Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: Oktober, 2015

Hood Morning: Flo Filz – Basement Jazz (feat. Blu)

by Kilian

Auf jazzig-smoothen Beats und mit nickendem Kopf in Richtung Wochenende: Der Freitagmorgen könnte wesentlich schlechter beginnen. Denn ein umtriebiges, von echten Connaisseuren betriebenes und geschätztes Label hat es geschafft, einen der interessantesten Emcees des US-amerikanischen Games mit einem der hervorragendsten Produzenten Deutschlands zusammenzubringen, wissend, dass die Kombination vollkommen aufgehen würde – quod erat demonstrandum.

Vielen wird der Name Blu wohl besonders durch sein überragendes Debüt-Album mit Exile – und die vielen weiteren Releases dieser kongenialen Kooperation – ein Begriff sein, „Below The Heavens“ aus dem Jahr 2007. Mit zahlreichen Mixtapes und Studioalben kann Blu mit Recht als einer der verdientesten, vielfältigsten und aktivsten Rapper dessen bezeichnet werden, was gemeinhin als Underground gilt. Das neueste Projekt des Rappers aus Los Angeles, das Album „Bad Neighbor“ mit den beiden West-Coast-Veteranen MED aka Medaphoar und Madlib, was eine höchst interessante Veröffentlichung zu werden scheint und ab 30. Oktober in den konventionellen und digitalen Plattenregalen stehen wird.

Für die hochwertige Instrumentalisierung von „Basement Jazz“ sorgt auf der anderen Seite der Booth ein Produzent aus Deutschland, der eines beachtenswerte Konstanz in der Qualität seines Outputs vorweisen kann: Flo Filz. Der Aachener, der mit seinen erstklassigen, jazzigen, samblebasierten Beats bereits eine Menge Emcees glücklich gemacht hat, bringt mit „Speak Thru“ am 4. Dezember diesen Jahres sein neues Album auf Jakarta Records heraus – Vorfreude ist also durchaus berechtigt. Auch der vorliegende Track des neuen Albums, das unter Anderem auch noch JuJu Rogers als Featuregast begrüßt, macht es sich in Flo Filz‘ mit smoothestem Jazz ausgekleideten Klangbett gemütlich und verschmilzt mit den Lines von Blu zu einer überzeugenden Einheit.

via Gibmafuffi

Jaws? Dropped: Usman Riaz, Preston Reed und die Perfektion perkussiven Gitarrenspiels

by Kilian

„Sieht man auch nicht allen Tagen“ – nichts würde hier besser passen, als dieser, aus einem YouTube-Video in den popkulturellen und Szenesprech übergegangene, die tiefe Bewunderung des Protagonisten ausdrückende, Satz. Zwei Gitarristen aus unterschiedlichsten Generationen und Regionen der Welt, die eben durch dieses Medium verbunden wurden, demonstrieren im unten stehenden Video ihre extravagante Qualität an den sechs Saiten und allem anderen, was so dazugehört.

Aufgenommen im Jahr 2012, entstand dieses Video im Rahmen der TEDglobal Conference im wunderschönen Edinburgh, Schottland. TED – für jene, denen dieser Begriff unbekannt sein sollte – steht für „Technology, Entertainment, Design“ und dahinter verbirgt sich neben einer internationalen Konferenzreihe zu den genannten Themen (aber auch vielen mehr) auch ein Provider erstklassigen, informativen, digital und audiovisuell aufbereiteten Contents, den man in dieser Fülle, Diversität und Qualität nicht schnell ein zweites Mal findet. Besonders werden diese TED Talks über die TED Radio Hour auf NPR im Radio oder als Podcast verfügbar gemacht oder in beeindruckenden Videos von TED-Konferenzen aus aller Herren Länder online präsentiert, die teilweise über zehn Jahre zurückreichen. Doch dem Wissensdurstigen sei direkt ans Herz gelegt: Suchtgefahr!

