Backinthedaze.

Livin' la vida locker easy.

Blickpunkt: „Philip K. Dick und wie er die Welt sah“

by vctrl

Pünktlich zum Kinostart von „Blade Runner 2049“, der Fortsetzung des legendären ersten Teils aus den 1980er Jahren, der auf dem Roman „Do Androids Dream Of Electric Sheep?“ von Philip K. Dick (1928-1982) basiert, erfreut arte die Science Fiction-Fans mit einem Blade Runner Special in der Mediathek, zu dem unter anderem die knapp einstündige Dokumentation „Philip K. Dick und wie er die Welt sah“ (F 2014) gehört.

Dick, der aufgrund seiner Platzangst den größten Teil seines Lebens in seinem Haus in Kalifornien verbrachte und von sich sagte, er könne sich an die Zukunft erinnern, gilt bis heute als populärster Science Fiction-Autor der Welt, und wer schon einmal in den Genuss eines seiner Texte gekommen ist, kann womöglich der Aussage von Gregg Rickman, Biograph des Autors, relativ zu Beginn der Dokumentation zustimmen: „Es ging mir wie vielen anderen: nachdem ich eines seiner Bücher gelesen hatte, wurde ich Fan. Hatte man eines gelesen, musste man alle lesen.“

Philip K. Dick

Philip K. Dick

In seinen teils unter der Wirkung von unzähligen Amphetaminpillen in unglaublich kurzer Zeit verfassten 44 Romanen und 120 Kurzgeschichten reflektiert Philip K. Dick wie kein Zweiter die Aspekte des Lebens in einer hochtechnisierten Kultur unter dem scharfen Blick des niemals ruhenden Big Brother, oftmals verkörpert durch riesige Unternehmen mit Monopolstellung. Aus seinem Munde stammt der Satz „Nur, weil ich paranoid bin, heißt das noch lange nicht, dass ihr nicht hinter mir her seid!“ und aus seiner Feder die literarischen Vorlagen für Filme wie „Minority Report“ (US 2002, Regie: Steven Spielberg) oder „A Scanner Darkly“ (US 2006, Regie: Richard Linklater). Sein umfangreiches Werk fragt oftmals nach der Menschlichkeit inmitten der fortschreitenden Technisierung der Welt: was macht den Menschen im Gegensatz zum Androiden aus? Wie verändert sich die Gesellschaft unter dem Einfluss von Drogen und ständiger Überwachung? Wo sind die Grenzen zwischen Mensch und Maschine? Ist es wirklich richtig, dass der Mensch sich von anderen Lebewesen vor allem durch seine Fähigkeit zur Empathie auszeichnet? Oder ist er am Ende schon so verroht, dass ein Androide ihn Mitgefühl zu lehren vermag?

Dabei bewegte sich Philip K. Dick, der 1982 nach einem Schlaganfall verstarb, noch bevor er den wenige Zeit später einsetzenden Hype um Ridley Scotts „Blade Runner“ mitbekommen konnte, mit seinen zutiefst philosophischen Gedanken in einem Genre, das man anfangs nur in Form von Groschenromanen kannte und dem keinerlei literarische Relevanz zugesprochen wurde. Philip K. Dick erzählt an einer Stelle der Dokumentation von der an ihn gerichteten Frage, ob er denn nicht auch einmal etwas Ernstzunehmendes schreiben wolle. Wer aber diese Bücher, sowohl vor dem damaligen Hintergrund der LSD-Welle der 60er Jahre und insbesondere Nixons Präsidentschaft, als auch im heutigen digitalen Zeitalter als billige, nicht ernst zu nehmende Fiktion abtut, an dessen eigener Seriosität empfehle ich zu zweifeln.

Zu sehen ist „Philip K. Dick und wie er die Welt sah“ heute um 22.05 auf arte oder aktuell noch für 7 Tage in der arte Mediathek.

Für 2018 ist außerdem der Deutschland-Start einer britischen Anthologieserie mit dem Titel „Philip K. Dick’s Electric Dreams“ angekündigt, welche die Inhalte einige seiner frühen Kurzgeschichten aus den 1950er Jahren in einzelnen abgeschlossenen (und dadurch eher spielfilmartigen) Episoden aufgreift und seit September 2017 in Großbritannien ausgestrahlt wird. Auf der Liste der Schauspieler befinden sich unter anderem Bryan Cranston („Trumbo“), Vera Farmiga („Bate’s Motel“), Steve Buscemi („Boardwalk Empire“) und Geraldine Chaplin („Sieben Minuten nach Mitternacht“).

