Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Monat: Mai, 2015

Ein Guter ist gegangen: Mille grazie e arrivederci, Max_M!

by vic

Während wir womöglich zu einem seiner Tracks getanzt haben, musste sich der italienische Techno-Produzent Max_M​ alias Max Magrini dieses Wochenende traurigerweise von uns verabschieden. Musik kann zwar vieles heilen, aber nicht alles. Wir ziehen den Hut und sagen mille grazie für die feinen Stücke, die uns Max_M mitsamt seinem Label M_REC LTD hinterlässt. Und lassen nun diesen Sonntag ein wenig wehmütig ausklingen…

via Resident Advisor

No headline needed: UVB – Boiler Room Berlin DJ Set

by Kilian

Drei Monate sind seit der Aufnahme im Berliner Stattbad ins Land gezogen – welches momentan leider durch die Stadt Berlin vor eine mehr als vertrackte Situation gestellt wird – und seit einigen Tagen sind die Mitschnitte dieser großartigen Session nun auch endlich bei YouTube online. Die Rede ist natürlich von unseren lieben Freunden vom Boiler Room, die mit Tommy Four Seven, Ancient Methods, Killawatt und UVB im Februar mal wieder ein Line-Up zusammengestellt hatten, das mir einen wohlig-warmen Schauer über den Rücken jagt.

Und besonders Letztgenannter hat es mir in den vergangenen Monaten besonders angetan: Der junge Mann hinter dem Projekt UVB, Sébastian Michel aus Marseille, produziert seit 2011 elektronische Musik und hat sich im vergangenen Jahr, nach ersten Erfahrungen als DJ in Heimatstadt und Heimatland, mit seiner ersten EP auf Mord Records ins Sichtfeld jedes aufmerksamen Techno-Hörers katapultiert, die unter Anderem von Marcel Dettmann oder Surgeon supportet wurde. Seitdem ging es stetig nach oben, wie Releases auf Initial Berlin, sein Boiler-Room-Set oder eben das Mord-Takeover im Berghain vergangenes Wochenende eindrucksvoll unterstreichen. Im Boiler Room Berlin bleibt sich UVB wie immer treu und liefert seinen – in meinen Augen – phänomenalen Techno ab, der so schön roh, ungeschliffen, unzensiert, ja, so unmittelbar auf den Tänzer und Hörer wirkt, dass es eine helle Freude ist. Have fun.

TRACKLIST

01. Intro ( The Unknown Aquazone Double Aquapack) – Drexciya
02. Automatic ( PM 005) – Jeff Mills
03. Untitled (User 02) – User
04. Mixtion (MORD012) – UVB
05. Model T (Nomu 45) – Steve Stoll
06. A1 – Bendigo Ep (cnfr14) – Gaetano Parisio
07. Heart of Darkness – Oliver Ho
08. Centrafrique Part 2 (Cycle 009) – Samuel l Session
09. The Lovely Assistant – Jeff Mills
10. Jagged Edge (Coda 009) – Damien Valero
11. Pala ( Dnlp4) – Female
12. Syllable (Dnlp01) – Surgeon
13. Reclaimed 2 (Lino 30) – Regis
14. Untitled ( Tsu003) – Exium
15. Master Avalanche (Im001) – Christian Wunch
16. Physics (Reworked by Karl O’Connor) – Dean Cole
17. Warning – GM Cole
18. Untitled B ( 004a) – User
19. Untitled B ( 004a) – User
20. Adolescence (Lin 18 A1) – Regis
21. Floorshow part 2 (Counterbalance 14) – Surgeon
22. Purification (Lino 23) – Regis
23. Connections (MX001) – Oliver Ho

via UVB

So weit, so gut – 20 Jahre „La Haine“

by theaugser

“It’s about a society on its way down, and as it falls, it keeps telling itself, ‘So far so good, so far so good, so far so good.’” – Vincent Cassel in „La Haine“

Zwanzig Jahre „La Haine“ – ein Jubiläum, das sicher bei keinem Freudenstimmung auslösen dürfte. Denn das, was das filmische Meisterwerk von Mathieu Kassovitz 1995 bei seiner Premiere in Cannes zu erzählen vermochte, ist weiterhin die Lebensrealität in den Banlieues Frankreichs von heute – und nicht nur dort, die Lebensrealität einer Jugend, die von einem Großteil der französischen Gesellschaft ausgeschlossen wird – durch willkürliche Polizeigewalt, durch Diskriminierung, durch Rassismus.

