmie, die sich punktgenau irgendwo zwischen Entspannen, Schwelgen, Davontreiben und sentimental Werden einpendelt und für mich nur mit einem Wort zu beschreiben ist: Unbeschreiblich. Unzählige Instrumente und drei überragende Stimmen finden hier zusammen wie drei Teile eines bezaubernden Puzzles.

Weltmusik bzw. World Music ist nun wirklich nicht mein angestammtes musikalisches Metier, aber falls dieses unglaublich vielfältige Genre noch mehr solcher Perlen beinhaltet, immer her damit. Ich verabschiede mich in meine wohlverdiente Nachtruhe – aber nicht, ohne vorher noch mindestens zehnmal auf Repeat zu drücken.

P.S.: Auch Chris Ryans Gäste in dieser Episode des Podcast, die ein mit dem starken afrikanischen Psychedelikum Iboga/Ibogain arbeitendes Zentrum zur Bekämpfung von Suchterkrankungen leiten, sind eure Zeit auf jeden Fall wert.

gehört in Tangentially Speaking with Dr. Christopher Ryan, Episode 159

Crooklyn Dodgers – Crooklyn (Figub Brazlevič Remix) (2013)

by Kilian

Auch wenn der wohl polarisierendste zeitgenössische Rapper, dessen Name an dieser Stelle ungenannt bleiben soll, gerne nicht nur als G.O.O.D (Greatest of our day) sondern gerne auch als G.O.A.T. (Greatest of all time) betrachtet werden möchte und sich dementsprechend zu inszenieren versucht – musikalische Qualität und Aussagekraft seien dahin gestellt – so gibt es definitiv mehr als einen Emcee, die diese Titel eher verdient hätten. Nicht nur für die Ostküste kommen dem geneigten Raphead sicherlich einige Namen in den Sinn, seien es nun Rapper, Produzenten oder auch nur kurzlebige Kollaborationen – nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen will gelernt sein. Um das Ganze jedoch von der rein personellen Ebene wegzubringen: Teilweise muss es auch nur ein einziger Track sein, um sich ein für alle Mal im kollektiven Szenebewusstsein einzubrennen.

Ein Exemplar aus exakt dieser Kategorie ist zweifellos der für Spike Lees 1994er Streifen „Crooklyn“ entstandene Titeltrack des gleichen Namens, hinter dessen exorbitant guten und mittlerweile zu Recht als Klassiker geltenden Zeilen und Beats die nicht minder starken und verdienten Emcees Masta Ace, Buckshot und Special Ed am Mikrofon (a.k.a. The Crooklyn Dodgers) und der gute alte Q-Tip von A Tribe Called Quest am Beat stecken. Der mittlerweile über zwanzig Jahre alte Track bekam also das Remix Treatment des Mannes, der wohl wie kein anderer den selbst kreierten Spirit der Oldschool Future zelebriert: Figub Brazlevič. Ein Produzent, zu dem ich an dieser Stelle nichts weiter sagen möchte und dessen Musik ohnehin für sich selbst spricht. Wer ihn kennt, für den ist keine Beschreibung nötig, wer ihn nicht kennt, hat viel aufzuholen.

So treffen also ein unangefochtener New Yorker Boom-Bap-Classic und einer der stärksten und authentischsten zeitgenössischen Produzenten aufeinander und das Ergebnis präsentiert sich als die Summe seiner Teile und doch viel mehr. Ein Original, mit dem man – so man sich seiner eigenen Treffsicherheit halbwegs bewusst ist – ohnehin nicht allzu viel falsch machen kann, gepaart mit einer der dopesten musikalischen Handschriften unseres Landes. Überzeugt!

via Masta Ace

Zeig dem Winter die warme Schulter: One Warm Winter geht in eine neue Runde

by Kilian

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Der seit dem Jahreswechsel hier andauernden Funkstille wird endlich ein Ende gesetzt: An dieser Stelle nochmal allen Lesern und solchen, die es werden wollen, ein frohes Neues und s/o an 2015, ging schon klar! Jetzt aber bitte ein bisschen schneller, einmal durch die Prüfungsphase und ein bisschen Frühling, bitte, danke.

Womit wir auch gleich beim Thema wären: Nur, weil jetzt die Silvesterkater mittlerweile abgeklungen und die Serotoninspeicher wieder aufgefüllt sind, heißt das nicht, dass der Winter sich momentan in vielen Teilen der Republik permanent von seiner Schokoladenseite zeigen würde. Ganz im Gegenteil – wer schon einmal im Winter eine Nacht im Auto oder gar im Freien verbracht hat, weiß, das damit nicht zu spaßen ist.

OWW_OliSchulz

Nichtsdestotrotz ist eben das laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) für 39 000 Menschen in Deutschland traurige Realität, welche als obdachlos gelten. Doch die Zahl der tatsächlich Wohnungslosen, wozu auch Menschen in Notunterkünften und Wohnheimen sowie Asylbewerber und Refugees zählen, wird von der BAGW noch weitaus höher eingeschätzt, mit einem Trend, der nichts Gutes verheißt – bis 2018 wird die Zahl ihren Schätzungen nach von 335 000 im Jahr 2014 auf 540 000 ansteigen.

Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen auf der Straße leben (müssen) und sich die Zahl derer, die dies aus eigener Entscheidung tun, sicherlich massiv in Grenzen hält. Aus unglücklichen Umständen werden in Zeiten von steigenden Mieten, Gentrifizierung und mangelndem sozialen Wohnraum ganz schnell noch unglücklichere Umstände und diese Menschen sind wirklich auf jede Hilfe angewiesen.

Daher ist es schön, dass mit „One Warm Winter – Das Leben ist kein U-Bahnhof“, einer gemeinsamen Aktion der DOJO Werbeagentur mit der sozialen Berliner Straßenzeitung strassenfeger, eine wirklich gute Aktion auch 2016 in eine neue Runde geht. Denn wie bereits erwähnt, fehlt es in Deutschland tausenden Menschen in den kalten Wintermonaten an warmer Kleidung und einem Dach über dem Kopf. Bereits im sechsten Jahr widmet sich One Warm Winter daher dem Ziel, allen ohne festes Zuhause – in diesem Jahr selbstverständlich auch allen Refugees und Asylsuchenden – ihre Hilfe zukommen zu lassen. Den Rest des Beitrags lesen »