Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: September, 2015

Simple One & Captain Crook – Rapresent (2012)

by Kilian

„In my world perfection is a must“: Der ehemals unter dem Pseudonym Captain Crook firmierende Berliner Produzent Klaus Layer sorgt seit einigen Jahren mit seinen staubtrockenen, jeden Kopf in nickende Bewegungen versetzenden, jazzgeladenen Samplebeats alter Schule für ein dickes Grinsen auf den Gesichtern deutscher Realkeeper und Heads mit Geschmack. Im Jahre 2012 tat er sich mit dem Wahlberliner Simple One zusammen, um einen der – meiner bescheidenen Meinung nach – besten englischsprachigen Raptracks zu veröffentlichen, die Deutschland je hervorgebracht hat.

Klaus Layer, der als seine wichtigsten Einflüsse (aus dem Hip-Hop-Bereich) Damu Tha Fudgemunk, Pete Rock oder Lord Finesse nennt und bereits mehrere Alben und EPs über Redefinition Records veröffentlich hat, harmoniert wunderbar mit dem Rapstil und der lyrischen Cleverness von Simple One, der diesen klassischen Representer in bester Manier kongenial vollendet. Begonnen bei der Produktion, die sich in Klaus Layers vor Boom Bap strotzende Diskografie und sein dementsprechendes Soundbild nahtlos einreiht, über die textlich mehr als starken Raps von Simple One, dessen souveräner Deliverance bis hin zum Video mit der kompletten Posse, ruft „Rapresent“ wohlig-warme Erinnerungen hervor und präsentiert sich als unglaublich runder Track, dem an Feinschliff oder Veredelung nichts fehlt.

The Gadfather: The Joe Rogan Experience #681 – Gad Saad

by Kilian

In den vergangenen Monaten, bzw. schon im Verlauf des vergangenen Jahres, bin ich ein riesiger Fan von Podcasts geworden: Die teils mehrstündigen Mono- oder Dialoge – aus beiden Kategorien gibt es wirklich großartiges Material – füllen Zeit, die sonst verloren ginge, mit wissenswertem, unterhaltsamem, musikalischem, lehrreichem oder schlichtweg interessantem Content. Um komplett ehrlich zu sein, habe ich schon seit einer kleinen Ewigkeit vor, euch meine Favoriten aus diesem unendlich großen Gebiet an Entertainment hier näher zu bringen und freue mich, endlich einmal dazu zu kommen.

Primus inter pares ist für mich dabei definitiv „The Joe Rogan Experience“, deren Gastgeber Joe Rogan mit „Hansdampf in allen Gassen“ noch vorsichtig umschrieben ist. Durchblickt man die Vita des 1967 geborenen Joseph James Rogan, findet man durchaus Erstaunliches: Taekwondo–Schwarzgurt im Alter von 15 Jahren, Schwarzgurt im 10th Planet Jiu-Jitsu und Brazilian Jiu-Jitsu, TV-Moderator, Schauspieler, offizieller Kommentator der UFC, passionierter Pothead, Jäger, Vater, Podcaster, Stand-Up-Comedian – doof, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Was mich an Joe Rogan und seinem Podcast immer wieder begeistert, ist der weite Horizont und schwer zu sättigende Neugier des Moderators. Aus allen erdenklichen (sic!) Bereichen lädt sich Mister Rogan, oft abgestimmt auf aktuelle Ereignisse, wahnsinnig interessante Gäste ein und folgt dabei einem einfachen Credo: Wenn du mit jemandem drei Stunden ununterbrochen redest, bekommst du ein Gefühl für die andere Person. Diese Unmittelbarkeit und Fassaden fallen lassende Intensität der Unterhaltungen sorgt wirklich am Ende jeder Episode dafür, dass man bewusst etwas Neues gelernt hat.

Auch in dieser Episode ist der geladene Gast außerordentlich interessant: Gad Saad, der Gadfather, seines Zeichens Forscher auf dem Gebiet der evolutionären Verhaltensforschung und am Institut der Concordia University in Montréal, Kanada mit einem Forschungsauftrag zu „Evolutionary Behavioral Sciences and Darwinian Consumption (2008–2018)“ betraut. Er ist dafür bekannt, Evolutionspsychologie mit Markt- und Konsumverhalten in Verbindung zu bringen und stößt mit Büchern wie „The Consuming Instinct: What Juicy Burgers, Ferraris, Pornography, and Gift Giving Reveal About Human Nature“ auch außerhalb der Fachkreise auf große Aufmerksamkeit.