24h reales Leben eindringlich nachempfunden in seltsam schön anwirkenden schwarz-weiß Bildern. Irgendwo zwischen dem Neorealismus des italienischen Kinos nach ’45, der politischen Sprengkraft der Filme Spike Lees und in klarer Referenz an Martin Scorseses Schaffen. Kassovitz gibt mit seinem Film ein utopisches Versprechen ab, dass die Welt uns gehöre – die Vorstädte gehören allen, egal aus welchem Milieu. Ein wichtiges Versprechen.

“In my mind, (La Haine) was the first movie where a filmmaker actually wanted to show a tough neighbourhood from both a loving perspective and an artistic approach.” – Abd al Malik

via Dazed & Condused

Kill Ref – Ashurbanipal (Kike Pravda Remix 2) (2014)

by Kilian

Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie dankbar ich dem Internet und seinen Möglichkeiten auf dem Feld der Musik bin. Man findet einfach so unglaublich viel, unglaublich gute Musik von unglaublich unbekannten Artists, von denen man in den Hochzeiten der rein physischen Tonträger einfach mal überhaupt nichts mitbekommen hätte. Großartige Funde allerorten, und heute mal wieder ein ganz besonderes elektronisches Schmankerl für euch, meine lieben, wenn auch auf Facebook etwas Like-faulen Fans. Ja, das war leise Kritik. Ganz leise. Aber sei’s drum, ich liebe euch sehr.

Alles andere als leise solltet ihr den folgenden Track über die Anlage laufen lassen: Kill Ref aus Italien, von dem ich bisher ebenfalls noch nie etwas gehört hatte, hat im vergangenen Jahr auf Darknet Records aus Australien mal mehr als ordentlich abgeliefert. Die von ihm, Coefficient und Kike Pravda bestrittene „Ashurbanipal“ EP hat es nämlich mächtig in sich. Die letzte Nummer der Scheibe, der „Kike Pravda Remix 2“ zum Titeltrack ist wunderbar düsterer, druckvoller Techno, der einfach nur Spaß macht – und auf seine ganz eigene Weise von anderen Releases abhebt. Ansehen, aufdrehen, abgehen.

via Techno Scene (Official Group)

Heiß wallt dein Herz bei schauerlichem Werk: Invite’s Choice Podcast 270 – Antigone

by Kilian

Für den geneigten Freund zeitgenössischen Technos hat einer der am besten kuratierten Podcasts momentan – Invite’s Choice von Invite aus Utrecht in den Niederlanden – einen der wohl interessantesten jungen Künstler zum Tanz gebeten. Antigone, dessen Name momentan in der Szene einen höchst bemerkenswerten Konsens hervorruft, überzeugt auch in seinem zweiten Mix für Invite’s Choice in über 100 Minuten auf ganzer Linie mit seinem hypnotischen und sehr facettenreichen Sound.

Der junge, französische DJ und Produzent aus Paris, der mit einem absoluten Paukenschlag in der Szene aufgeschlagen ist und dessen Musik durch die Bank von DJs wie Kritik in höchsten Tönen und tiefsten Bässen gelobt wurde, steht jetzt bereits seit einigen Monaten in meiner Gunst ganz weit oben und ich hoffe inständig, dass mir sein Sound auch bald live einmal den Schauer den Rücken hinunter jagt, den mir seine Produktionen und Sets jedes Mal mitgeben. Das hat zur Folge, dass nicht nur Menschen mit Tanzdrang und zu viel Zeit wie meine Wenigkeit auf den jungen Franzosen aufmerksam werden, sondern unter Anderem Labels wie Construct Re:Form oder unser Liebling Token ihr Auge auf ihn gerichtet haben. Kraftvoller, intelligenter, an den richtigen Stellen unbarmherziger Sound, der mit der Repetition und Monotonie von Techno zu spielen weiß, ohne jemals in echte Eintönigkeit zu verfallen: Falls ihr eine Liste haben solltet à la „Acts to watch in coming months“ – Antigone sollte drauf stehen.

via Invite

Johannes Heil – Transition Six (2014)

by Kilian

Wieder einmal: Danke, Internet! Aus irgendeinem Grund ist mir seit Ewigkeiten der Name ‚Johannes Heil‚ Mal um Mal nicht eingefallen – gibt ja eigentlich Schwierigeres. Aber dank eines der besten Thinktanks aus der Welt des Techno – so man diese Beschreibung wählen mag – hat es im Oberstübchen Klick gemacht und der musikalische Katalog des deutschen Techno-Veteranen wurde direkt einmal durchstöbert.