Usman Riaz, seines Zeichens Empfänger des TEDGlobal Stipendiums, ist ein junger Musiker aus Pakistan, der 2011 mit einem Video zu seinem Song „Fire Fly“ auf YouTube viral ging und sein Können einem Millionenpublikum demonstrieren konnte. Angeeignet hatte er sich die (seinerzeit) revolutionäre und beeindruckende perkussive Spielweise über Videos seines großen Idols Preston Reed, der als Begründer dieser experimentellen Nutzung des Saiteninstruments gilt. 2012 standen die beiden also gemeinsam auf der Bühne und dort zeigen Lehrling und Meister in etwas mehr als einer Viertelstunde, wie viel tiefer der Begriff „Gitarre spielen“ eigentlich noch reicht und erläutern zwischendurch, wie ihre individuelle Klasse entstand. Genial!

Public Service Announcement: Bitte rücken sie mit ihrem Schreibtischstuhl 25cm nach hinten, dass ihr Kinn nicht mit der Tischplatte kollidiert. Wir übernehmen keine Haftung für die entstandenen Schäden.

via TED

Move forward: Shanti Celeste – Being

by Kilian

Shanti Celeste. Hinter diesem Namen verbirgt sich so einiges: Die junge Dame mit chilenischen Wurzeln, die in Bristol in England beheimatet ist, hat ihre eigene Show bei NTS Radio, ist Labelchefin von BRSTL, DJ und Produzentin und veröffentlicht seit zwei Jahren neben ihrem eigenen Label auch über Secretsundaze oder Idle Hands. Ihre EP „Being / Good Spirits“ erscheint im November als ihr erstes eigenständiges Release auf Future Times – das Label des DJs und Produzenten Max D aus den USA – nachdem Miss Celeste bereits auf der dritten Edition ihrer Compilation „VIBE“ mit dem Track „Strung Up“ vertreten war.

„Being“, die A-Seite der anstehenden EP von Shanti Celeste steht ganz im Zeichen von absolut tanztauglichem Power House – Four-To-The-Floor par excellence, könnte man sagen. Treibende Dancefloortauglichkeit mit der genau richtigen Prise Enstpannung, um sich in ihr zu verlieren. Die dumpfe, simpel gehalten Bassline, die von peitschenden Snares und Claps unter steter Begleitung der offenen Hi-Hats durchbrochen wird, parallel zu einer sanften, sphärischen, synthetischen Klangwolke und druckvoller Intonation an den Breaks, diese eklektischen, doch nicht genau zu benennenden Referenzen an alles, was elektronische Tanzmusik so schön macht – Shanti Celeste trifft mit „Being“, welches im Rahmen der Boiler Room Debuts heute auf Soundcloud veröffentlicht wurde, genau ins Schwarze.

(Direktlink)

Back to Business: Gucci Mane – I’m The Shit (Wandl Remix)

by Kilian

Ein herzliches „Good Morning Vietnam“ nun auch aus dem wunderschönen Leipzig, die Blogosphäre hat uns wieder! Nach wochenlangem Struggle befinde ich mich wieder im Bobbycar auf dem Standstreifen der Datenautobahn, durchstreife das Internet nach leichter Beute und gebe große Batzen Senf auf den Tellerrand, über den ich angeblich hinausschauen soll – business as usual also, meine Freunde. Und zu meiner großen Freude und hoffentlich eurem Vergnügen war der Streifzug, der mich netterweise von einer Einführung in die Kultursoziologie abgelenkt hat, mehr als erfolgreich.

Aus dem schönen Österreich, dessen musikalische Qualitäten ja jüngst bereits in Bezug auf düsteren Techno zur Sprache kamen, kommt heute ein extrafeines Schmankerl des hippenden und hoppenden Genres. Auch wenn der geremixte Artist, Gucci Mane, der momentan bis 2017 im United States Penitentiary wegen Waffenbesitzes eines verurteilten Verbrechers in Terre Haute, Indiana sein Dasein fristet, nicht gerade zu meinen Favoriten des zeitgenössischen US-amerikanischen Hip-Hop-Business gezählt werden kann, so macht doch ein netter junger Herr aus St. Pölten mit seinem Remix so einiges richtig.

Servus, Wandl der Name! Der Produzent, der besonders durch seine Beats für den König der Alpen, Crack Ignaz, in den engeren Fokus der deutschsprachigen Hip-Hop-Fans gekommen ist, verleiht dem King of Trap mit seinem Remix zu „I’m The Shit“ (großartiger Titel) ein entspanntes, jazziges Gewand, das die Verses von Gucci Mane und Black Magic – so materialistisch simplifiziert sie stellenweise auch sein mögen – exzellent begleitet. Und, darüber hinaus: Wer einer Richterin auf die Frage, ob er denn schuldig sei, „Bitch, I might be“ antwortet, kann nicht von Grund auf schlecht sein.