In ihrem Gespräch (es ist Saads zweiter Auftritt bei der Joe Rogan Experience) hangeln sich die beiden durch eine durchweg interessante, anspruchs-, niveau- und gehaltvolle Unterhaltung voller Themen, die in den USA schon auf der Tagesordnung und uns eventuell noch bevorstehen. Besonders der Teil über die immense, an vielen Stellen übertriebene und Gedanken zensierende Political Correctness an amerikanischen Colleges, die Frage über Do’s und Don’t’s des Diskurses und Auswüchse wie Mikroaggressionen ist unglaublich lehrreich – doch, wie in eigentlich allen seiner Episoden, ist es einfach eine wahre Freude, Joe und seinem Gast von Anfang bis Ende bei einem unglaublich interessanten Gespräch zuzuhören.

Alle Episoden von „The Joe Rogan Experience“ (so benannt in verehrendem Andenken an den Größten der Großen, Jimi Hendrix) findet ihr bei YouTube, Vimeo oder über die Podcast-App von iTunes.

Radial – Asiel (2013)

by Kilian

Nachdem seit meinem Umzug nach Leipzig nun schon gut eine Woche ins Land gezogen ist, an deren Anfang ich mich erst einmal von den Strapazen der vorangegangenen Wochen erholt hatte, steht nun endlich – endlich! – das erste mal Feiern in Leipzig auf dem Programm: Ich bin fit, motiviert, habe Zeit, werde von schönen Menschen begleitet und werde wohl das erste Mal die Ost-Apotheke aufsuchen und bin bereit, mich von ihr begeistern zu lassen. Auch wenn noch mehr als zwölf Stunden sind, bevor ich das Haus verlasse, ist der Soundtrack schon wieder von Vorfreude und düsteren Sounds geprägt und die zarten Beinchen wippen freudig im Takt.

Auf unserem Haus- und Hoflabel Mord Records erschienen, inkorporiert „Asiel“ alles, was ich am Katalog und am Roster des Rotterdamer Labels kennen, schätzen und lieben gelernt habe: Exzellent produzierter Techno mit dem gewissen Etwas, eine Soundvielfalt von dystopischen Industrial-Granaten bis hin zu kirre machenden Acid-Eskapaden und eine außerordentlich hohe Qualität der Einzelkünstler. In diesem Fall stammt der Track vom allerersten Release des seit 2013 aktiven Labels, der „Linea Recta“ EP und der verantwortliche Künstler dahinter ist der Niederländer Jeroen Liebregts alias Radial. Auf „Asiel“ stimmt einfach alles: Das ideale Tempo, die Didgeridoo-ähnlichen Sounds, die zerfetzten Klangteppiche, die den Anschein von Breakbeat-Einflüssen wecken und dabei das Gesamtwerk zu einem exquisiten Techno-Genuss machen. Idealer Clubsound, wenn ihr mich fragt – you can’t go wrong with Mord!

via Techno Scene

Janzon – Genetic Defekt (2014)

by Kilian

Dem geneigten Techno-Aficionado wird der Name Code Is Law in den vergangenen beiden Jahren sicherlich bereits einmal untergekommen sein, veröffentlicht das Label mit Sitz in Berlin doch seit 2013 exzellente Musik von ihren Künstlern Under Black Helmet, Sawf, Janzon oder Labelgründer Mørbeck. Mit ihrem kompromisslosen, eklektischen Sound finden die Artists einen Zugang zu Techno, der dank ihrer großartigen Releases immer mehr Heads ins Auge fällt und an keinem spurlos vorbeigeht.

Janzon, sozusagen Eigengewächs von Code Is Law, veröffentliche 2014 mit seiner EP „The Primal Scream“ seinen ersten Release auf dem Label und darf sich seit vergangenem Jahr auch den Status als Resident im Stuttgarter Lehmann auf die Fahnen schreiben. Sein aus verschiedensten Einflüssen gespeister Sound wandelt sich stets und zeigt viele Facette, pendelt sich jedoch irgendwo zwischen Techno und IDM zu einem anspruchsvollen und doch höchst unterhaltsamen Klangbild ein. „Genetic Defect“ stammt von eben jener ersten EP und sorgt soundtechnisch für wohlige Gänsehaut: Eine pumpende Bassline, repetitiv-hypnotische, nicht zu hektische Hi-Hats und die bedrohlichen Hintergrundklänge sorgen für optimalen Clubsound und von Break zu Break holt der Track den Hörer immer weiter ab, bis man auf der Tanzfläche Hören, Tanzen und Sein nicht mehr auseinanderhalten kann. Rollos runter, Strobo und Nebelmaschine an und aufdrehen – richtig starke Nummer von Janzon!