Denn obwohl der gebürtige Hesse bereits seit Mitte der 1990er elektronische Musik produziert und veröffentlicht, hat es mir besonders ein Track aus 2014 angetan, der mir in seiner Gesamtheit als Komposition ein mehr als anerkennendes Nicken entlockt hat. „Transition Six“ erschien im August letzten Jahres im Rahmen der EP „Transitions Vol. 2“ über Figure, das Label des internationalen Stars und Berghain-Residents Len Faki und stellt mitreißend und eindrucksvoll unter Beweis, dass sich Melodie, Atmosphäre, Geschwindigkeit und Härte auch beim Techno nicht ausschließen. In meinen Augen eine sehr, sehr gute Produktion, die es einem schon im Sitzen schwer macht, die Füße still zu halten und dabei dennoch einen gewissen sphärischen Grundtonus bewahrt, der sehr angenehm zu hören ist und der Tiefe des Tracks einige Ebenen hinzufügt.

via the29nov films

Joel Mull – Stand Down (The Advent Remake) (1999)

by Kilian

So sehr ich mich unter Anderem beim Genuss von Thunderdome-Videos oder ähnlichen Vermächtnissen der Ravekultur der 1990er Jahre mit einer Mischung aus Fremdscham, wissender Zustimmung und absolutem Lachflash auf dem Boden winde, so muss man sich doch eingestehen, dass man, je tiefer man sich in den Mahlstrom, der sich Techno nennt, begibt, desto öfter stößt man auf überragende Tracks dieser Periode.

Unser Freund Bas Mooy bedankte sich mit der vorliegenden Nummer bei allen Tänzerinnen und Tänzern am Wriezener Bahnhof am vergangenen Wochenende. Einer der schwedischen Exportschlager der elektronischen Musik – von denen es ja nicht gerade wenige gibt –, Joel Mull, mit einer Nummer bzw. deren Remix von knapp vor der Jahrtausendwende, die auf Code Red, einem Sublabel von Adam Beyers Drumcode, veröffentlicht wurde. Für den neuen Mix zeichnete The Advent aka Cisco Ferreira verantwortlich und das Ergebnis verkörpert wieder einmal alles, was am Techno der 90er so schön und gleichsam für den Laien so langweilig ist: Geschwindigkeit, Härte, Kompromisslosigkeit. Eine Dreifaltigkeit, die auch auf „Stand Down“ wunderbar zusammen kommt und den Track auf dem Dancefloor sicherlich zu einem ganz speziellen Vergnügen werden lässt.

via Bas Mooy

„Reggae soll nicht unterhalten, Reggae hat eine Mission“: Jah Rastafari! – Die Wurzeln des Reggae (Doku)

by Kilian

Gesten führte ich mir zu meinem großen Vergnügen eine weitere Dokumentation zu Gemüte, die sich in die qualitativ mehr als hochwertigen Produktionen aus dem Hause arte nahtlos einreiht und darüber hinaus noch ein für mich unglaublich interessantes Thema anschneidet: Reggae. Denn die nach dem Ausverkauf des Konterfeis von Bob M eher als Abziehbild ihrer eigenen Kultur wahrgenommene Bewegung besitzt eine fast hundertjährige Geschichte der Unterdrückung, Revolte und Befreiung.

In „Jah Rastafari! – Die Wurzeln des Reggae“ geht Filmemacher Tim Gorbauch auf die Suche dieser Ursprünge und trifft in der Wiege des Reggae – und aller Abwandlungen dessen, die wir heute kennen – , in Kingston, Jamaica, sowie auf dem Rototom Sunsplash Festival in Spanien jamaikanische Musiker jeder Generation. Mit Interviews, einer Menge Musik und einem sensiblen Verständnis für die sozialen und historischen Gegebenheiten, die den Reggae, zu dem machten, was er war und ist, schafft es der Film sehr gut, jedem interessierten Zuschauer diese Musik und den daranhängenden State Of Mind ein wenig näher zu bringen. Als Kunstform, als Form des Widerstands, als religiöse Komponente oder als Teil der eigenen Philosophie – Reggae auf Jamaika ist allgegenwärtig, umgibt alles, durchdringt alles.

Am Ende steht eine mehr als gelungene Dokumentation, die in beeindruckender Deutlichkeit und Gründlichkeit von der Vergangenheit bis zur Zukunft des Reggae alles abdeckt. Legenden wie Stranger Cole oder Chinna Smith kommen ebenso zu Wort wie die „jungen Wilden“ wie Chronixx oder Jah 9, doch immer steht der Reggae als Schnittmenge musikalischer, religiöser und philosophischer Natur im Mittelpunkt. Höchst sehenswert!