Als Sahnehäubchen gibt es den Remix von Wandl auch noch hier zum Free Download.

via Krekpek

Autechre – 444 (1993)

by vic

Montag Abend. Die Tanzbeine ruhen mittlerweile, sogar in Berlin. Zeit für ein bisschen Entspannung im Ohr nach dem Wochenende, an dem man doch eventuell eigentlich zuhause bleiben wollte und es dann doch nicht geschafft hat. Natürlich hat das gute alte WWW für solche Momente alles parat und wartet nur darauf, durchsucht zu werden und seine Schätze preiszugeben. Und wer keinen Bock auf Durchsuchung hat, muss eben unserem superhotten megatrendy Lifestyle-Blog hier folgen – wir sind nämlich schon fündig geworden.

Wie das mit Seele baumeln lassen funktioniert, erkläre ich euch ganz einfach in drei kinderleichten Schritten zum Nachmachen. Und im Gegensatz zu Heimwerker- oder Flechtfrisur-Anleitungen halte ich diesbezüglich sogar mein Wort!

  1. Youtube-Video unten anklicken.
  2. Track anhören.
  3. Vorgang je nach Bedarf solange wiederholen, bis das seelische Gleichgewicht wiederhergestellt ist.

Danksagungen für das erfolgreiche Audio-Erlebnis bitte an die beiden britischen Herren von Autechre, die ihre Hörerschaft schon vor sage und schreibe 22 Jahren mit dieser wunderwunderwunderbaren IDM-Nummer beschenkt haben. Zitat aus der Kommentarspalte: „The best part of this track is from 0:00 to 24:26“ (Chris Hopcroft). Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Austria goes Industrial: Zosima – The Material of Nothingness (2014)

by vic

Lang, lang ist’s her… dass wir als Blogger unseres Lebenselixiers beraubt wurden (LAN, Alter!). Da wir dennoch die vergangenen Wochen in den neuen Homebases Leipzig (Kilian) & Berlin (moi) irgendwie überstanden haben, machen wir jetzt einen auf Phoenix aus der Asche und versorgen euch wieder mit mehr oder weniger nützlichem Kram. Und davon hat sich inzwischen einiges angesammelt.

Meine neue Mitbewohnerin aus der Steiermark hat mich überzeugt: die Österreicher haben Ahnung von Musik und die nötige Prise Verrücktheit. Zumindest einige von ihnen. Und nein, ich spreche hier nicht von Wanda, dem neuesten Wiener Pop-Exportschlager, sondern – surprise! – von Techno. Liebhabern von zarten Tönen und Melodien empfehle ich an dieser Stelle den Ausstieg, denn was jetzt kommt, wird sicher weder schön, noch angenehm. Noiztank lautet der Name des noch ganz frischen österreichischen Labels um Gründer Zosima, der mit seiner Anonymität dem Beispiel anderer Mitglieder der Techno-Avantgarde folgt, die ihre Musik durch Geheimhaltung der eigenen Identität entpersonalisieren (siehe Redshape, Headless Horseman, SNTS). Weg vom Menschen, hin zur Musik. Techno als Anti-Starkultur. Ob das funktioniert, wenn man sich dabei hinter abgespaceten Masken und mysteriösen Künstlerfiguren versteckt?

Wir konzentrieren uns zumindest nun auf das Wesentliche! Die Klangwelten, in die Zosima uns entführt, lassen in Sachen Düsterkeit den grauen Himmel über Berlin fast schon freundlich aussehen. Reichlich experimentell geht es auf der „Tears Of Black Powder“ EP [NTK001] zu, die 2014 als erste Scheibe den musikalischen Grundstein für Noiztank legte und verlauten lässt: da rappelt’s in der Kiste! Rauschende, teils fast kreischende, quietschende Obertöne kontrastieren das wummernde Bass-Staccato und sorgen für ein deftiges Industrial-Gewitter. Aber keine Sorge: das übersteht man auch ohne Jacke und Schirm.