Alte Schule, Bruder: Bones E Boy – Nu Groove Records Label Mix Vol. 1

by Kilian

Auch wenn unbestreitbar im Bereich der elektronischen Musik in Trendphasen allein durch die schiere Masse an Veröffentlichungen auch ein respektabler Prozentsatz zu vernachlässigender Tonträger abgesondert wurde, so findet der interessierte Hörer im Reich des klassischem House alter Schule doch rasch die eine oder andere Perle. Wenn nun ein DJ aus dem Backkatalog eines der einflussreichsten – wenngleich auch nicht mit größerem finanziellen Erfolg gesegneten – House-Labels nur aus hauseigenen Platten einen formidablen Mix abliefert – umso besser.

Um exakt solch ein Exemplar handelt es sich hier: Nu Groove Records, 1988 in New York City gegründet und unter der Regie von Frank und Karen Mendez laufend, existierte bis 1992 und galt seinerzeit, bis zum Auftauchen von Konkurrenz wie Strictly Rhythm, als angesagtestes Label der jungen New Yorker Szene. Ohne je die „eine“ große Platte veröffentlicht zu haben, gelten viele der Releases von Künstlern wie Lake Eerie, Bobbie Konders, Masters At Work oder Frankie Bones als musikalisch prägend. Von Letzterem stammt wahrscheinlich unter dem Pseudonym Bones E Boy auch der vorliegende Labelmix, der mit etwas über einer Stunde Lauflänge eine Tour durch die kurze, aber intensive Schaffensphase des Labels führt und mit zu weiten Teilen erstklassigem Old School House brillant zu unterhalten weiß.

via Electronic Beats

Maschinenmusik in Halle 808: XLR8R Podcast 404 – Helena Hauff

by theaugser

Wenn ich wie in „A Day“ von Xymox im Sneaker Dunkeltier Remix schnell gecuttete, repitive Synthies, klingend wie ein verzerrter, nicht anspringender Motor, höre, weiß ich, dass ich richtig stehe. Eines weiß ich sogleich noch: Das ist nicht jedermanns Sache – das ist Helena Hauffs Sache!

“I just do the stuff that I wanna do and I don’t do the stuff that I don’t wanna do.” Nur wenige in der Szene wie der Resident des Hamburger Clubs Golden Pudel dürften sich einen solch ehrlichen Ansatz bewahrt haben, den ich ihr auch noch uneingeschränkt abnehme. (Beweisstück A, ihr Videointerview für kaput mag)

Wo stand ich nochmal? Achso, stimmt. Richtig! Philipp Gorbachev ‎peitscht und hämmert mich durch seinen Track „In The Delta“. Industrial. Raw. Techno. So klingt Hauff und auch die Trackauswahl ihres Podcasts für XLR8R, Nummer 404 – die RoBOT Festival 2015 Edition.

Doch keine Exkursion in die hiesigen Produktionshallen der Automobilfirma ohne einen durch Kantinenessen induzierten Trip. Bereits ihre Debüt-LP „Discreet Desires“, erschienen auf Werkdiscs, wartete mit die Ohren kitzelnden Acid-Spuren und wärmenden 80ies-Coldwave-Referenzen auf. So sinke ich zu Morahs „Up In Flames“ zu Boden. Zumindest liege ich jetzt immer noch richtig…

„Liebe Helena,
ich freue mich sehr, dich am 3.10. im IFZ endlich einmal kennen zu lernen. Du erkennst mich am sich zwirbelnden Schnurrbart.
Dein Fan Matthias.“

Anmerkung der Redaktion: Leider können wir für dieses Posting den Artist auf Facebook nicht verlinken. Denn Helena Hauff besitzt keine Fanpage. (Beweisstück B)

via XLR8R

Experience Enchantment: Phony Ppl – Why iii Love the Moon.

by Kilian

Der ideale Feelgood-Soundtrack für den Feierabend: Pianolastiger, entspannter, souliger Sound, der verschiedenste Stimmungen durchmacht und sogar den geneigten Hip-Hop-Hörer mehr als überzeugen dürfte. Der beschwingte Klavierloop, diese Drums mit dem gewissen Je-Ne-Sais-Quoi, die unglaublich gute Fusion aus Jazz, Soul, R&B und Hip Hop und die nachdenklichen Lyrics formen ein Gesamtpaket, das einfach nur Spaß macht.