Bildquellen: 4.bp.blogspot.com / yorokobu.es

Arty Party: Das herbstliche Treiben auf der Kinoleinwand

by vctrl

Finally Backinthedaze.
Bevor am Ende noch einer denkt, unsere Redaktion sei inzwischen zwangsgeräumt worden, mache ich mich nun mal lieber an den Aufstieg, heraus aus der Schreibfäule des Sommerlochs, hinein in die neue Kinosaison.

Da geht es immerhin heiß her: Regie-Schwergewicht David Lynch erschafft ausnahmsweise mal keine neue (Albtraum-)Welt, sondern nimmt das Publikum unter Fremdregie mit in seine eigene. Sally Potter inszeniert ein herrlich ausartende Party in schwarz-weiß, die irgendwo zwischen Slapstick-Komödie und griechischer Tragödie endet, während hierzulande Arne Feldhusen, seines Zeichens Retter der deutschen Komödie, seine Protagonisten in Magical Mystery (nach dem gleichnamigen Roman von Sven Regener) durch die Techno-Szene der 90er jagt, und Margarete Kreuzer eine Dokumentation über Tangerine Dream abliefert.


Den Rest des Beitrags lesen »

So geht Morgensport in der Hauptstadt: Elad Magdasi – Two Floors

by vctrl

Für Liebhaber der gepflegten elektronischen Tanzmusik geht es momentan heiß her, betrachtet man allein, was im Januar und Februar an neuen Produktionen erschienen ist; da gibt es nicht nur was auf die Ohren, sondern auch für’s Auge, so arty sind einige der Plattencover. Und während der kleine Finger meiner linken Hand eher unästhetisch, aber ganz gemütlich in seinem frischen weißen Mullgewand so vor sich hinpocht und nachwächst – derartige Dinge ereignen sich, nebenbei bemerkt, wenn man mich zu früh und hungrig weckt -, kann ich es nicht lassen, ein paar Zeilen zu der Nummer, die zu besagten Releases gehört und gerade zum mindestens vierten Mal in Folge durch meine Lautsprecher schallt, in WordPress zu tippen. Zur Not eben im 9-Finger-System.

Aua. Um was ging’s eigentlich? Ach ja: „Two Floors“ von Elad Magdasi ist Teil der am 3. Januar 2017 releasten EP „Phasing Faces Vol.1“ [ANAGRAM007], deren drei weitere Titel von Anagram-Labelchef Sinfol aus Amsterdam, dem Italiener Davide sowie der Pariserin Anetha beigesteuert werden. Ein exzellent durchkomponiertes, tanzflächentaugliches Stück Techno, dessen schlagkräftiger Bass mit einer Synthie-Hookline garniert ist, die „Two Floors“ prädestiniert für die beste Sommerzeit: 7 Uhr morgens in der Pannebar (oder so ähnlich). Es empfiehlt sich mit Nachdruck, die Veröffentlichungen von Anagram im Auge zu behalten. Und bei Gelegenheit auf Anethas „Acid Train“ zu hüpfen.

Am 3. März 2017 dreht Elad Magdasi, der in Berlin lebt und arbeitet, dort die Teller und Knöpfchen in der Griessmühle, nebst u.a. Delta Funktionen, Ness, Daito und Nihad Tule.
> Veranstaltung auf Resident Advisor

via HATE
Elad Magdasi
auf Facebook // Soundcloud
Anagram Label auf Facebook // Soundcloud // Resident Advisor

Dreamy Debut: Artefakt – Kinship (Album)

by vctrl

Wie ein gelungener Auftakt funktioniert, demonstrieren in diesem noch recht jungen Jahr die Niederländer Robin Koek und Nick Lapien, die zusätzlich zu ihren Soloprojekten zusammen als DJ-Duo und Liveact unter dem Namen Artefakt die Clubs aufmischen. Nachdem bereits einige ihrer gemeinsamen Produktionen seit 2014 auf EPs der Labels Prologue, Field Records, Delsin und Konstrukt erschienen sind, feierten die beiden am 20. Februar 2017 mit „Kinship“ [122DSR] nun ihr Album-Debüt auf Delsin Records.