Auf die Frage, was man mit Reggae verbinde, erhält man fast immer die gleichen kurzen Antworten: Bob Marley, Kiffen, Dreadlocks, Jamaika und ein irgendwie entspanntes Leben. Tatsächlich gehört all das ganz wesentlich zum Reggae dazu. Die Frage ist allerdings: warum? Was hat das Rauchen von Marihuana mit Reggae zu tun? Welche Bedeutung haben Dreadlocks abseits von Style und Fashion? Wieso entstand das alles auf der Karibikinsel Jamaika? „Jah Rastafari! Die Wurzeln des Reggae“ geht auf Spurensuche und entschlüsselt die Codes des Reggae, die bis auf die schwarzen Befreiungsbewegungen des letzten Jahrhunderts zurückgehen.

via Das Kraftfuttermischwerk

You just won the internet: 90er-Jahre-Eurotrash trifft Boiler Room

by Kilian

Der Boiler Room als Institution und kulturelle Event-Reihe bedarf meiner Meinung nach keiner weiteren Diskussion. Love it or hate it, ist mir ehrlich gesagt lax. Aber ein willkürliches Genie aus dem Internet hat sich den unglaublichen Spaß erlaubt, YouTube und die elektronische Szene mit Videos namens „David August improvises a mind-blowing live song. WOW.“ oder „AMAZING unreleased track by Solomun at Boiler Room Tulum!“ ordentlich zu trollen . Rick Roll goes Techno, wenn man so will. Gehostet werden diese bisher fünf Videos – und ich hoffe inständig auf mehr – vom Kanal 90’s Boiler Room, bei dem ihr alle bisherigen Clips in ihrer ganzen Schönheit genießen könnt.

Bevor ihr euch die Videos reinzieht, sei gesagt: Bei allem Respekt und einer Menge Liebe für die in der Regel überragenden Sets der am Boiler Room beteiligten Künstler – diese Videos sind absolute Weltklasse und so überragend witzig, dass Bill Burr beschämt den Hut ziehen würde. Wie die zerfeierte Crowd in Clubs wie z.B. dem Stattbad in Berlin zu dieser totgehörten Trash-Mucke die verschwitzten Leiber schütteln, geht auf keine Kuhhaut mehr. Der Clip mit Solomun ist toll, der mit Sven Väth ist besser, bei Mano Le Tough war bei mir alles vorbei.

Edit

Ben Klock und Nina Kraviz dürfen nun auch mitmachen!

via THUMP

Oliver Ho – Cosmetics (1997)

by Kilian

Wie neulich in meinem Post zu Bas Mooys Beitrag zum Slam Radio bereits erwähnt, fand am vergangenen Wochenende – oder vielleicht auch immer noch, wer weiß das schon so ganz genau – das Mord Records Takeover im legendären Berliner Technotempel Berghain statt. Eines meiner aktuell liebsten Labels trifft den mir aktuell liebsten Club, für mich wäre das also ein kleines Raver-Träumchen gewesen. Allerdings konnte ich leider nicht dabei sein, was mir bisher nach allen Stories, die ich von verschiedenen Freunden und Bekannten erzählt bekommen habe, immer ein kleines Stückchen mehr auf den Keks geht.

Denn die DJs des Rotterdamer Labels sind in meinen Augen alle Meister ihres Faches und ihre kompromisslose, überwältigende, keinen Widerstand duldende Interpretation von Techno verkörpert genau das, was ich in einem dunklen, verschwitzten, heißen, lauten Sündenpfuhl wie dem Berghain hören möchte. Es würde mich also wundern, wenn Ansome, Radial, Charlton und Kollegen dem Publikum am Wriezener Bahnhof nicht ordentlich eingeheizt hätten. UVB, ebenfalls kein Unbekannter auf diesem Blog, spielte Sonntagmorgen von acht bis elf und ich stelle mir diese drei Stunden so unvorstellbar gut vor, dass jeder den immanenten Widerspruch dieser Aussage überlesen hat. Mord trifft Berghain, was soll da schon schief gehen?

UVB beendete sein Set jedenfalls mit dieser Granate: „Cosmetics“ von Oliver Ho erschien 1997 auf dem britischen Label Blueprint und ist echter, astreiner 90s Techno, wie er im Buche steht. Hart, treibend, gnadenlos und mit wunderbar verstörenden Synthesizern ideal für ekstatische Momente auf dem Dancefloor. Ja, jeder ohne Techno-Ohr wird nun wohl wieder ob der Härte oder der Geschwindigkeit motzen, aber das tut nichts zur Sache. Mit dem Gedanken an UVB, wie er seine drei Stunden Playtime im Berghain mit so einem Kracher abschließt, wird auch diese für manche Banausen vermeintliche Kakophonie zur Ode an den Rave.

via UVB