Die Phony Ppl sind eine Hip-Hop-Crew aus Brooklyn, die bereits mit ihrem ersten Album „Phonyland“ aus dem Jahre 2012 ordentlich Furore gemacht haben und im Januar diesen Jahres mit „Yesterday’s Tomorrow“ über das eigene Label den Nachfolger veröffentlichten. Bestehend aus Elbee Thrie, Sheriff PJ und Dyme-A-Duzin an den Vocals, Elijah Rawk an der Gitarre, Matt Byas an den Drums, Aja Grant am Keyboard und Bari Bass am Bass stehen die Phony Ppl für einen Sound, der sich, mit einer eigenen Note versehen, aus dem Reich des Hip Hop und R&B aufmacht, Jazz und Soul hallo sagt und es sich irgendwo in deren Mitte verdammt gemütlich macht. „Why iii Love the Moon.“ aus ihrem aktuellen Album ist in diesem Fall die perfekte Verkörperung dieser Metapher und hat den Autor dieser Zeilen ernsthaft sprachlos gemacht. Vom Fachmann für Kenner wärmstens empfohlen!

via Shawn The Savage Kid

Extraklasse: XLR8R Podcast 403 – Konstantin Sibold

by Kilian

Nach einem über weite Strecken mehr als entspannt verlebten Sonntag bin ich gestern von einem Open Air am Cospudener See hier in Leipzig heimgekehrt und habe meine neue Umgebung etwas genossen. Das Open Air, welches sich (jedenfalls in dem Zeitraum, in dem ich da war) größtenteils mit viel zu seichten House-Tunes präsentierte, hat mich irgendwie nicht so wirklich abgeholt, mein Soundtrack für den Hin- und Rückweg war dafür allererster Güte. Daher freut es mich umso mehr, dass ich euch einen derart starken Podcast mit auf den Weg geben kann, der mich wirklich komplett überzeugt.

Konstantin Sibold. Konstantin Sibold ist eine Personalie, die seit mehreren Jahren für absolute Qualität im Bereich der elektronischen Musik steht. Der 28-Jährige Stuttgarter verzichtet dabei größtenteils auf Promotion oder das in Szene Setzen seiner Person und lässt, so wie es eigentlich sein sollte, seine Musik live und im Studio für sich sprechen. Kein Wunder also, dass Herr Sibold, der übrigens immer noch bei Stuttgart lebt und 2013 für das GROOVE Magazine Newcomer des Jahres war, mit Innervisions bei einer absolute Qualitätsschmiede seit einigen Jahren eine Heimat gefunden hat.

Sein neuer Podcast für XLR8R gestaltet sich eine ganze Stufe hypnotischer und technoider, als man es von seinem „regulären“ Sound vielleicht gewohnt ist, doch der Künstler antwortete XLR8R im Interview, dass sich sein Sound ohnehin von House in Richtung Techno verschiebt – gute Nachrichten für uns also. Mit einer Tracklist, die von Remixen von Laibach – genau, die slowenische Band, die neulich in Nordkorea für Kim Jong-Un gespielt hat – über Ben Klock und Anthony Parasole hin zu seinem eigenen Übertrack „Mutter“ eine ganze Reihe Hochkaräter im Programm hat, sorgt Konstantin Sibold für 71 Minuten überragender elektronischer Unterhaltung, die Potential zum Klassiker hat.

via XLR8R

I Can’t Breathe: Ancient Astronauts & Asphate – Suffoc-Hate

by Kilian

Eine übermilitarisierte Polizei, ein Justizsystem und eine Gesetzgebung, die weite Teile der Bevölkerung kriminalisiert und systematisch schikaniert, insitutionalisierter Rassismus und Perspektivlosigkeit der betroffenen Menschen angesichts einer sich immer weiterdrehenden Spirale der Kriminalität haben in den vergangenen Monaten nicht nur in Ferguson oder Baltimore, sondern in den gesamten USA für verstörende Bilder aus dem Kapitalismus im Endstadium gesorgt. Unweigerlich nehmen sich auch die Künste, allen voran die Musik, der Furcht erregenden Situation für (besonders) junge Schwarze in den USA an. Doch auch den Sprung über den großen Teich hat die Thematik längst gemacht, wie das Folgende Werk eindrucksvoll und phasenweise höchst verstörend beweist.