Das gute Stück beweist auf 2 x 12“ nach den vorangegangenen EPs zum wiederholten Male das Feingespür des Duos für das Zusammenwirken von Percussion und atmosphärischen Klangreisen und deckt mit seinen sieben Tracks ein recht breites Genre-Spektrum von Ambient über Electro und Acid bis hin zu Dub-Techno ab.

Nach dem behutsamen Einstieg durch den gleichnamigen Titel „Kinship“ wird es mit „Tapestry“ ein wenig düsterer, was daraufhin die Electro-Dynamik, Harmonie und frühlingshafte Unbeschwertheit von „Entering The City“ und „Somatic Dreams“ wieder ausgleichen.

„Fernweh“ schiebt im Anschluss noch ein wenig an und leitet damit zu „Return To Reason“ über, einer Nummer, die wohl in nächster Zeit noch auf der ein oder anderen dunklen, vernebelten Tanzfläche zu hören sein dürfte. [Nachträgliche Anmerkung: „Return To Reason“ eignet sich im Übrigen – und vermutlich nicht zufällig – hervorragend als Soundtrack für den gleichnamigen Experimentalfilm von Man Ray (Originaltitel: „Le Retour À La Raison“) aus dem Jahr 1923, den es auch auf Youtube zu sehen gibt. Man spiele also Film und Track parallel ab – zack feddich: 29nov films.] „Tapeloop 1“ schließt mit seinen harmonischen Sphären als siebter und letzter Titel den musikalischen Kreis, womit „Kinship“ zugleich sein Ende findet und wieder von Neuem beginnen kann.

Und tatsächlich hat man an dieser Stelle irgendwie das Gefühl, soeben einer in sich geschlossenen Narration gefolgt zu sein. Sogar – voll schön! – mit Happy End. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, dem sei der folgende Link zum freien Stream in voller Länge auf Bandcamp empfohlen.

„Kinship“ bei Delsin Records
Artefakt
 auf Facebook // Discogs // Bandcamp // Soundcloud

„Abstrakt: Design als Kunst“ … für die Couch

by vctrl

Für die neue Netflix-Dokumentationsreihe „Abstrakt: Design als Kunst“, die auf der VoD-Plattform seit 10. Februar zu sehen ist, öffnen renommierte Kreative aus einer Vielzahl unterschiedlicher Branchen die Türen ihrer Ateliers, wo sie Anekdoten, persönliche Eindrücke und Erinnerungen aus ihrer beruflichen Laufbahn in der Kreativwirtschaft zum Besten geben und sich zwischendurch immer wieder während ihrer Schaffensphasen von der Kamera über die Schulter blicken lassen.

Illustrator Christoph Niemann etwa beginnt mit den simpelsten Alltagsgegenständen und Formen und zaubert daraus allerhand, von diversen Covern für das New York Times Magazine bis hin zu verblüffenden Instagram-Skizzen, während Nike-Designer Tinker Hatfield von weichen Knien vor der Präsentation der ersten Modelle der inzwischen legendären Air Jordan-Serie in Anwesenheit des – in mehrfacher Hinsicht – großen und inzwischen ebenfalls legendären Sportlers berichtet. Außerdem mit von der Partie sind Bühnenbildnerin Es Devlin, Architekt Bjarke Ingels, Innenarchitektin Ilse Crawford, Grafikerin Paula Scher, Automobildesigner Ralph Gilles sowie der Fotograf Platon, denen jeweils eine Episode mit knapp 45 Minuten Laufzeit gewidmet wird.

„Abstrakt: Design als Kunst“ vermittelt nicht nur einen kurzweiligen Einblick in die verschiedenen Arbeitswelten, sondern regt als Serie mit ihrerseits ebenso ansprechender  Ästhetik auch gleich den Zuschauer, der gerade noch gemütlich auf seiner Couch lümmelt, an, nach dem Abspann an den Schreibtisch zu wechseln, mit nichts als einem weißen Blatt Papier vor sich…

Zu sehen ist die Doku-Serie exklusiv auf Netflix, und zwar genau hier.

Das neue Jahr beginnt irgendwo zwischen radikal und liberal: Der „Hassias“ steht zur Wahl

by vctrl

Der erste Post im neuen Jahr. Mit diesem Wissen überkommt mich direkt ein Hauch an Verantwortungsgefühl. Ganz unkommentiert kann man den Jahreswechsel ja nun auch nicht geschehen sein lassen.

Ich denke, so im Großen und Ganzen betrachtet, können wir froh sein, 2016 hinter uns zu haben. Obgleich ich mich nicht gerade zum Kreise derer zählen würde, für die jeder Jahreswechsel einen epischen Moment darstellt, der wochenlang im Voraus akribisch geplant werden muss – obwohl niemand ernsthaft erwarten kann, dass sich wie von Zauberhand mit dem Verstreichen einer einzigen Nacht am Jahresende überhaupt irgendetwas ändert, außer dass dem ein oder anderen bei Morgengrauen ein Körperteil fehlt –, würde ich unterschreiben, dass der Mensch ab und zu mal eine solche Zäsur braucht, um neuen Mut zu schöpfen. In einer Gesellschaft, die so verkommen ist, dass sie Neologismen wie „postfaktisch“ und „Sexmob“ entwickeln musste, um das, was in ihr vorgeht, zu beschreiben, gibt es offenbar noch einiges zu tun. Eine ordentliche Prise intrinsische Neujahrsmotivation à la „Neue Runde, neues Glück“ kann da kaum schaden. Uns steht schließlich mal wieder ein Wahljahr bevor.

Gleich zu Beginn trumpft die deutsche Politik bereits mit brisanten Neuigkeiten auf. Am 4. Januar teilte Die PARTEI auf ihrer Facebook-Seite ein Interview von n-tv mit ihrem diesjährigen Kanzlerkandidaten, der seine Kandidatur am 5. Dezember 2016 in Köln offiziell verkündet hat. Mit Serdar Somuncu stellt die von Martin Sonneborn geleitete satirische PARTEI einen Repräsentanten auf, der voll und ganz ihrem Stil entspricht: intelligent, feinsinnig, ironisch, provokant.

Wir werden vielleicht gelegentlich mal in aufreizender Montur auftreten, aber unsere Sexismen beziehen sich vor allem auf unsere politischen Gegner. Da werden wir genug Angriffsfläche haben. Frauke Poetry. Andreas Merkel, Comtessa Beatrice von Strolch…

Auf seinem Programm stehen u.a. die „verpflichtende Homo-Ehe“, eine „Kopftuchpflicht auch für Männer“ sowie ein „Internetverbot für Asoziale“, wie der designierte Kanzlerkandidat im Gespräch mit rap.de proklamiert. Auf die Frage der n-tv Redakteurin Judith Görs, was Serdar Somuncu und die PARTEI hinsichtlich ihrer provokanten Äußerungen denn eigentlich von der AfD unterscheide, antwortet er in gewohnter Schelmenmanier, er sei „noch populistischer und auch polemischer“. Tatsächlich hat er laut eigener Aussage Vertreter der AfD in seine Talkshow („So!Muncu“) eingeladen, welche allesamt nicht erschienen.

Auch das ist im Übrigen die Aufgabe dieses Hybrids aus Satire und Politik, den wir geschaffen haben: Debatten anzustoßen, damit daraus Politik entsteht.

In der AfD stieß man dagegen lieber Justizfälle an: sie verklagte Serdar Somuncu im vergangenen Jahr – wegen „Volksverhetzung“. Auch sonst hat der Mann offenbar nicht nur Freunde, wie die eigens eingerichtete, auf ein beachtliches Maß angewachsene „Klagemauer“ auf seiner Website somuncu.de unter Beweis stellt. Erst kürzlich wurde außerdem eine weitere Klage gegen ihn eingereicht, dieses Mal vonseiten des WDR, im Speziellen einer Redakteurin, auf „schwere Beleidigung“. Diskutiert wird nun laut F.A.Z., ob sein Pöbel-Kommentar in Richtung WDR-Redaktion während einer Podiumsdiskussion der Körber-Stiftung im Jahr 2015 („Diese Arschlöcher nehmen sich raus, im Namen der Gebührenzahler, uns zu zensieren. Und das war für mich die Keimzelle des Faschismus.“) aufgrund seiner Rolle als Satiriker anders zu bewerten sei als beispielsweise die Äußerungen eines Journalisten. Dass Satiriker keine Narrenfreiheit mehr genießen, ist mittlerweile ja nichts Neues. Dass sie sich gerade dann zu verantworten haben, wenn es um Pressefreiheit geht, leider auch nicht.