Die Ancient Astronauts, bestehend aus Kabanjak und Dogu, sind ein DJ- und Produzentenduo aus Köln, welche unter Anderem schon mit Künstlern wie The Pharcyde, Zion I oder Ladybug Mecca von den Digable Planets zusammen arbeiteten und ihren Sound selbst als „a ‚mash up of the distant past and far future'“ und „a mystic brew born out of an eclectic mix of ideas, sounds and styles“ beschreiben. Für „Suffoc-Hate“, dessen Bedeutung sich anhand der ekelhaften, eiskalte Wut und blankes Entsetzen hervorrufenden Bilder im Video – consider yourself warned – leider von selbst erschließt, hat man sich Rapper Asphate aus Des Moines, Iowa ins Boot geholt, der mit intelligenten, souverän deliverten Zeilen mit Message den Track zum absoluten Top-Produkt veredelt. Dringende Empfehlung!

Den Track gibt es, samt Instrumental, zum kostenlosen Download bei Bandcamp.

via DJ Densen

Sade – Surrender Your Love (Kenny Larkin Remix) (1995)

by Kilian

Sonntag Morgen. Ich sitze in meinem lange noch nicht fertig eingerichteten Zimmer in Leipzig, welches ich am Freitag bezogen habe, es riecht nach Kaffee und Ganja, die Sonne schiebt sich langsam um die gegenüberliegende Häuserfront und alles in allem ist die Lage mehr als leiwand, wie der Österreicher sagt. Endlich einmal komme ich, nach zwei Monaten Dorfidylle und Schichtarbeit seit Langem wieder zum Schreiben – in meiner eigenen Butze, mit meiner Musik auf meiner Lautstärke und bisher einfach nur guten Vibes. Gerade schallt dazu aus den Boxen entspanntester Sonntagssound, der die Situation optimal untermalt – jaja, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.

Warmer, organischer House hat so ein gewisses Etwas an sich, das entspannten Situationen den letzten Schliff verleiht: Dezente Instrumentalisierung, (leider nicht in allen Fällen) wohldosierte Vocals voller Soul, funky Rhythmen, jazzige Samples und im Großen und Ganzen viele Charakteristika der Genres, in denen die Musik ihre Wurzeln und Inspiration findet.

Benannt nach ihrer Sängerin und Frontfrau Sade Adu, einer britischen Sängerin mit nigerianischen Wurzeln, zählt die britische Band Sade mit über 50 Millionen verkauften Tonträgern und vier Grammys zu den erfolgreichsten Jazz- und Soul-Bands aller Zeiten und als eine der einflussreichsten Bands ihrer Genres. Bestehend aus Sade Adu und den drei Musikern Paul Denman (b), Andrew Hale (key) und Stuart Matthewman (sax, git, key, prog), konnte man seit 1984 bis heute mit sechs Alben große Erfolge feiern. Sehr sympathisch ist auch die sehr auf ihr Privatleben fixierte Einstellung der Sängerin zu Publicity und Medienrummel. Auf die Frage, welche Regeln sie für ihr Leben als private und öffentliche Person habe, antwortete sie der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2010: „Niemals Interviews mit Boulevardmedien. Keine Modestrecken in Magazinen. Keine Auftritte bei Galas oder Shop-Eröffnungen. Und Rote Teppiche betrete ich unter keinen Umständen!“

Auch der Künstler hinter dem hier vorliegenden Remix, Mister Kenny Larkin, hat eine beeindruckende musikalische Karriere hinter sich: Der 1968 in Detroit geborene DJ und Produzent hat mit Stories über Pionierarbeit im Bereich des Techno, über Stand-Up-Comedy-Ambitionen und eine zwölfstündige, sein Leben rettende Operation, nachdem er 1995 in Detroit niedergeschossen wurde, eine ganze Menge zu erzählen. Darüber hinaus kann er auf eine stattliche Diskografie mit Veröffentlichungen auf Richie Hawtins Label Plan 8, auf R&S, Warp Records oder Peacefrog zurückblicken.

Der Kenny Larkin Remix zu „Surrender Your Love“ erschien mit einem weiteren Remix von Stacey Pullen auf der Rückseite 1995 auf dem Label Illegal Detroit. Mit seiner Lauflänge von über elf Minuten räumt der Remix dem ohnehin zu viel Raum für Improvisation und Spiel neigenden Genre des Jazz definitiv genügend Platz ein und lässt den verschiedenen Parts des Originals die Möglichkeit zur Entfaltung. Die Vocals passen genau richtig zu der bschwingten, von jazziger Wärme getragenen Melodie und kreieren gemeinsam mit einer intelligenten Produktion einen höchst angenehmen, smoothen Sound voller Groove.

via minimal detroit