Den Rest des Beitrags lesen »

Weniger ist mehr: Leibniz – 2 Simple

by Kilian

Für Dillingens Finest und Leipzigs Liebling Leibniz waren die vergangenen Wochen extrem umtriebig: Neben dem zelebrierten Closing beim ersten Boiler Room Leipzig im Institut für Zukunft erschienen zuletzt über VFMM – Verein freier Menschen und Musik – gemeinsam mit seinem in Düsseldorf lebendem Bruder unter ihrem Pseudonym DJ OK (aka DJ Ja und DJ Nein) die EP „It’s fine“ und eine unbetitelte Split-EP von DJ OK und DJ Bwin (Leibniz und Alex Hoppe) über das irische First Second Label, sowie darüber hinaus am vergangenen Freitag, 9. Dezember, seine neue Solo-EP „Bat“ (RAT LIFE 10) über das Sublabel von Uncanny Valley, Rat Life. Auf besagtem jüngstem Release befindet sich die vorliegende Nummer, welche nach seinem Set im Boiler Room ordentlich Welle in den Online-Kommentarspalten machte und für gehörig Nachfrage sorgte. Vor dem Release feierte der Track nun vergangenen Mittwoch bei Clash Premiere und es geht wohl nicht zu weit, zu sagen – diese Nummer wird die Tanzflächen noch eine ganze Weile begleiten. Die guten jedenfalls.

2 Simple“ lautet der Name des Stücks und der Name ist zweifelsohne Programm: Wunderbar aufs Nötigste reduzierter, groovegeladener House mit breakigen Jungle-Anleihen und garantiertem Dancefloorappeal, tanzbar, funky, smart. Sympathisch schnörkellos und Spaß over 9000. Wer wissen möchte, wie man mit minimalsten Mitteln eine überzeugende Bassline produziert, ist hier genau richtig und „2 Simple“ darüber hinaus wohl der annähernd perfekte Track, um House-Verächter und House-Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen. Glanzstück!

Show some love: Coppt die „Bat“ EP von Leibniz beim Plattenhändler eures Vertrauens oder via Bandcamp!

via Clash

We’re all mad here: AIROD – Universe of 90’s Techno Parties

by Kilian

Mein lieber Herr Gesangsverein, damit hätte ich nicht gerechnet. Da lenkt man sich nichtsahnend mit Schreiben und Musikrecherche von seinen Verpflichtungen ab und auf einmal dröhnt ein Track durch die Boxen, der den gesamten, immerhin halbwegs normalen Tagesablauf auf den Kopf stellt. Zwischen mir und meinem wohlverdienten Wochenende liegt nur noch eine vier- bis fünfstündige Schicht auf der Arbeit und dann werden endlich mal wieder die Straßen Leipzigs unsicher gemacht. Bis vor kurzem war meine Motivation dafür heute eigentlich eher von der Sorte so mittel, doch mit diesen Klängen aus dem Soundsystem sieht die Welt schon ganz anders aus.

Bekanntlich soll man ein Buch – oder wie so oft in unserem Falle, eine Schallplatte – ja nicht nach seinem Umschlag beurteilen, doch bei der im November diesen Jahres veröffentlichten „Universe“ EP trifft die (jedenfalls meine) erste Assoziation mit dem Artwork genau ins Schwarze: Verspulter, ekstatischer, gnadenloser, antreibender, Widerstände brechender, Nächte veredelnder 90s Techno – und das auch noch allererster Güte. Was der französische Produzent AIROD da auf seinem Track „Universe of 90’s Techno Parties“ so aus seiner Hardware zaubert, ist ein beachtliches Ausrufezeichen an diesem Samstagmittag. Verführerisch zum Wahnsinn treibende Synthesizer, eine staubtrockene Kick und glasklar auf lichtentleerte, heiße Clubs zugeschnittene Effekte ziehen in ihren Bann. Veröffentlicht wurde die drei Tracks starke EP, welche noch zwei Remixes von Moth und Process 404 beinhaltet, über das von Dario Brkic aka AIROD 2016 mit gegründete französische Label Molekül. Der Titeltrack seiner, nach „Black Wall“ vom Mai diesen Jahres, zweiten EP offenbart sich – in meiner bescheidenen Meinung – als kompromissloser, jeden Dancefloor zum Ausrasten bringender Sound für die Dunkelheit, in einer Intensität, wie sie mich in der jüngeren Vergangenheit wohl selten erfrischt hat. Man darf auf die Zukungt von Artist und Label sicherlich gespannt sein. Paradestück!

Unterstützt Künstler und Label mit dem Kauf der Platte über Bandcamp!

via Ayarcana

Scharf, schärfer, ß: Bahn frei für das große Eszett

by Kilian

Am vergangenen Donnerstag reichte der Rat für deutsche Rechtschreibung seinen dritten Report bei der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder ein, welcher zwei Vorschläge für Modifikationen des Regelwerks der offiziellen deutschen Rechtschreibung beinhaltet, die nun auf die Freigabe durch die staatlichen Entitäten warten: Auf der einen Seite diverse marginale Veränderungen in der Klein- und Großschreibung von Adjektiv-Substantiv-Kombinationen und auf der anderen Seite so etwas wie ein kleiner Meilenstein. Es geht um nicht weniger als die Verankerung des Eszett-Großbuchstabens in die amtliche deutsche Rechtschreibung – ein Unterfangen, welches immerhin schon über 100 Jahre (auch schon vor 1919) für seine Umsetzung braucht:

duden1919-grosess

/// Auszug aus dem Duden (1919) | Bild via typografie.info

Im Jahr 2005 musste Dr. Kerstin Güthert vom Rechtschreibrat auf eine diesbezügliche Anfrage von Thomas Landsgesell noch antworten, dass man den Bedarf und Nutzen des Zeichens sehr wohl sieht, aber den Buchstaben selbst nicht »erfinden« könne. Dazu bedürfe es »einer Initiative der Schreibgemeinschaft«. Und so kam es.

Manch einer wird nun fragen: Warum? Ein anderer vielleicht: Warum erst jetzt? Die Antwort liefert die offizielle Begründung aus dem Bericht des Rates für deutsche Rechtschreibung:

Mit dem Vorschlag, bei Schreibung mit Großbuchstaben den Großbuchstaben <ẞ> neben der Ersatzschreibung <SS> zuzulassen, soll eine mit dem Schriftbild besser zu vereinbarende Lösung angeboten werden, als es die zurzeit praktizierte Behelfslösung darstellt, die den Kleinbuchstaben <ß> inmitten von Großbuchstaben setzt.

Kurzum geht es darum, endlich sowohl das Zeichen als auch die Verwendung des großen ß innerhalb der amtlichen deutschen Rechtschreibung offiziell zu etablieren und so ein Schriftbild zu schaffen, in dem jeder Buchstabe sowohl als Klein- als auch als Großbuchstabe auftaucht und benutzt wird. Unterstützung bekommen die Antragsteller hierbei unter anderem vom Goethe-Institut und dem Bildungsministerium unseres Nachbarlandes Österreich. Ausstehend ist demnach nur noch die finale Bestätigung durch die Kultusministerkonferenz, welche damit nach über 100 Jahren einen immer wieder adressierten Schönheitsfehler der deutschen Sprache der Vergangenheit angehören lassen kann.

bildschirmfoto-2016-12-10-um-12-47-56

via Design made in GermanyTypografie.info

Bild 2: Screenshot

 

Powerful: Stone Cream – Rust (Album)

by Kilian

Powerful, indeed. Bereits vor einigen Monaten kam, wohl zuerst im Subreddit /r/punk, die Theorie auf, dass die (zu diesem Zeitpunkt noch rein theoretische) Präsidentschaft von Donald J. Trump – das ‚J.‘ steht für ‚Jackass,‘ wenn ich nicht irre – für eine neue Welle aggressiver, vom Status Quo abgefuckter Punk-, Rock- und Hardcore-Musik in den USA sorgen würde. Eine Theorie, die mittlerweile schon aus verschiedenen Quellen iteriert wurde und die, genau betrachtet, nur die logische Fortsetzung des bisher in der Geschichte Beobachteten ist: Mit einem Blick auf die 1970er und 1980er Jahre, Reaganomics, Thatcherism, martkradikalem Kapitalismus und einer ersten riesigen Welle Abgehängter, politischer Instabilität und unkontrollierter Wirtschaft, sieht man, welche Auswirkung die sozioökonomische Situation in besonders den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich auf lokale, nationale und dann internationale Musikszenen hatte und der Ursprung wie vieler Bands und auch Subgenres in exakt diesen Jahren zu verorten ist. Es wäre nicht verwunderlich, wenn dies in den USA nun, da Donald Trump im Januar zum Präsidenten vereidigt werden wird, erneut so ablaufen würde und immerhin als eine Art kleiner, musikalischer Lichtblick am Horizont der schlechten Aussichten dienen könnte. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, wie man so hört.

Ins Auge sticht, analog zum gewählten Beispiel, in jüngerer Vergangenheit allerdings auch die harte, gitarrenlastige Musik des seit einigen Jahren zur germano-europäischen Urlaubs- und Schuldenkolonie degradierten Griechenland, welche dank Internet in immer steigender Frequenz und Intensität auftaucht und welche von einer Menge Wut im Bauch zeugt. Wen würde es wundern – eine erneute Wiederholung aller Details wäre an dieser Stelle wahrlich redundant –, bei den dortigen Verhältnissen, an denen wir Kartoffeln eine ordentliche Teilschuld tragen, ob wir wollen oder nicht. Deprimierende kapitalistische Normalzustände beiseite: Stoner Rock. Stoner Rock aus Griechenland. Stoner Rock aus Griechenland mit den mächtigsten Riffs, die in den vergangenen Monaten durch die Boxen des bescheidenen Refugiums des Autors geschallt sind. Stoner Rock aus Griechenland mit einer Stimme, bei der sowohl Lemmy (R.I.P.) als auch John Garcia von Kyuss nur ein anerkennendes Daaamn, Son! entfahren dürfte. Vocals, die nach einer Menge Lagavulin und Zigaretten nur so herrlich stinken und alle verpackten und kanalisierten Emotionen kompromisslos transportieren. Dazu: Groove par excellence. Par excellence!

2016 war ein formidables Jahr für Stoner Rock, dessen können sich die musikalischen Historiographen der Zukunft sicher sein. Stone Cream werden für diese fruchtbaren zwölf Monate gewiss zumindest exemplarisch genannt werden, veröffentlichen die Griechen doch kurz vor Jahresende doch noch einen echten Diamanten für die ohnehin schon vor Qualität berstende Anthologie des laufenden Jahres. Formiert wurde die Band 2013 und geprobt und aufgenommen wurde zur Genüge, doch bis just vorgestern wurde kein einziger Song veröffentlicht. Via Bandcamp wurden nun acht Tracks des Trios zum Album „Rust“ kompiliert und zum Free Download bereitgestellt und das absolut zurecht. Begonnen beim mitreißenden und nicht loslassenden Opener „Jail Dog“ tragen sich grandios Phaser-verfremdete Gitarre und Vocals voller Intensität über das erneut von großartigem Sound der Saiteninstrumente befeuerte „Broken Child“ bravourös, unschätzbar intensiv und voller Groove über die komplette Lauflänge des Albums. Die ganze Scheibe steht ohnehin im Zeichen von Fuzz-geladenen Riffs und Groove ohne Ende, „Snakes On My Back“ und das etwas langsamere „Ghost“ überzeugen hierbei ebenso wie das dreckige „Galaiandra.“ Die auffallend gut passende Stimme des Sängers fällt auf „Rust“ erneut mit dem phasenweise ruhigeren „Aegean“ ins Ohr, dessen sphärisches Introriff für den richtigen trippy Anstrich sorgt. „Haunted Train“ sorgt noch einmal für die nötige Beschleunigung, bevor auf „Bow“ erneut die starken Southern Rock-Einflüsse hörbar werden, die mit dem harten, verzerrten Gitarrensound der Band und einer Rockstimme, um die Stone Cream hundertprozentig beneidet werden dürften, ein mehr als überzeugendes Debütalbum passend abrunden.

Unterstützt die Band bei Bandcamp und sichert euch das Album „Rust“ als Free Download!

(Direktlink)